Cup- und Serienberatung Follow me

Diese Saison haben Hobbyracer die Qual der Wahl: Nie zuvor gab es mehr Cups und Serien, deren Philosophie teilweise sehr unterschiedlich ausfällt. PS stellt die wichtigsten Cups und Hobbyrennserien vor. Was passt zu wem? Ein Wegweiser.

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Nächtelang gegrübelt, die Sache unzählige Male durchgerechnet. Es wird schwierig, doch irgendwie wird es bestimmt gehen. Rennsport ist sauteuer und total irrational. Aber genau das macht den Reiz aus. Du lebst jetzt. Du willst es. Möchtest echter Hobbyracer werden. Nicht nur dann und wann einmal bei einem Renntraining zum Spaß eine sogenannte Vergleichsfahrt mitmachen, darüber bist du raus. Du willst dich regelmäßig mit Gleichgesinnten messen, du willst hoch hinaus. Wimmer, Teuchert, Penzkofer, Sofuoglu und Eckhardt sind für dich keine böhmischen Dörfer, sondern omnipräsente Helden, deren Lebenslauf du auswendig kennst, denen du es gleichtun möchtest.

Cut, Schluss, aus. Diese Nockenwellenlyrik hat der Yamaha-R6-Dunlop-Cup nicht nötig. Er ist quasi ein Selbstläufer. Wer einen der 50 Startplätze ergattert hat, darf sich glücklich schätzen. Dieser Cup scheint keine Rezession zu kennen. Generationen von Rennfahrern durchschritten seine harte Schule, die Besten errangen später Weltmeisterehren – das spricht Bände. Wer sich auf diesen Cup einlässt, sollte den Racing-for-fun-Gedanken verabschieden; den findet er anderswo. Profis organisieren den Yamaha-Cup straff; die Läufe finden meist im Rahmen der IDM statt. Die Halligallidrecksauparty abends auf der Rennstrecke ist damit tabu. Zudem legt die Cup-Leitung großen Wert auf Disziplin: ohne Teambekleidung zu spät zum Briefing gekommen, und dann hat auch noch dein Handy gebimmelt? Au weia, das wird teuer. Der Strafenkatalog ist mindestens so berüchtigt wie die penible technische Abnahme. Nette Anekdote gefällig? Kenan Sofuoglu, 2007 Supersport-Weltmeister, wurde einst nach einem Cup-Rennen disqualifiziert, weil er aus Versehen ein Kettenrad verwendet hatte, das nicht der offizielle Cup-Partner geliefert hatte. Der junge Türke wollte im ersten Moment aus Scham sogar seine Rennsportkarriere beenden. Keine weiteren Fragen.

Doch: Ist der R6-Cup für Einsteiger geeignet? Ja; aber nur, wenn sie die nötige Portion Talent und Ehrgeiz mitbringen. Dass es kein Kindergeburtstag ist, wenn sich an die 50 R6-Treiber auf identischen Motorrädern in den Infight begeben, versteht sich von alleine. Dafür ist so gut wie sicher, dass jeder R6-Cup-Teilnehmer über die Rennsaison an der vielzitierten Rennhärte und an Speed zulegen wird: Ein schnelles Feld macht schneller – alt, aber noch immer wahr, diese Racer-Weisheit. Sie bewahrheitete sich letztes Jahr auch für einen Newcomer im Cup-Geschäft, den Triumph Street Triple Cup. Auf Anhieb ist es seinen Organisatoren gelungen, eine gesunde Mischung aus Spaß und Racing zu finden. Der typische Teilnehmer ist bereits Ü40, also im besten Alter; er genießt sein Rennwochende auf und neben der Strecke in vollen Zügen, will harten, aber fairen Sport – für den unser Held eigentlich viel zu wenig Zeit hat: Job und Familie fordern Tribut. Genau für solche Zeitgenossen ist der Triumph-Cup ideal. Fünf Veranstaltungen mit je zwei Läufen, die allesamt in Deutschland ausgetragen werden, sparen Zeit und vermeiden lange Anfahrtswege. Der Cup-Organisator Sport Evolution bietet eine professionelle Infrastruktur für die T-Cupper, lässt es aber im Vergleich zu den Kollegen vom R6-Cup etwas legerer angehen. Disziplinlosigkeit, so es sie denn gäbe, würde dennoch entsprechend geahndet – vor allem, wenn es sich um rücksichtsloses Fahren handeln würde.
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T-Cup und KTM Super Duke Battle

