Inside MotoGP-Paddock: Phillip Island/AUS Kaltes Wasser, alte Haie

Roland ist MotoGP-Mechaniker. Auf www.ps-online.de sammelt er exklusiv seine Stories aus dem Grand-Prix-Fahrerlager. Die haben nicht immer was mit Motorradrennen zu tun, aber oft genug. Hier ist seine Mail aus Phillip Island/Australien.

Foto: 2snap
Kann man sich vorstellen...

...dass Japan zwar eine interessante Kultur und gutes Essen hat, aber die meisten Leute aus dem Paddock trotzdem heilfroh sind, nach Australien zu kommen? Es ist ein schönes Land, die Leute sind cool und sprechen relativ gut englisch!

...dass Australier aus anderem Holz geschnitzt sind als der gewöhnliche Europäer? Bei Lufttemperaturen von 18, 19 Grad und Wassertemperaturen von 15 Grad im Pazifik haben die Aussies keine Probleme, im Meer zu baden. Und nicht nur mal kurz ins Wasser und gleich wieder raus, sondern so richtig einen Nachmittag lang!

...dass im Hafen von Phillip Island (dort, wo die Einheimischen schwimmen gehen) ein großer weißer Hai gefischt wurde, der 65 Jahre alt und 4,5 Meter lang war und 2,1 Tonnen wog? Einleuchtenderweise geht das aber nicht mit einer normalen Angel, und der Köder war mit einem 150-kg-Tunfischbrocken auch eine Nummer größer.

...dass die Japaner es verschustert haben, unsere Überseekisten mit allem Material und Motorrädern pünktlich nach Phillip Island zu schicken? Am Donnerstagabend gegen Mitternacht kamen die Kisten ins Paddock, wohlgemerkt, dass am Freitagvormittag um 11 Uhr unserer erstes freies Training beginnt und wir normalerweise 2 Tage zur Vorbereitung brauchen! Wir brauchten nur 4 Stunden, um alles aufzubauen und ein Motorrad rennfertig zu machen.

...dass wir als kleines 250er-Team 8 Überseekisten brauchen, aber ein MotoGP-Team wie Fiat-Yamaha deren 48 Stück hat? Wir haben ca. 1500 kg Material und müssen pro kg zwischen 8 und 20 Dollar bezahlen. Was ein MotoGP-Team dagegen zu bezahlen hat, ist schon unglaublich.

...dass die unfreiwillige Zwangpause wegen den verspäteten Kisten auch für etwas gut war? So schafften wir es endlich mal in den Wildlife-Park von Cowes. Zu sehen gibt's da Koalas, Wombats, Pelikane, Kängurus, Kakadus, Emus, Tasmanische Teufel und noch viele andere Tiere Australiens.

...dass man in Australien sich tunlichst an die Geschwindigkeitslimits halten sollte? Die blitzen aus dem entgegenkommenden fahrendendem Polizeifahrzeug, drehen um, und man wird dann aufgehalten. Ist man nur gut 10 km/h zu schnell, darf man an die 300 Australische Dollar abdrücken! Leute der KTM-Truppe und Valentino Rossi wissen ein Lied davon zu singen. Ebenso der Blusens-Teamchef: Der wurde auf der Landstraße mit 200 km/h gemessen, und das zieht eine saftige Strafe nach sich. Weil er die Strafe seit Jahren nicht bezahlt hat, kann er nicht nach Australien fliegen ohne gleich verhaftet zu werden.

...dass Sonntagsabend im Jetty's immer eine schon legendäre Party mit ziemlich vielen Leuten aus dem Paddock stattfindet? DJs sind entweder ein Mechaniker von Vermeulen oder von Sandro Cortese. So wurde Joan Olive gleich mit zwei Blondinen im Arm gesehen; wer weiß, was die am Ende noch so alles gemacht haben.

Jetzt bin ich auf dem Weg nach Port Douglas, um ein paar Tage Urlaub zu machen. Danach geht's nach Malaysia, die nächste Story gibt's also aus Sepang.

Ciao,
Roland

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote