Ifz-Qualitätssiegel für Zweirad-Fahrschulen Qualität der Motorradausbildung sicherstellen

Die Qualität der Motorradausbildung in Fahrschulen ist ein Dauer-Reizthema. Das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) möchte geprüfte Ausbildungsbetriebe über ein Qualitätssiegel kenntlich machen.

Foto: www.jkuenstle.de

Woran erkenne ich eine gute Fahrschule? Geht es nach Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit in Essen, soll diese Frage künftig ganz einfach zu beantworten sein: am Qualitätssiegel des ifz. Jede Fahrschule, die dieses Siegel trägt, verspricht damit eine im besten Wortsinn ausgezeichnete Zweiradausbildung. Doch wie kam es dazu, und was macht eine gute Ausbildung aus?

Den Status quo und die Wünsche der Fahrschüler ermittelte das ifz in einer 2011 durchgeführten Umfrage unter knapp 1200 Klasse-A-Aspiranten. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Fahrschüler war zwischen 18 und 30 Jahre alt, über die Hälfte zwischen 30 und über 50. Und über die Hälfte war nie Mofa oder Moped gefahren, hatte somit keinerlei Vorerfahrung. Ihre Fahrschule suchten sie danach aus, dass sie nicht zu weit weg ist, von anderen empfohlen wurde und günstig ist.

Dass der Lehrer, der einem etwas beibringen soll, es selbst kann und auch vermitteln kann, setzen die meisten Menschen einfach voraus. Die Qualität einer gemachten Ausbildung lässt sich aber in der Regel erst hinterher beurteilen. Basis des angestrebten Standards sind Anforderungen, die Fachleute schon vor mehr als 20 Jahren stellten und die sich wie banale Selbstverständlichkeiten lesen, es aber bei Weitem nicht sind. Dies zeigen die teilweise erschütternden Erkenntnisse der Umfrage.

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Grundfahrübungen nie vom Fahrlehrer demonstriert

Ein paar Beispiele: Über ein Viertel der Fahrschüler hat keinen gesonderten, motorradspezifischen Theorieunterricht bekommen, obwohl dieser gesetzlich vorgeschrieben ist. Auch Fahrschüler ohne Vorerfahrung müssen zu 49,2 Prozent ohne Trockenübung mit dem Motorrad losfahren, neun Prozent sogar gleich im Straßenverkehr.

61,9 Prozent der befragten Fahrschüler wurden nie mit dem Motorrad begleitet, 29,2 Prozent manchmal und nur 8,9 Prozent immer. 63,5 Prozent der Fahrschüler bekamen die Grundfahrübungen nie vom Fahrlehrer demonstriert. Nur 27,5 Prozent hat der Fahrlehrer sicheres Kurvenfahren gezeigt, aber 72,5 Prozent mussten ohne praktische Demo auskommen. Über 80 Prozent wünschten sich den Fahrlehrer in Beispielfunktion auf dem Motorrad.

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Foto: www.jkuenstle.de

Die grundlegenden Forderungen der ifz

Auch grundlegendes Wissen wurde abgefragt. Das deutlichste Defizit zeigte sich beim Thema Lenken. Weit über die Hälfte der Befragten nannte Gewichtsverlagerung, Schenkeldruck oder Rastendruck als einleitende Handlung beim Kurvenfahren. Nur 38 Prozent der Fahrschüler kreuzten „Lenken“ an. Ein Zusammenhang mit häufigen Unfallursachen wie Abkommen von der Fahrbahn im Kurvenbereich liegt daher für das ifz nahe. Denn wer den Lenkimpuls nicht aktiv beherrscht, hat in der Not kein taugliches Handlungsmuster parat.

Die grundlegenden Anforderungen an eine Fahrschule, die das ifz-Qualitätssiegel erhalten möchte, überraschen nun nicht mehr: Die Fahrschule bietet ein zum Fahrschüler und zur angepeilten Führerscheinklasse passendes, modernes Motorrad. Die ersten Fahrübungen finden im Schonraum (abgesperrte Fläche) statt. Der Fahrlehrer fährt die Grundfahraufgaben vor. Der Fahrlehrer begleitet überwiegend, vor allem aber bei den Überlandfahrten, auf dem Motorrad und zeigt die richtige Kurvenlinie. Der Fahrlehrer besucht im Rahmen der Fahrlehrerfortbildung regelmäßig spezifische Motorradfortbildungen, ist selbst ein engagierter und geübter Motorradfahrer. Die Fahrschule achtet auf gute Sicherheitskleidung, stellt sie gegebenenfalls zur Verfügung oder/und berät den Fahrschüler. Sie ermöglicht die Teilnahme an der für die Klasse A vorgeschriebenen Theorie. Die Fahrschule ermöglicht dem Fahrschüler eine Rückmeldung mittels Kundenzufriedenheitsfragebögen.

Bewertet wird in Sternen

Dies alles wird vom ifz im Rahmen einer umfangreichen Untersuchung festgestellt und regelmäßig überprüft. Das Siegel gilt für drei Jahre und kostet 2450 Euro für eine Fahrschule mit einem Fahrlehrer, jeder weitere kostet einen anteiligen Aufpreis. Etwas irreführend ist die Abstufung des Siegels in drei, vier und fünf Sterne. Denn Stern vier und fünf hängen nur vom Engagement bei den Fahrlehrerfortbildungen und einem höheren Grad an Ausstattung bei Fahrzeugen und Bekleidung ab.

Mit drei Sternen ist aber schon alles Wichtige getan. Mit Schulung oder Fortbildung der Fahrlehrer hat das ifz nichts zu tun, es gibt nur die zu erfüllenden Kriterien vor und prüft, ob sie eingehalten werden. Auf der Website www.zweirad-fahrschule.de können sich interessierte Fahrschulen informieren, einen Schnelltest machen und anmelden. Fahrschüler finden hier Infos zur Fahrschulwahl – und hoffentlich bald auch möglichst viele zertifizierte Fahrschulen.

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