Interview mit Schauspieler George Clooney Er liebt Bier und Motorräder genauso wie Frauen

Hallo Frauen, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein. Denn hier verrät der Hollywood-Star, dass er Motorräder und Bier genauso liebt - mindestens.

Foto: Rousseau

? Sie gelten privat als leidenschaftlicher Motorradfahrer. Wie kam’s dazu, und wann war das?

! Als ich 15 war. Da habe ich mitten im August auf den Tabakfeldern malocht, bis ich vor Kreuzschmerzen kaum noch gerade stehen konnte, um mir ein wenig Taschengeld zu verdienen. Ich hoffte, mir bald eine Harley leisten zu können, in Creme und Türkis, mit einem pausbäckigen Tank. Aber mit dem Geld, das ich letztlich beiseite gebracht habe, hätte ich kaum die Chrompolitur bezahlen können (lacht sein Clooney-Lachen). Naja, jedenfalls stach mir der Klang eines Motorrads eines Tages ins Ohr. Es gab da einen Typen, der auf einer der Pflanzungen als Verantwortlicher gearbeitet hat. Der besaß eine Moto Guzzi V7 Sport. Das war ein unglaubliches Teil. Ich erinnere mich an den V2 und das Integralbremssystem. Ich habe ja fast angefangen zu sabbern vor diesem Mopped. Man muss einfach anerkennen, dass die Italiener ein großes Talent dafür haben, wunderschöne Maschinen zu bauen.

? Erinnern Sie sich an Ihr erstes eigenes Mopped?

! Yep. Ich hatte gerade einen Werbespot für Panasonic gedreht und bin danach zu einer Art Polizeiserie namens „Riptide“ übergegangen. Ich spielte darin einen üblen Typen, der drei Mädchen als Geiseln gefangen hielt. Damals hatte ich noch keinen Agenten. Um die Leute trotzdem glauben zu lassen, ich sei Profi, ließ ich mich bei Telefonaten immer selbst als der Agent von George Clooney durchstellen. Einmal habe ich wirklich einen Casting-Termin ergattert und bin von meiner Tante, bei der ich wohnte - die früh verstorbene Sängerin Rosemary Clooney - mit einer alten, knatternden und stinkenden Mobylette hingefahren. Ich habe außerhalb der Studios geparkt. Weit außerhalb. Sehr weit. Das Moped hat einen Höllenlärm gemacht. Schlimmer noch, es hat beim Parken Ölflecken hinterlassen. Ich habe mich sehr geschämt.

? Motorräder und George Clooney, ist das nicht auch eine Liebesgeschichte?

! Ja. Bis heute die längste, die ich hatte. Sie haben mich selten enttäuscht (lacht).

? Wenn wir uns nicht täuschen, haben Sie mal einen Werbespot für eine Motorradmarke gedreht?

! Nein. Das war für Fiat. Die Autos.Man sieht mich auf einer Wanderung am Ufer des Comer Sees. Plötzlich falle ich in Ohnmacht vor einem bewundernswerten, orangeroten Schlitten. Ich dränge mich ins Innere, senke den Sitz ab. Kurz davor, ein kleines Nickerchen zu machen. Bis eine charmante Italienerin bemerkt, dass ich mich in ihrem Auto breitgemacht habe. Sie holt die Fernbedienung ihrer Zentralverriegelung heraus und sperrt mich in ihrem Fiat ein. Das endet ganz wunderbar, weil das Mädchen sich ans Steuer setzt und sich ganz zufrieden mit mir aus dem Staub macht. Der Slogan: „Fiat Idea, George not included.“ Ich war nicht auf der Ausstattungsliste. Den Dreh haben wir ein paar Schritte entfernt von meinem Zweitwohnsitz in Italien (in Laglio, Red.) gemacht.

? Als Schauspieler zählen Sie zu den Weltstars schlechthin. Wie passt das zu der eher hemdsärmeligen Motorradleidenschaft?