Schließlich geht es auch im T-Cup um Sachpreise und sportliche Ehre. Die Rundenzeiten, die die Top-Leute letztes Saison mit der Triumph Street Triple (Serienmotor, gut 105 PS) vorlegten, waren aller Ehren wert und dürften dieses Jahr den einen oder anderen bekannten Namen in den T-Cup locken, zumal Vorjahresmotorräder ausdrücklich zugelassen sind. Die meisten Teilnehmer haben sich momentan aber für den Kauf des kompletten T-Cup-Pakets entschieden, das neben einer rennfertigen Street Triple R die komplette Fahrerbekleidung beinhaltet. Sport Evolution wird in dieser Saison sogar Gaststarts gestatten, um Quereinsteiger für seinen Naked-Bike-Cup zu begeistern. Einfach mal reinschnuppern ist auch bei der KTM Super Duke Battle möglich, sozusagen die Blutsschwester des T-Cups. Startberechtigt sind hier Super Dukes aller Modelljahre, das Reglement ist so offen und einfach wie möglich gehalten. Ebenso steht in dieser Rennserie der Spaß am Racing klar im Vordergrund. Die SDB ist gleichfalls prima organisiert (inklusive Catering), die Teilnehmer sind ein Haufen wundervoll verrückter Vollgasfans, gern etwas extrovertiert, teils schrullig, allesamt eine verschworene Gemeinschaft.

Wie wichtig es KTM Deutschland mit der Battle ist, zeigt Geschäftsführer Norbert Zaha: Er dreht persönlich am Cup-Gasgriff. Dieser Punkt eint ihn mit seinem Yamaha-Kollegen Minoru "Fullgas!" Morimoto, einem begeisterten R6-Cup-Gaststarter. Mit viel persönlichem Engagement steuern die Macher des ADAC-JUNIOR-CUPS den für die jungen Wilden so wichtigen Cup durch schwierige Zeiten. Er ist zwar markenoffen ausgeschrieben, doch gilt die Aprilia RS 125 als ausgereifte Basis und das unangefochtene Maß der Dinge. Gefahren wird auf Metzeler-Einheitsreifen; Regenreifen sind nicht erlaubt. Regenpneus sind bei lizenzfreien Rennserien unisono freigegeben. Eine interessante inofflizielle Markenmeisterschaft heißt kurz und knapp R-CUP: Er wird im Rahmen der Bike Promotion-Meisterschaft ausgefahren. Einfaches Reglement, dazu kostengünstig: Hauptsache, man nennt mit einer Yamaha YZF-R6 oder R1, egal welches Modelljahr. Metzeler-Einheitsrennreifen sind Pflicht. Gleichermaßen unkompliziert geht es schon traditionell im GERMAN-ENDURANCE-CUP zu: Er stellt für Langstreckenfans seit 2004 die erste Adresse in Deutschland dar. Der GEC ist auch für Einsteigerteams interessant: In der Mehr-Motorräder-Wertung starten Mannschaften mit zwei oder sogar drei Motorrädern. Die teilen sich einfach einen Zeitnahmetransponder.

Fairplay und Kameradschaft einen das Fahrerfeld; das mag etwas angestaubt klingen, ist aber tatsächlich spürbar. Während Sprintrennen zwangsläufig das Ego und das Durchsetzungsvermögen des Fahrers ganz besonders fordern, setzt Erfolg in der Langstrecke ein gutes Teamwork voraus. Wer einmal ein solches 8-Stunden-Rennen mit all seinen vorhersehbaren und unerwarteten Widrigkeiten im Ziel beendet hat, der versteht, warum die Teams hinterher gern etwas ausgelassener feiern: weil sie gemeinsam etwas Außergewöhnliches vollbracht haben, auf das sie mit Recht stolz sind.
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Empfehlenswerte Cups und Hobby-Rennserien

ADAC-Endurance-Challenge: In Planung sind außer den 1000 Kilometern von Hockenheim vier weitere Langstreckenrennen, darunter auch der Start im Rahmen eines Bördesprints (BS) in Oschersleben. BS-Macher Ottmar Bange plant seinerseits vier Langstreckenrennen (www.msf-sauerland.de).

Neues vom Seriensport – endlich Reformen: Jetzt sind Regenreifen erlaubt, man wagte es ja kaum noch zu hoffen (www.seriensport.com). Lizenzfreie Alternativen: Die Futz Racing Challenge (www.futz-racing.de) ist eine kleine, sehr familiäre und gut organisierte Serie, bei der es tatsächlich kostenfrei Frühstück gibt.

Franz Sachs von Jura Racing (www.jura-racing.de) bietet seit vielen Jahren neben feinen Trainings diverse Rennklassen an, u. a. auch für Mädels und "Old Men" (Ü40). Robert Neureiter von www.prospeed.de, wie Sachs ein kantiger und streitbarer Bayer, schart ebenfalls eine treue Fangemeinde um sich. Er bietet Rennen für erfahrene Racer an. Last, but not least: Art Motor (www.art-motor.de). Dort sollte jeder Motorradtyp, vom Classic Superbike über Italo-Twins bis hin zu japanischen Vierzylindern, seine ganz persönliche Heimat finden.
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Alle Cups auf einem Blick

ADAC Junior Cup
Seit 1993 ist er für Teenager der Einstieg ins Renngeschehen. Das Nenngeld be-trägt 1600 Euro; enthalten sind die Lizenzgebühren und ein mehrtägiger Einführungslehrgang in Italien. Gefahren wird bei Topveranstaltungen traditionell mit der Aprilia RS 125, unter anderem beim Sachsenring-GP. Höchstalter: 21 Jahre. www.adac-motorsport.de


