Inside MotoGP-Paddock: Motegi/J

Roland ist MotoGP-Mechaniker. Auf www.ps-online.de sammelt er exklusiv seine Stories aus dem Grand-Prix-Fahrerlager. Die haben nicht immer was mit Motorradrennen zu tun, aber oft genug. Hier ist seine Mail aus Motegi.

Kann man sich vorstellen...

...dass man seinen Geldbeutel inklusive Teamkreditkarte daheim vergisst, wenn man schon auf dem Weg zum Flughafen ist, um einen 4-Wochen-Überseetrip anzutreten? Das war nicht mein Tag: Wegen der Geldbörse fast das Flugzeug nach Japan verpasst (ich musste ja nochmal nach Hause), zuvor auf der Autobahn durch eine Abstandsmessung gebrettert (ich hoffe es war genug Abstand...), Teile für die 250er im Teambus liegen lassen, und meinem Sitznachbarn im Flugzeug (ein eitler Gockel an spanischem MotoGP-Kommentator) mein Bier über die Hose geschüttet! Aber mir sollte nichts Schlimmeres passieren.

...dass die Hotelzimmer in Japan entweder richtig teuer sind oder richtig klein. Oft sogar beides. Mein Zimmer, auf dem wir zu zweit waren, hatte knapp 9 m², und da standen zwei Betten, zwei Kommoden, ein Kühlschrank und Kleiderständer drin. Wenn einer von uns beiden seinen Koffer öffnen wollte, musste der andere vor die Türe gehen.

...dass man morgens in Motegi wie die ganze Ortschaft mit einer fröhlichen Melodie Punkt 7 geweckt wird. Die Melodie ist seit Jahren die gleiche und wird über Lautsprecher, die in ganz Motegi verteilt sind, abgespielt.

...dass es in Japan zum Frühstück schon Suppe gibt? Aber ansonsten ist das japanische Essen sehr lecker; die Japaner kennen das nicht so wie wir, dass man morgens mit Kaffee und Brötchen frühstückt.

...dass in Japan ungewöhnlich niedrige Tempolimits gelten? Auf Landstraßen zwischen 50 und 60 km/h, auf Autobahnen 100 km/h. Angesichts der schmalen Landstraßen ja noch verständlich aber auf den Autobahnen nicht nachvollziehbar. Fährt man schneller als 100 km/h, geht im Auto ein lästiges Signal los, das einen daran erinnert, dass man "eigentlich" zu schnell ist.

...dass aufmerksamen MotoGP-Beobachtern sicher aufgefallen ist, dass sämtliche MotoGPs immer ohne Bremsscheiben am Vorderrad aufgewärmt werden. Der Grund hierfür ist, dass die Bremsscheiben der Kohlefaserbremsen so groß sind, dass die Bremszangen schon auf der Bremsscheibe stecken und nur noch per Schnellkupplung montiert werden. Die Reifen, die für das Training dann samt Bremsscheiben und Zangen verwendet werden, hängen derweil im Reifenständer. Praktiziert wird das, um einen möglichst schnellen Reifenwechsel zu gewährleisten.

...dass Antony West eine neue Freundin hat, die sich hinter dem anbetungswürdigem Wesen von John Hopkins' Frau Ashley nicht zu verstecken braucht-

...dass Alex Crivillé eine seiner ehemaligen NSR 500 für ein paar Runden bewegte? Er hatte so eine Freude daran, dass ihn die scharfe 500er-Werksmaschine nach zwei Runden fast abgeschmissen hätte! Trotzdem war es ein aufregendes Erlebnis, mal wieder eine 500er-Zweitakter in vollem Galopp zu hören!

So, das war's aus Japan. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Flieger nach Kuala Lumpur direkt hinter Mike di Meglio, der am Schlafen ist, und vor Nicolas Terol, der sich ein Tüte Erdnüsse reinpfeift.

Bis demächst,
Roland

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