Gesundheitscheck für Motorradfahrer Die wichtigsten Checkpunkte

Egal, ob Kurztrip oder Fernreise. Wer eine Motorradtour plant, sollte vorher ein paar medizinische Checkpunkte abhaken. Das sind die wichtigsten Checkpunkte:

Foto: fact

"Unvorbereitetes Wegeilen bringt unglückliche Wiederkehr", wusste schon Goethe in „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ zu schreiben. Daran hat sich bis heute nichts ­geändert. Allein die Möglichkeiten der medizinischen Reisevorbereitung sind heutzutage besser denn je und sollten genutzt ­werden. Ein Riesenvorteil, wenn man im Fall der Fälle nicht ganz unvorbereitet ist. Und das sind die wichtigsten Checkpunkte.

Erstens eine strukturierte Vorbereitung: Machen Sie nicht den Fehler vieler und setzen eine kurze Aufenthaltsdauer im exotischen Urlaubsland mit geringem Risiko gleich. Von Beginn an sollte die Reiseplanung auch medizinische und hygienische Aspekte berücksichtigen. Klären Sie in Abhängigkeit von Reiseziel, Reisedauer und -zeit sowie persönlichem Reisestil, welche Maßnahmen zur Prophylaxe, welche zur Versorgung im Urlaub notwendig sind. Oder hätten Sie gedacht, dass man sich auch in den USA mit dem West-Nil-Fieber oder dem Hanta-Virus infizieren kann? Am besten beginnt die Vorbereitung mit der Länderinformation und den medizinischen Hinweisen, die zum Beispiel die Internetseite des Auswärtigen Amts bietet. Vertiefen und personalisieren lassen sich die Infos spätestens mit der Buchungsbestätigung im Gespräch mit einem Tropen- oder Reisemediziner. Viele Impfungen brauchen Vorlaufzeiten.

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Kleinigkeiten wahrscheinlicher als große Katastrophen

Kontaktieren Sie außerdem Ihre Krankenkasse und schließen Sie eine Auslandskrankenversicherung ab, deren Leistungskatalog Sie zuvor genau prüfen sollten. In manchen Fällen lohnt sich eine zweite Police mit ergänzenden Leistungen, die Sie sich von der Kasse auch noch mal schriftlich bestätigen lassen können.

Beachten Sie vor allem auch hygienische Risiken und nehmen Sie vermeintliche Kleinigkeiten ernst. Diese sind als Urlaubskiller eher wahrscheinlich als die großen Katastrophen. Durchfall oder Fieber kommen schnell und genügen, um geplättet dazuliegen, statt weiterfahren zu können.

Informieren Sie sich über die medizinische Infrastruktur im Gastland respektive in der Gegend, die Sie bereisen. Eine mit-
geführte Liste qualifizierter Ärzte oder Kliniken kann unterwegs wirklich Gold wert sein.
Frischen Sie Ihre Kenntnisse in Erster Hilfe auf und informieren Sie sich über die Symptome der wichtigsten und fiesesten Krankheiten, ein Zettel mit Abbildungen kann als Gedankenstütze dienen. Bei längeren Reisen: Gehen Sie vorher noch mal zum Zahnarzt und machen Sie einen allgemeinmedizinischen Check. Der empfiehlt sich mit Blick auf Herz und Lunge insbesondere, wenn die Reise auf über 2000 Meter geht.

Packen Sie nach dem Gespräch mit dem Mediziner Medikamente und Utensilien in mindestens einem Erste-Hilfe-Set
zusammen.

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Foto: DRF Luftrettung

Guten Flug

Im Leistungskatalog einer Auslandskrankenversicherung verdient der Punkt der  Rückholung im Krankheitsfall  besondere Beachtung. Genau klären und sich gegebenenfalls auch schriftlich bestätigen lassen sollten Sie, welche Transporte von der Kasse gezahlt werden, bis zu welcher Summe die Kasse einsteht, welchen Standard sie gewährleistet, mit wem im Urlaubsland kooperiert wird und welche organisatorische Hilfe Sie erwarten können. Flug ist nicht Flug, und es ist die Hölle, wenn Sie sich vor Ort selbst um dessen Organisation kümmern und ihn sogar noch vorfinanzieren müssen.

Foto: mps-Fotostudio

Abgespeichert

Information kann im Notfall so wichtig sein wie Impfstoff zur Prophylaxe. Leser Matthias Weber hat das bei Fernreisen selbst erfahren und gibt Tipps zur Mitnahme persönlicher Dokumente.

  • Alle relevanten Dokumente auf Gültigkeit prüfen.
  • Alle Unterlagen beidseitig einscannen: Personalausweis, Reisepass, Führerschein, Impfbuch, Blutspendeausweis, Passbild, Versicherungsunterlagen und deren Hotline-Nummern, EC-Karte und Kreditkarte.
  • Jedes Dokument separat mit eindeutiger Namensgebung als PDF abspeichern, und zwar dreimal. Erstens in einem Ordner mit deutschen, einem mit englischen und einem mit französischer Benennung der Dateien.
  • Darüber hinaus persönliche Dokumente mit deutschem Dateinamen zusammen in einem weiteren PDF speichern.
  • In jeden Ordner zusätzlich ein Übersichtsblatt mit Passbild, Namen, Geburtsdatum, Blutgruppe.
  • Diese PDFs an die eigene E-Mail-­Adresse senden und ggf. auf dem Smartphone speichern.
  • Ordner (vier pro Person) außerdem auf einem USB-Stick sichern und in der Fahrhosen-Tasche bzw. um den Hals hängend mitnehmen.
  • Sämtliche Unterlagen ausdrucken und gut erreichbar im Gepäck verstauen. Bei Reisen mit Partner auch dessen Unterlagen im eigenen Gepäck mitnehmen.
  • Wichtige Adressen und Telefonnummern (Botschaft, Kliniken, Ärzte, Versicherung) im Telefon speichern.