German Endurance Cup
Den german endurance cup trägt Bike Promotion aus. Er umfasst fünf 4-Stunden- und ein 8-Stunden-Rennen auf europäischen Rennstrecken. Die Serie bietet viel Fahrzeit fürs Nenngeld (ab 2199 Euro für die Saison 2009, Gast-starts auf Anfrage), außerdem das Flair des Langstreckensports. www.german-endurance-cup.de


KTM Super Duke Battle
Beliebt, rustikal und ehrlich. Die von KTM direkt und professionell betreute Battle verspricht auch im dritten Jahr mit dem mächtigen V2 Hochspannung und wohligen Twin-Sound. Das Nenngeld ist fair bemessen: 1999 Euro kosten acht Veranstaltungen mit je zwei Läufen. Es dürfen KTM Super Dukes aller Jahrgänge eingesetzt werden. www.ktmsuperdukebattle.de


R-Cup
Alternativer Markencup; Yamaha R6 und R1 aller Modell-jahre dürfen teilnehmen. Weshalb auch ältere Schätzchen (siehe Bild; nicht von den HRC-Klebern täuschen lassen!) erfolgreich zum Einsatz kommen. Acht Läufe stehen auf dem Programm, Basispaket: 1299 Euro. Als Hauptpreis aller Bike Pro-motion-Meisterschaften winkt eine Yamaha YZF-R6. www.r-cup.de


Triumph Street Triple Cup
Fünf exklusive Veranstaltungen mit je zwei Läufen ausschließlich auf deutschen Strecken. Die Street Triple R dient als Cup-Basis, Vorjahresmodelle sind ausdrücklich erlaubt, Gaststarter herzlich willkommen. Nenngeld: ab 370 Euro (Gaststart), komplette Saison: 1890 Euro, Komplettpaket (inkl. Street Triple R): ab 11 850 Euro. www.t-cup.eu


Yamaha-R6-Dunlop-Cup
Die Mutter aller Markencups: Der Yamaha-R6-Dunlop-Cup. In seinem 31. (!) Jahr populärer denn je. Stramme, hochprofessionelle Organisation. Der R6-Cup verlangt Konsequenz, Fairness, Demut und Disziplin. Wer hier triumphiert, dem steht das Tor zur Profikarriere weit offen. Aber auch Hobbyfahrer macht der acht Läufe umfassende R6-Cup vor allem eines: schneller. Cup-Paket: 14 890 Euro. www.yamaha-cup.de
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Fit in den Frühling: Schraubertipps

Thomas „Ketchup“ Rothmund, Technikchef des PS-LSL-X-lite-Langstreckenteams, gibt Schraubertipps fürs erste Renntraining im Frühjahr: Motor: Öl und Ölfilter wechseln, Ventilspiel kontrollieren und ggf. einstellen. Luftfilter kontrollieren und bei Bedarf reinigen, Zündkerzen ausbauen und Elektroden prüfen.

Bremsen
Bremsflüssigkeit wechseln (DOT 4 reicht), Beläge prüfen, Kolben reinigen und die Bremsleitungen auf Risse, Knicke und Scheuerstellen prüfen.

Fahrwerk:
Die Gabelholme ausbauen, Öl tauschen, Innereien reinigen, beim Zusammenbau neue Simmerringe verwenden. Das Federbein auf Dichtigkeit prüfen. Funktioniert die Einstellung von Druck- und Zugstufendämpfung einwandfrei? Im Zweifel schleunigst zum Spezialisten schicken und revidieren lassen. Kühlsystem: Das für den Winter eingefüllte Kühlwasser, das mit Glysantin gemischt ist (schützt vor Korrosion und Frost), hat auf der Rennstrecke nichts verloren. Raus damit. Tipp: Kein Leitungswasser, sondern destilliertes Wasser (bzw. Osmose- oder Regenwasser) mit Water Wetter-Zusatz (Korrosions-, kein Frostschutz!) verwenden.

Antriebsstrang:
Ritzel, Kettenräder und Kette prüfen. Bleiben Glieder geknickt oder läuft sie ungleichmäßig? Tauschen! Dabei unbedingt auf Qualität achten (z. B. DID oder Enuma); eine gerissene Kette kann fatale Folgen haben.

Tank:
Mit Tankschaum gefüllt? Benzinpumpe ausbauen, Sieb reinigen, mit neuer Dichtung wieder zusammenbauen.

Zu guter Letzt:
Alle Züge, Hebeleien und Achsen schmieren, alle Schrauben etc. auf korrektes Anzugsmoment prüfen.

Roll-out:
Motor vorher auf Temperatur bringen, in der Boxengasse vorsichtig Bremswirkung prüfen, in der ersten Runde auf Geräusche und Vibrationen achten. Nach drei, vier Runden wieder in die Box fahren, komplettes Motorrad checken: Dichtigkeit (Motor, Kühlsystem, Bremse), Anzugsmomente der Achsen, Lenkerklemmungen, Hebel und Bremssättel. Alles gut? Dann viel Spaß und Erfolg beim ersten Renntraining 2009.

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