Porträt Krankenhaus-Manager Arnd Dickel Das große Los

Los ziehen, Harley gewinnen und dabei Kindern helfen. Organisiert hat das einer, für den Engagement kein Fremdwort ist. Früher für Harley, heute fürs Hospital. Krankenhaus-Manager Arnd Dickel im Porträt.

Das bis zum Ellbogen hochleckende Flammentattoo wirkt neben den mit Fingerfarben und Smileys bemalten Wänden etwas deplatziert. Aber die Kinder sind davon fasziniert. Dass die blauen Zacken und Spitzen auf Arnd Dickels linkem Unterarm aus einer anderen Zeit und einem Umfeld stammen, das unterschiedlicher zu dem der DRK-Kinderklinik in Siegen (NRW) kaum sein kann, ist ihnen egal. Denn Arnd ist nett zu Kindern, denen es gerade nicht so gut geht. Und er tut was für sie. Auch wenn er kein Arzt ist, sondern Biker.

Früher professionell, heute aus Passion. Denn Arnd Dickel hat etwa zur Halbzeit seines Arbeitslebens das berufliche Umfeld radikal gewechselt. Er war erst fünf Jahre lang Filialleiter im Louis-Shop Siegen. Dann zehn Jahre lang Manager bei Buell und Harley Deutschland. Bis er 2010 die berufliche Lederjacke an den Nagel gehängt hat – und seither Marketing-Mann in der Kinderklinik ist. So weit so gut. So was kommt vor. Durchaus erzählenswert aber ist, wie Arnd, der Krankenhausmann, die Kontakte von Arnd, dem Motorrad- und speziell dem Harley-Mann, weiterhin ­einsetzt, mit dem Ziel, seinen neuen Job mindestens so gut wie den alten zu machen. Und von allen Seiten dafür Beifall bekommt.

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Nicht immer gibt‘s Hilfe, vor allem nicht finanziell

Auf den ersten Blick scheint Arnd Dickels aktueller Arbeit­geber, die DRK-Kinderklinik in Siegen, ganz gut dazustehen. Das Krankenhaus mit seinen 700 Mitarbeitern versorgt „jährlich über 6100 Patienten stationär und etwa 51.000 ambulant. Hierfür stehen 138 Betten im stationären Bereich zur Verfügung sowie 14 Plätze in unserer Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie“, erklärt Dickel. Als ein Rohrbruch Anfang 2015 die beiden OP-Säle der Klinik und die dazugehörige Infrastruktur unter Wasser und außer Funktion setzte, sprang gleich die Bundeswehr ein und half mit mobilen Container-OPs aus.

Doch nicht immer gibt‘s Hilfe, vor allem nicht finanziell. Laut Dickel schreiben rund 50 Prozent der deutschen Krankenhäuser rote Zahlen, auch die Siegener Kinderklinik stand 2012 kurz vor der Insolvenz. Als Ursache nennt Dickel die vor zehn Jahren eingeführten neuen Finanzierungsstrukturen im Gesundheitswesen: An die Stelle kostenorientierter Entlohnung traten Fallpauschalen. „Und die richten sich nach den Bedürfnissen großer Krankenhäuser mit mindestens 300 Betten.“ Kleinere Spitäler, insbesondere solche mit spezieller Ausrichtung und entsprechenden Bedürfnissen wie eine Kinderklinik, „fallen da durchs Raster“, erklärt der Krankenhausmann.

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Foto: Thunderbike / Harley-Davidson

Na­gelneue Harley als Hauptgewinn

Also mussten Ideen her. Und Dickel hatte eine: „In den USA finanzieren sich viele Krankenhäuser durch Spenden. War­um nicht auch wir?“ So rief er die spendenaktion-motorrad.de ins Leben. „Rund ein halbes Jahr klärte ich organisatorische und rechtliche Hintergründe mit Institutionen und Behörden und fragte nach Unterstützung.“ Die fand der Ex-Motorrad-Profi bei den Kollegen von früher: Harley-Davidson Deutschland, Custom-Profi Thunderbike, Kawasaki Deutschland und Zubehör-Spezialist LSL aus Krefeld zählen zu den wichtigsten.

Mit deren Hilfe lobte Dickel – jetzt bereits zum zweiten Mal – eine na­gelneue Harley als Hauptgewinn einer breit angelegten Verlosungsaktion aus: 2014 wurde eine Sportster Seventy Two verlost. Und 2015 hat jeder Spender ab fünf Euro die Chance, eine von Thunderbike zum Custombike aufgewertete Harley Street Bob zu gewinnen.

Verlosung steigt am 1. August 2015

Rund 100.000 Euro sind so bisher zusammengekommen – „ohne dass ein Euro seitens der Klinik in das Projekt investiert werden musste“, freut sich Dickel. Alle Arbeiten, vom Entwurf des Logos übers Versenden von Presseinfos bis hin zum aufwendigen Aufbau des Custombikes erledigten Dickels frühere Motorrad-Kollegen und Biker-Kumpels umsonst. 

Wo geht das Geld hin? „Die Verwendung der Spenden steuere ich zusammen mit den Chefärzten und der kaufmännischen Leitung immer bedarfsgerecht und kurzfristig. Ein Teil der Einnahmen der ersten Runde sind in ein spezielles Behandlungszimmer für brandverletzte Kinder geflossen. Auch kleinere Projekte wie der regelmäßige Besuch der Klinikclowns werden durch die Spenden erst möglich.“

Verlost wird die Harley-Davidson Street Bob am 1. August 2015 bei der ­Charity Party von Thunderbike in Hamminkeln.

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