Inside MotoGP-Paddock: Valencia/E

Roland ist MotoGP-Mechaniker. Auf www.ps-online.de sammelt er exklusiv seine Stories aus dem Grand-Prix-Fahrerlager. Die haben nicht immer was mit Motorradrennen zu tun, aber oft genug. Hier ist seine Mail aus Valencia.

Kann man sich vorstellen...

...dass der ganze GP-Tross in der Mehrheit aus Übersee direkt nach Valencia kam? Zur Anreise per Lkw war schlicht und einfach keine Zeit, vor allem, wenn die Termine von Rennen so schlau gelegt wurden wie der des Valencia-GP. Oft ist der logistische Aufwand schon enorm, wenn die Teamtrucks vorher an die Strecke gebracht werden müssen.

...dass die lange Standzeit der Trucks bei bei vielen Teams zu leeren Batterien führte? Wie auch bei unserem Truck, der seit nach dem Misano-Rennen in Valencia stand. Ein schnödes 24-Volt-Überbrückungskabel gewinnt da gewaltig an Wert.

...dass spanischen Diebe und Einbrecher selbst im Fahrerlager ihrer Arbeit nachgehen? Viele Motorhomes standen ebenso lange im Paddock. Das Wohnmobil von Dominik Aegerter zu Beispiel wurde aufgebrochen und seine Ersatz-Helme geklaut.

...dass wir 2008 bei fast jedem GP Regen hatten? Das einzige komplett trockene Wochenende hatten wir in Misano. In Valencia war es am Freitag und am Samstagvormittag kalt und nass; und wieder wurden wir um den Anblick charmanter Spanierinnen betrogen, die an den Trainingstagen anders als sonst dick eingepackt durchs Fahrerlager liefen. Zum versöhnlichen Ende war es dann am Sonntag doch noch entsprechend warm.

...dass es für viele Teams noch nie so ungewiss war, ob man weitermachen kann oder zusperren muss? Zum einen trifft die wirtschaftliche Rezession nicht nur die freie Wirtschaft, sondern auch den Rennsport in voller Härte. Vor allem, wenn die Zukunft einer Klasse wie die der 250er in der Luft hängt! Die Kehrseite der Medaille ist, das viele auch sehr gute Fahrer relativ günstig zu haben sind.

...dass die IRTA wieder zum letzten Rennen für alle Paddockleute die schon legendäre Saisonabschlussparty schmiss? In einer gemieteten Disco waren alle Getränke frei, entsprechende Abstürze also abzusehen. Sogar Superstars wie Michael Jordan lassen sich blicken, verständlicherweise in einem abgetrennten VIP-Bereich. Am Montagmorgen erst gegen 8 Uhr nach Hause zu kommen, ist gar kein Problem.

...dass die schon traditionellen MotoGP-Journalistentests am Montag nach den Rennen dieses Jahr abgesagt wurden? Das Resultat aus zu viel Schrott, den mancher talentfreier Schreiberling produziert hat, und mit Blick auf die Einheitsreifenregel, weswegen viele Wintertests in Übersee abgesagt wurden. Jetzt haben Um- und Aufsteiger gleich die Möglichkeit sich mit den neuen Gummis vertraut zu machen, bevor das Wintertestverbot in Kraft tritt.

Das war's auch von mir dieses Jahr mit meinem Blick hinter die Boxenmauer, bei uns ist jetzt erst mal ein paar Tage Ruhe angesagt. Nach fast 5 Wochen nur auf Achse ist es schön, mal wieder zuhause zu sein. Wie es bei uns 2009 weitergeht, hängt noch in der Luft, aber in 2 bis 3 Wochen sollten wir Bescheid wissen. Wir wollen mit Doni Pratita weitermachen, auch ist geplant, einen zweiten Fahrer ins Team zu holen. Aber das ist alles noch nicht spruchreif. Ich freue mich auf nächstes Jahr!

Roland

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