Interview Alex Hofmann "Biaggi hat keine Ahnung."

Ex-MotoGP-Fahrer Alex "The Hoff" Hofmann war als Entwicklungsfahrer maßgeblich am Entstehen der Aprilia RSV4 Factory beteiligt.

Foto: DSF
Alex, wie weit war Aprilia 2007 mit der RSV, als du aus dem MotoGP ausgeschieden und zu Aprilia gekommen bist?
Ehrlich, das war das Abenteuerlichste, was ich je gemacht habe. Im Prinzip hatten sie eine Urfassung vom V4-Motor. Der kam gerade frisch vom Prüfstand. Den steckten sie in irgendein Chassis - aus dem 250er-GP, Räder dran, und ab ging es nach Valencia zum Testen. Das war ein echter Ur-Prototyp. Insofern kann man sagen, dass ich von Anfang an dabei war.

Wieviel von deiner Arbeit kann denn der Kunde jetzt mit der Serien-RSV4 kaufen?
Sehr viel, weil Aprilia konsequent den Weg gegangen ist, mit der RSV4 ein siegfähiges Rennmotorrad zu bauen. Die ticken hier so, das ist die italienische Denkweise, und die kenne ich nur von hier. Die Macher waren sehr fokussiert. Dem Racing-Gedanken haben sie alles untergeordnet. Es gab keine Kompromisse oder Parallelprojekte für die Serienversion. Der Tenor war: "Wir wollen ein konkurrenzfähiges Renn-motorrad für die Superbike-WM bauen. Danach werden wir sehen, wie wir das als Serienbike verkaufen können." Dafür haben wir alles von Null an entwickelt: Geometrie, Chassis, Fahrwerk - alles.

Was macht die RSV4 dann zu einem brauchbaren Landstraßenmotorrad? Schließlich wird nicht jeder damit auf der Rennstrecke auf Zeitenjagd gehen.
Den Motor mit der Kombination aus dem hohen Drehmoment eines Zweizylinders und der Drehfreude eines Vierzylinders finde ich sehr spannend, überall, wo du die RSV4 fährst. Überhaupt bin ich der Meinung, dass Rennstrecke oder Straße als unterschiedliche Kategorien in der Tauglichkeitsbewertung von echten Sportlern nicht wirklich etwas bringen. Wer sich so eine Maschine kauft, muss wissen: Das ist eine Waffe. Und damit so etwas funktioniert, muss es fahrbar sein. Es muss so leicht wie möglich fahrbar sein. Das gilt für ein Rennmotorrad gleichermaßen wie für eine Serienmaschine, für einen Racer ebenso wie für einen Sportler-Fan, der sonntags loszieht. Im Übrigen ist die Factory ganz schön nahe am Superbike-WM-Renner dran. Gut, die Jungs fahren weichere Federn. Sie sind ja auch erheblich leichter als ich.

Trotzdem hat sich Max Biaggi dahingehend geäußert, dass er in sehr kurzer Zeit unglaublich viel arbeiten musste, um die RSV4 so weit zu bringen, dass er in der WM damit konkurrenzfähig ist. Ärgert dich das?
Nein, der hat ja keine Ahnung, wieviel Entwicklung schon in dem Motorrad drinsteckte, bis er loslegen konnte. Die Basis war sehr gut. Er hockt sich drauf und ist verdammt schnell. Der gibt wirklich unglaublich Gas. Dafür war aber lange Vorarbeit nötig. Ohne die hätte er wohl kein Podium geschafft.

Wie geht es denn für dich bei Aprilia weiter? Werden wir dich bald wieder Rennen fahren sehen?
Ich habe hier den Testjob, der mir sehr viel Spaß macht. Wildcard-Einsätze sind im Gespräch, dazu hätte ich große Lust. Mal sehen, was da noch geht. Aber ich werde nicht mit der allerletzten Verbissenheit und um jeden Preis dafür kämpfen, als Rennfahrer im Werksteam zu landen. Irgendwie bin ich nicht mehr so heiß darauf, meine Knochen hinzuhalten. Gerade im MotoGP habe ich das so oft und teilweise viel zu lange gemacht. Wildcard in der Superbike-WM klingt aber wirklich gut.

Den Job als MotoGP-TV-Kommentator beim DSF hast du ja auch noch?
Oh ja, das ist echt eine komische Sache, den Jungs das Mikrofon unter die Nase zu halten, gegen die ich vor Kurzem noch angetreten bin. Da muss ich mir auch einiges gefallen lassen; aber es macht schon Spaß!

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