! Das Wort Star ist heute ziemlich abgenutzt, finde ich. Marlon Brando, Paul Newman, Cary Grant und Steve McQueen waren Stars. Daniel Day-Lewis und Dustin Hoffman sind auch Stars. Tom Cruise ist ein Star in seinem Fach. Kennen Sie übrigens den Unterschied zwischen Cruise und Clooney? Wenn ich die Kupplung einer meiner Indians verbrenne, dann schiebe ich wie ein Ochse, um sie wieder nach Hause zu bringen. Tom dagegen ruft seinen Privatjet.

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Foto: Tobis

? Bevor Sie groß rauskamen, waren Sie auch mal ziemlich pleite und mussten bei einem Motorrad-Kumpel schlafen. Stimmt das?

! Das stimmt. Ich habe sogar auf der Toilette geschlafen, weil er nur eine Einzimmerwohnung hatte. Was ich an meinen Motorrad-Kumpels so schätze, ist ihre Offenheit, ihre Brüderlichkeit. Wenn es etwas zu sagen gibt, redet man nicht um den heißen Brei herum. Zu „Batman“ haben sie mir beispielsweise nicht verheimlicht,  dass sie meine Schauspielerei reichlich pathetisch fanden und dass der Latex-Slip der Fledermaus sie an ein ähnliches Teil denken ließ, welches einer von den „Village People“ damals trug.

? Ganz konkret, was hat der Erfolg Ihnen gebracht?

! Eine Menge Harleys und Indians in meiner Garage. Ein gewisses finanzielles Fundament und die Möglichkeit, meine Träume wahr werden zu lassen. Wäre ich mit 20 Jahren schon bekannt gewesen, ich hätte wohl Hotelzimmer verwüstet, um meinen Weltschmerz auszudrücken. Dem bin ich entkommen - und die Hotels ebenfalls. Erfolg hat aber eine Kehrseite: Wenn ich eine Inspektion machen lassen muss, kann ich nicht zum Händler gehen, ohne mich von Groupies bedrängt zu sehen.

? Streifen Sie einen Sturmhaube über …

! In Alaska wäre das denkbar. In Südkalifornien ist das schwieriger. Unter anderem weil bei einem Typ, der bei 40 Grad im Schatten eine Sturmhaube trägt, hier jeder glaubt, dass er die Kasse ausrauben will. Okay, ich könnte den Helm auflassen, aber ich trage keine Integralhelme.

? Man hat Sie über die Jahre nicht wenige Motorräder fahren sehen. Und oft saßen sehr gut aussehende Frauen hinten drauf. Ist ein Motorrad immer noch ein gutes Mittel, Frauen zu verführen?

! Das Anbaggern mit einer Harley funktioniert nicht mehr. Vielleicht deshalb, weil heute immer mehr Frauen selber solche Bikes fahren. Ich habe sogar welche getroffen, die konnten über den Hub des Motors erzählen oder Budweiser trinkend Stunden im Vergaser verbringen. Die Epoche des Mackers, der am Lenker eines dicken Motorrads die Mädchen träumen ließ, ist vorbei. Kurz, der beste Rat, den ich Ihnen geben kann, ist: Lassen Sie den Frauen einfach die Gelegenheit, auf Sie zuzukommen. Wissen Sie, Sie können Himmel und Hölle in Bewegung setzen, ein Vermögen für diverse Geschenke oder schicke Restaurants ausgeben, unter Ihren Fenstern stundenlang den Cyrano de Bergerac für Arme spielen, aber am Ende ist es die Frau, die Sie auswählt.

? Mal weg vom Motorrad. In „The American“ verkörpern Sie einen bezahlten Killer, der in Italien einen langweiligen Fiat Chroma fährt. Sie haben offenbar keine Angst, den Mythos George auch mal mit einem ganz normalen Auto zu durchbrechen. Was fahren Sie denn eigentlich privat?

