Porträt: Dr. House-Darsteller Hugh Laurie Mit einer Honda Fireblade zum Kult geworden

Als Engländer hat Hugh Laurie der US-Serie "Dr. House" viel schwarzen Humor implantiert. Mit Gehstock und Dreitagebart ist der fiese Zyniker House Kult geworden. Und mit einer Fireblade. Im richtigen Leben liebt Laurie eine Bonneville.

Foto: RTL

Er ist groß gewachsen, dünn wie eines jener Sandwiches, die Patienten in der Klinik serviert werden, will sagen: ein wenig trocken. Sein Humor schneidet wie ein Skalpell, und seine Worte stechen wie eine Infusionsnadel. Wissen Sie, von wem wir sprechen? Bingo, Sie haben eine Klinikpackung steriler Kompressen gewonnen. Es ist Dr. House.

Während er darauf wartet, dass die beliebteste Fernsehserie der Welt in einer neuen Staffel auf die Bildschirme zurückkehrt, hat sich der Arzt-Darsteller Hugh Laurie bereit erklärt, über eine Krankheit zu sprechen, die ihn in den Klauen hält, seit er „brumm, brumm“ sagen kann: das Motorrad.

„Diese pathologische Erscheinung wurde bereits in einem sehr zarten Alter diagnostiziert“, erinnert sich der englische Schauspieler. „Ich muss so etwa sieben Jahre alt gewesen sein, als ich damit anfing, Motorrad-Aufkleber zu sammeln, die ich mit fast schon religiöser Inbrunst in ein Album klebte. Mein ganzes Taschengeld ging dafür drauf.“ Das Thema ließ ihn nicht mehr los: Mit Rasenmähen beim Nachbarn, Babysitting usw. arbeitete Laurie als Schüler an einem Ziel: sein erstes Moped zu kaufen. Bis sein Vater schließlich sein Veto einlegte. „Er war ehemaliger Olympiasieger im Rudern und Arzt. Er fürchtete, dass ich mich an einer Straßenecke weghaue, mich zum Krüppel fahre und auf einen Schlag nicht mehr in der Lage sein könnte, effizient zu rudern.“

Das sollte kein Hindernis sein: Hugh sah seine Stunde kommen. „Mit 14 Jahren habe ich mir einen Roller gegönnt. Ich hatte nicht wirklich Gelegenheit, ihn einzufahren, weil ich ihn gleich in ein Feld gepflanzt habe. Immerhin ist mir selbst nichts dabei passiert.“ Aber der Roller war hinüber. Was für den Jungen eine Katastrophe war. So überdachte Lauries Papa schließlich seine Haltung und kaufte ihm zwei Jahre später eine Honda SS 50. „Der Motor war etwas schwachbrüstig, und die Straßenlage etwas limitiert“, erinnert sich Hugh, „besonders angesichts dessen, was ich mit dieser Maschine ausdrücken und wen ich beeindrucken wollte. Natürlich waren das die Mädchen, die ich auf meinem Gepäckträger mitfahren ließ. Aus heutiger Sicht muss ich gewirkt haben wie ein Westentaschen-Brando“ - sagt’s und grinst ob des großen Schauspieler-Vorbilds.

Dank seinem Status als Fernsehstar konnte Hugh Laurie mittlerweile zu größeren Hubräumen übergehen. „Ich weiß, dass es etwas materialistisch erscheint, aber ach, was soll’s, ich stehe dazu: Ich besitze mehrere Motorräder. Von einer Harley-Davidson über eine BMW und eine Honda CBR 1000 RR bis hin zu einer Triumph Scrambler. Doch im Ernst: Am geilsten finde ich es immer noch, meine alte Bonneville zu reiten.“

2004 wurde Hugh Laurie als Dr. House zu einem der wichtigsten Stars im Hollywood-Universum. Als die Produzenten ihn fragten, ob er neben Gehstock und Dreitagebart sich nicht noch Markenzeichen zulegen könne, kam er aufs Motorrad und ließ eine Honda Fireblade in Repsol-Lackierung auftreten. „Das Komplizierteste an diesem Bike war, einen Platz für den Stock von Gregory House zu finden“, grinst der Schauspieler. Schnell wurde das Repsol-Replikat als eine neue unter den vielen Schrullen des Doktors akzeptiert - und in der nächsten Staffel erschien sie wie ein rückfälliger Patient gleich wieder.

Als der mürrische Frauen-Schreck Dr. House war Hugh Laurie quasi über Nacht berühmt geworden. Der Starrummel tat seine Wirkung, übte Druck auf ihn aus. Um Dampf abzulassen, amüsierte er sich zwischen einzelnen Szene-Drehs damit, auf den Seitenstraßen der Universal Studios von Los Angeles Motorrad zu fahren: „Aber bitte ohne Helm. Ich weiß schon, das ist nicht vernünftig. Ich bin ein böser Junge. Aber wenn ich meinen Helm trage, sehe ich immer aus wie ein Spargel, den man eben der Mikrowelle entnommen hat.“

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Was er ernst meint und was nicht, ist bei Hugh Laurie meist schwer zu sagen. Dass er seine alte Bonneville wirklich liebt, das jedoch steht fest: „Für mich ist sie das perfekte Motorrad. Praktisch, sparsam im Verbrauch und bei der Wartung, aber sie kann auch teuflisch sein. Ich will gar nicht mehr Leistung. Das einzige, was ich möchte, ist genug Power, um mich auf den völlig verstopften Freeways in Los Angeles durchschlängeln zu können. Jeden Tag fahre ich damit in die Studios. Wenn ich morgens das Haus verlasse, ist es sechs Uhr. Die Sonne ist kaum aufgegangen. In meinem Viertel in der Gegend von Hollywood laufen die automatischen Bewässerungsanlagen auf Hochtouren, es riecht nach Rasen und Blumen. Das gibt mir sofort gute Laune und macht süchtig.“ Beim Suchtmittel lässt Dr. Houses Diagnose keinen Zweifel: das Bike. Aber es scheint gar nicht sicher, dass er davon geheilt werden möchte.

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Hugh Laurie-Biographie

Als Arztsohn  (geb. 1959 in Oxford) sollte Hugh Laurie nach einer streng britischen Erziehung am renommierten College von Eton und Einschreibung an der University of Cambridge eigentlich Altertumsforscher werden. Doch es kam anders. An der Uni schloss sich der durchtrainierte Sportler, er war erfolgreiches Mitglied der Cambridge-Uni-Rennruderer, einer Comedy-Truppe an, die landesweit berühmt wurde. Laurie stieg zum Sketch-Autor für die BBC auf, spielte kleinere Rollen in internationalen Filmproduktionen und veröffentlichte einen Roman (dt. Titel: „Bockmist“). 2004 kam der Durchbruch als Dr. Gregory House. Hugh Laurie ist verheiratet und hat drei Kinder.

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