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PS - Das Sportmotorrad Magazin unterwegs mit Lesern Hausstrecke im Thüringer Wald

Mal Hand aufs Herz, viele "Wessis" tun sich mit dem Osten immer noch schwer. Völlig grundlos, denn im Thüringer Wald zum Beispiel gibt es geile Motorradstrecken. Also rauf aufs Eisen und in genialer Umgebung brennen gehen!

PS-Leser Klaus Müller hat einen Händedruck wie der sprichwörtliche Schraubstock. Zu spüren bekomme ich den beim Begrüßungsbier in dem von Lebensgefährtin Silvana und ihm geführten Hotel in Bad Liebenstein im Thüringer Wald. Beim lockeren Gespräch über den Ablauf der gemeinsamen Ausfahrt auf einer seiner Hausstrecken am kommenden Tag bewirbt er sein Revier. Warum soll man sich in der Eifel rund um den Nürburgring von der Polizei permanent drangsalieren lassen, wenn sie einen hier im Thüringer Wald in Frieden lässt?

Der Ducatista ist gerade heraus und steht zu seinem Wort, was ihn zu DDR-Zeiten zum „Republikflüchtling“ werden ließ. Heuer kümmert er sich neben seiner  Silvana auch noch um seine Streetfighter S, das Hotel, seine Firma und er spielt in mehreren Bands. Ein Freigeist also, der sein Ding durchzieht und das macht, was ihm Spaß bringt. Vielen von uns ehemaligen West-Bürgern würde so eine offene Denke, vor allem in Bezug auf Motorrad-Reviere, gut tun. Oder wollen wir den Thüringer Wald auf ewig den wenigen, ortsansässigen Brennern überlassen? Nein, das wäre viel zu schade! Er bietet rund um Bad Liebenstein einfach viel zu viel. Die Region ist voll von kurvigen Strecken in bestem Zustand, die zum Surfen einladen – Kurven-Junkies kommen hier voll auf ihre Kosten!

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6,0 m breite Strecke mit 35 Kurven auf 260 Höhenmetern

Die erste perfekte Straße nehmen wir keine drei Kilometer vom Hotel entfernt unter die Räder. Während sich Silvana um die Gäste kümmern muss, stürzen Klaus und ich uns nämlich ins Vergnügen. Der Auftakt der Tour geht über die L 1027 und ist gleich ein Highlight. Die Landstraße präsentiert sich als frisch geteertes, lupenreines, sich den Berg hinaufschlängelndes Asphaltband mit Doppelleitplanke und im Belag eingelassenen Transponderschleifen. Richtig gelesen, Transponderschleifen zur Zeitnahme. Die L 1027 ist mittlerweile wieder der Austragungsort des früher weithin bekannten Glasbach-Bergrennens (www.glasbachrennen.de) und seit diesem Jahr eine Strecke der offiziellen FIA-Berg-Europameisterschaft. Auf fünfeinhalb Kilometern geht es auf der sechs Meter breiten Strecke durch 35 Kurven 260 Höhenmeter den Berg hinauf.

Klaus tanzt seine Reifen warm und lässt die Duc danach auf einem flotten, sauberen Strich fliegen. Man erkennt sofort, dass er die knapp 30.000 Kilometer auf dem Streetfighter-Tacho selbst runtergeschrubbt hat. Flott brennen wir durch die Lande, genießen den schwachen Verkehr dieser Region und lassen es richtig laufen. Durch enge, fast schon schroffe Täler nähern wir uns zügig Kleinschmalkalden. Dieser Flecken wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn dort nicht prominent an der Hauptstraße geparkt die größte Kuhglocke der Welt stehen würde. 3,1 Meter hoch und über 900 Kilogramm schwer, wartet das Stahlblechgebilde nun auf eine gentechnisch veränderte Kuh, die den Koloss um den Hals aushält.

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Foto: Bilski

"Perfekte Strecke für Gixxer und Streetfighter"

Mit Blick auf den 916 Meter hohen Inselberg geht es weiter über Suhl (früher der Standort der Simson-Werke), Frauenwald, Schwarzburg und Königsee. Teilweise über sehr enge, verschlungene Wege, teils auch über flotte, weite Strecken. Die Mischung von Klaus’ Tour ist klasse, perfekt für Gixxer und Streetfighter. In Oberhof machen wir direkt neben dem Schießstand der Biathleten einen kurzen Stopp am Imbiss und fahren uns eine original Thüringer Bratwurst mit Kartoffelsalat ein. Nicht gerade Sportlernahrung, dafür aber umso leckerer. Nach einer kurzen Visite der Schießstände der Rennsteig-Arena rollen wir weiter an der Skisprungschanze am Haselbach vorbei und zurück in Richtung Bad Liebenstein. Die Bergrennstrecke bergab, also ent-gegen der Rennrichtung, sind wir viel zu schnell wieder am Fröbelhof angelangt, wo uns Silvana mit Kaltgetränk und herzhafter Brotzeit bereits erwartet.

Wer ein Motorradwochenende in neuen Gefilden verbringen will, der kann sich gerne an unseren PS-Leser wenden. Selbst wenn die Gäste nicht in ihrer netten Herberge absteigen, werden Silvana und Klaus gerne einige reizvolle Strecken-Tipps für ihre  Region abgeben. Entspannter wird es aber sicherlich bei einem Getränk in der Gaststube des Fröbelhofs.

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