! In Los Angeles besitze ich neben meinen Motorrädern einen Tesla. Das ist ein Elektroauto, das zusätzlich zu seinem Vorteil, sehr sparsam und schnell zu sein, überhaupt keinen Lärm macht. Der ideale Schlitten, um ganz leise hinter den Paparazzi vorzufahren und ihnen hupenderweise einen kleinen Schreck einzujagen. Vor dem Tesla hatte ich einen Tango (ultrakompakter, aber schneller Elektrokleinwagen, Red.), und ich besitze auch einen Lexus Hybrid. In Los Angeles ist der Verkehr so dicht, dass ich es vorziehe, Motorrad zu fahren. Ich habe schon versucht, Elektromotorräder zu fahren, aber das Problem ist, dass dich die Leute nicht hören. Mit einer Harley stellt sich die Frage nicht. Sie machen dir sogar schon Platz, bevor sie dich in ihren Rückspiegeln sehen.

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Foto: Tobis

? Sie haben vorher davon gesprochen, dass Sie ein Haus am Comer See haben. Warum suchten Sie sich Italien als Wahlheimat aus?

! Wegen der Qualität seiner Weine - ich bin ein „professional drinker“ - und wegen des Prosciutto, der auf der Zunge zergeht. Außerdem bin ich schon immer ein großer Fan der europäischen Kultur gewesen. Vor allem der Architektur. In den Staaten wird ein 20 Jahre altes Gebäude abgerissen, weil man das Alte nicht mehr erhalten will. In Italien hingegen finden Sie Gebäude, die mehr als 2000 Jahre alt sind, und sie werden verehrt. Übrigens fordere ich meine Landsleute dazu auf, öfter mal außerhalb der Staaten zu reisen, am besten in ein Land, wo man auch etwas anderes als Cheeseburger essen kann. Ich fordere sie auch auf, keine Socken in ihren Sportsandalen zu tragen und keine geblümten Shorts oder T-Shirts mit aufgedruckten Biermarken anzuziehen.

? Wie gestaltet sich ein Tag von George Clooney im Land der Pasta?

! In der ersten Woche schlafe ich. Lade die Batterien wieder auf. Und wenn ich mich gut erholt habe, nehme ich mir ein Boot und mache eine Riesentour zu den größten Restaurants am Ufer des Sees. Und da haue ich dann richtig rein. Dann fahre ich eine Runde um den See. Die Kurven sind eng, die Straßen oft schmal, aber verdammt noch mal, wie schön das ist.

? Gehen Sie auch mal auf Biketour mit Ihren Freunden?

! Yep. Brad Pitt ist einer meiner Komplizen. Bei Matt Damon ist es nicht ganz so. Der sitzt lieber hinten drauf und macht Fotos.

? Wie erklären Sie es, dass Brad (47) auf dem Motorrad doch um einiges jünger wirkt als Sie?

! Ich erkläre mir das gar nicht. Sind es meine Lachfalten, meine runzelige Haut, meine grauen Schläfen oder mein Mundgeruch, die mich älter erscheinen lassen als die anderen? Ich ignoriere das. Vielleicht könnte ich meine Haut ja mit einer Gurkenmaske auffrischen? Ich weiß es nicht, müsste es mal ausprobieren. Es heißt auch, dass Bierbäder alte Haut sehr effizient verjüngen würden. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich Budweiser bevorzugen. Und dann die Wanne austrinken …

? Es heißt, Sie würden großen Anteil nehmen am politischen Leben Ihres Landes. Streben Sie eines Tages das Amt des Präsidenten im Weißen Haus an?

! Wie könnte man einen Typen wählen, der den Ruf eines Lebemanns hat, der ein Schwein besessen hat und Motorrad fährt? Darüber hinaus habe ich mal halluzinogene Pilze genommen und bei Joints auch wirklich inhaliert. Außerdem bin ich zu ernsthaft dem Bier verfallen, um ins Oval Office einzuziehen. Nein, nein, das Risiko, dass meine Vergangenheit als Genussmensch mich eines Tages einholt, ist mir wirklich zu groß. Ich bin außerdem nicht sicher, ob es das Weiße Haus gut fände, wenn sich sein Präsident auf einem gepanzerten Motorrad fortbewegen würde.

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