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Coupes Moto Légende: Vive la différence!

Coupes Moto Légende 2013 Buntes Treiben beim Klassikerfestival in Dijon

Es lebe der Unterschied! Die Gallier wissen, wie man Individualismus in großer Gesellschaft ausleben kann. Den besten Beweis liefert das alljährliche, riesengroße Klassikerfestival „Coupes Moto Légende“ im französischen Dijon.

Plötzlich steht er da, mitten im dicksten Boxengassen-Mittagstrubel der Rennstrecke von Dijon-Prenois. „He, was macht ihr denn hier?“, grüßt Dieter Braun die Classic-Truppe. Vor vierzig Jahren wurde er Weltmeister. Und nun, lässige siebzig Jahre jung, zeigt er sich in Frankreich wie immer: braun gebrannt, aufgeknöpftes Hemd, angriffslustig auf der Strecke.

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Einzigartige Bandbreite statt VIP-Gedöns

Gerade will er uns erklären, weshalb sich seine Yamaha am Morgen so zickig gab, da zertrümmert eine im Zentimeterabstand vorbeidonnernde Matchless jede Konversation. Eh bien, pardon et au revoir, Dieteeer! Das ist es, was der Veranstalter unter „Ellbogen an Ellbogen“ versteht. So jedenfalls bezeichnet er die charmante Atmosphäre auf dem seit den 1970er-Jahren unveränderten ehemaligen Formel 1-Kurs. Stars und Freaks finden sich ganz einträchtig auf und neben der 3,8 Kilometer langen Berg- und Talbahn zusammen. Natürlich haben auch im schönen Burgund Legenden wie Freddie Spencer, Wayne Gardner und Carlos Lavado sowie viele weitere GP-Größen Vorfahrt bei der Boxenausfahrt zu den Demorunden. Das war es aber schon mit elitärem Getue.

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Statt VIP-Gedöns begeistert nämlich auch die 21. Auflage des Coupes Moto Légende mit einer einzigartigen Bandbreite an Motorrad-Historie. Die möglicherweise einfach den baulichen Gegebenheiten geschuldet ist: Eine Rennstrecke älteren Typs, gesäumt von Wald und wenigen sterilen Asphalt-Stellflächen - schon ist Leben in der Bude. Fahrerlager, Vorstartzufahrt, Flaniermeile, Clubecke und Fressbuden bilden einen kultigen Schmelztiegel, der große Besucherströme anlockt. Weit über 20000 Ölbeseelte verteilen sich bis in den letzten Winkel dieser historischen Wettkampf-arena. Teilehandel und Tauschbörse hier, Neufahrzeuge dort, dazwischen die Cracks bei den Rennstrecken-Läufen be-obachten - was für ein wunderbares Spektakel!

Besonders zur in Frankreich heiligen Mittagszeit übekommt einen fast das Gefühl, einer gigantischen „Joe-Bar“-Inkarnation beizuwohnen. Überall qualmen die Grills um die Wette, prosten sich gut gelaunte Grüppchen an klapprigen Campingtischen mit Rotwein zu. Kein Klischee gallischer Motorradromantik darf hier fehlen. Der geübte Beobachter ergötzt sich derweil an Szenen wie dieser: Eine wohlgenährte Truppe im besten Klassikfahreralter, Fluppe im Mund, entert ein Zweitaktgespann, basst ein knorriges „Attention“ in die Menge und lässt die Fuhre im dicksten Getümmel losfauchen. Wer nicht hört, muss fühlen - was aber anscheinend keinen stört. Wer bei dieser Gemengelage vermutet, abgerockte Stehklos gehören ebenso ins bunte Repertoire, sieht sich angenehm getäuscht. Duschen und Sanitärboxen sind tipptopp - und damit auch kleine Mosaiksteinchen für den anhaltenden Erfolg dieser Veranstaltung.

So drehen über tausend Teilnehmer in zwölf historischen Klassen entspannt am Quirl, ohne jeglichen Ergebnisstress, finden über zwanzig Nationen beim Fachsimpeln zueinander. Oder schauspielern sich aus reiner Freude am stilechten Auftritt durch den Tag. Am Ende des Fahrer-lagers, wo der Asphalt ans Grün grenzt, geht es am lustigsten zu. In jeder noch so kleinen Waldlichtung stehen Zelte mit kreuz und quer abgestellten Krädern und fröhliche Engländer versorgen die Umwelt mit wagemutigen Musikdarbietungen.

Onboard-Video: Harris-Yamaha TZ 350 in Dijon-Prénois.

Achtzylinder-Guzzi beim Coupes Moto Légende

Hier geht es jedoch nicht nur um unterhaltsame Folklore, sondern natürlich zuallererst um die Skulpturen auf zwei Rädern aus dem letzten Jahrhundert. Schon auf den endlosen Zuschauerparkflächen gibt es jede Menge zu sehen, die französischen Clubs bieten alles auf, was in Frankreich jemals auf zwei Rädern gefahren ist. Zu den besonderen Publikumsmagneten gehört die extrem seltene Achtzylinder-Guzzi aus den 50er-Jahren, die stets für einen Menschenauflauf sorgt. Ebenfalls dicht umlagert die top gepflegten Grand Prix-Yamahas, mit denen Christian Sarron, Steve Baker und Chas Mortimer über die Piste tollen. Viel beachtet natürlich auch die zahlreichen Vorkriegsmotorräder, die stilvoll um den Kurs donnern, ebenso die kantigen Langstreckenrenner der 70er oder röhrende Boxer- gespanne - die Vielfalt ist umwerfend!

Kein Wunder, dass sich neben BMW mit der neuen Boxer-Studie zum 90-jährigen Jubiläum auch viele deutschsprachige Oldie-Fans auf der Anlage tummeln. „Hier in Dijon kann ich abspannen, mit den verrückten Engländern gepflegt ein Bierchen trinken, ohne mich über die Beamtenmentalität in der deutschen Klassik-Szene ärgern zu müssen“, bringt es der Treiber des Boxergespanns vom Team „twentytwo“ auf den Punkt. Getreu dem Motto: Vive la différence!

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