Adressen

 Auswärtiges Amt 
Werderscher Markt 1, 10117 Berlin, Telefon Bürgerservice 0 30/18/17-20 00, poststelle@auswaertiges-amt.de,
www.auswaertiges-amt.de
Das Auswärtige Amt bietet auf seiner Site eine Reise-App für Smartphone und Tablet zum Download. Die App führt unter anderem alle Adressen der deutschen Vertretungen im Ausland auf und dokumentiert fortlaufend aktua-
lisierte Reise- und Sicherheitshinweise. Eine Ortungsfunktion und ein „Ich bin o. k.“-Button unterstützen die Kommunikation von unterwegs.

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg, Telefon 0 40/4 28 18-0, bni@bnitm.de,
www.bni-hamburg.de
Vor Ort erfolgt Reise- und Impfberatung sowie tropenmedizinische Diagnostik. Das angeschlossene Reisemedizinische Zentrum der MD Medicus Reise- und Tropenmedizin GmbH (www.gesundes-reisen.de) bietet für neun Euro eine individuelle Telefonberatung. Online gibt es gratis etwa Reiseinformationen nach Themen respektive nach Krankheiten oder Medi-
kamenten geordnet. Die Liste informiert auch über Würmer, Insekten und Tiergifte. Außerdem im Angebot: Reiseberichte sowie aktuelle Länderdaten inklusive Sicherheitshygiene und Klimainformation.

Centrum für Reisemedizin GmbH 
Hansaallee 299, 40549 Düsseldorf, Telefon 02 11/9 04 29-0, info@crm.de,
www.crm.de
Das CRM ist ein Fachinstitut, das zur Verlagsgruppe Thieme gehört. Auf der Website ­informiert das CRM zum Beispiel mit einer Datenbank über 2500 Ärzte und Apotheker mit reisemedizinischer Fortbildung und führt eine Liste guter Kliniken für einige stark frequentierte Länder und Fernreiseziele.

 Privates Tropeninstitut Dr. Gontard 
Karl-Heine-Straße 10, 04229 Leipzig
Unter www.tropeninstitut.de findet sich eine Übersicht von Krankenkassen plus Leistungen bei Reiseimpfungen. Tipps zum Erstellen einer Reiseapotheke gibt es zum Herunterladen.

Foto: Dr. Schmittinger

Interview mit Dr. Ute Schmittinger

Im Kurzinterview steht uns die Internistin Dr. Ute Schmittinger, die auch das MOTORRAD action team berät, bei vier entscheidenden Fragen Rede und Antwort. Wichtigste Erkenntnis: Vorabinformationen können Leben retten.

Was gehört in die Reiseapotheke: die wichtigsten Zutaten?
Dr. Schmittinger: In eine Reiseapotheke gehört immer Verbandsmaterial für kleine Wunden, insbesondere ein Desinfektionsmittel. Des Weiteren empfehle ich, ein Schmerzmittel mitzunehmen, z. B. Paracetamol. Zur Behandlung von Durchfall sollte z. B. Loperamid und Elotrans (zur Substitution der verlorenen Salze) vorhanden sein. Dies alles gibt es auch in fertigen Basis-Kits in der Apotheke oder in Travel-Läden.

Die häufigsten medizinischen Probleme unterwegs sind?
Dr. Schmittinger: Am häufigsten ereignen sich Verkehrsoder Wildunfälle, vor allem bei Reisen in entlegenere Gebiete. Dann spielen Erkrankungen eine Rolle, die mit der Umstellung des Organismus an veränderte klimatische Bedingungen verbunden sind: Höhe, Hitze und Luftfeuchtigkeit sowie solche infolge mangelnder Hygiene wie Durchfall, Erbrechen, Wundinfektionen. Die eigentlichen Tropenkrankheiten sind eher selten.

Woran erkenne ich, ob ich unterwegs in guten Händen bin?
Dr. Schmittinger: Bereits vor Abreise sollte man sich bei einem Reisemediziner, beim CRM (Centrum für Reisemedizin) oder beim Robert-Koch-Institut über qualifizierte Ärzte oder Krankenhäuser informieren. Außerdem ist es sinnvoll, bei anderen Reisenden oder Personen, die im Rahmen eines Langzeitaufenthalts im Reiseland sind, nachzufragen.

Welche Maßnahmen – Dokumente, Fotos o.Ä. – erleichtern dem Mediziner hier in Deutschland die Arbeit, wenn ich mit komischen Symptomen von einer Fernreise zurückkomme?
Dr. Schmittinger: Sollte man nach Reiserückkehr krank sein, ist es sinnvoll, rasch einen Arzt aufzusuchen. Für diesen ist dann die Reiseroute, eine genaue Schilderung der Erstsymptome, bei Hautveränderungen auch ein Foto wichtig. Ist schon im Urlaubsland eine medizinische Behandlung erfolgt, sollten der Arztbrief oder die Untersuchungsergebnisse und die verschriebenen Medikamente unbedingt mitgebracht werden.

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