Erschienen in: 07/ 2016 MOTORRAD

Blickpunkt: Krise bei MV Agusta

Droht die Scheidung?

Offene Rechnungen, Kurzarbeit, Umstrukturierung: MV Agusta steht unter Druck. Unklar ist zudem, wohin der deutsche Partner AMG steuert – zwischen Scheidung und Übernahme scheint alles möglich.

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MV Agusta F3 800 AMG.

Bildergalerie: MV Agusta F3 800 im AMG-Design auf der IAA 2015.   13 Bilder

2 Seiten
aus MOTORRAD 07/2016
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Es lief eigentlich gut für MV Agusta: Innerhalb weniger Jahre bauten die Italiener ihre Modellpalette aus, die Produktion stieg auf rund 9000 Motorräder und damit auf mehr als das Doppelte, und nicht zuletzt wurden die Maschinen technisch immer besser, wie aktuell die überarbeitete Brutale 800. Um das Wachstum zu finanzieren, schloss man Ende 2014 eine Partnerschaft mit der Mercedes-Tochter AMG. Die Schwaben übernahmen 25 Prozent, die Zusammenarbeit betraf Marketing und Verkauf.

Einige gemeinsame Projekte sorgten durchaus für Aufsehen, etwa die F3 800 im AMG-Look (siehe Bildergalerie) oder die Dragster RR LH 44, die in Zusammenarbeit mit Mercedes-Pilot und Formel 1- Weltmeister Lewis Hamilton entstand. Nun jedoch steht MV Agusta unversehens unter Druck. Bedingt durch das Wachstum hat der Hersteller Schulden angehäuft, gerüchteweise ist die Rede von mindestens 40 Millionen Euro. Einige Zulieferer haben wegen offener Rechnungen die Zufuhr von Komponenten unterbrochen, in der Folge läuft die Produktion am Werkssitz in Varese nur schleppend, ein Teil der Belegschaft wurde auf Kurzarbeit null gesetzt. Letzteres ist in Italien zwar grundsätzlich nicht ungewöhnlich – sehr wohl aber für einen Motorradhersteller zu Beginn des Jahres, denn das beste Geschäft winkt zum Saisonstart.

"Wenn AMG aussteigen will, finde ich auch andere Partner"

Eine massive Kapitalerhöhung, von MV-Chef Giovanni Castiglioni im Exklusivinterview für Ende Februar angekündigt (MOTORRAD 5/2016), hätte dem Hersteller Luft verschafft, doch sie kam bislang nicht zustande: Offensichtlich können sich Minderheitsaktionär AMG und Castiglioni nicht einigen. Mehrere Optionen, so heißt es von beiden Seiten, seien im Gespräch gewesen; um welche es sich handelte, wurde nicht verraten. Von MOTORRAD um eine Stellungnahme gebeten, ließ AMG das Gerücht, man habe Castiglioni den Rückkauf des 25-Prozent-Pakets zum symbolischen Preis von einem Euro angeboten, unkommentiert. Die Schwaben bekräftigten aber, sie hätten ihren Anteil nicht zurückgegeben. Weiter heißt es: „Die Entscheidung, was die nächsten Schritte sind, liegt beim Mehrheitseigentümer, nicht bei Mercedes-AMG.“ Der zitierte Mehrheitseigentümer, also Giovanni Castiglioni, spielt den Ball postwendend zurück: „Es ist keineswegs an mir, AMG sollte erst mal auf meine Vorschläge antworten.“ Und schiebt hinterher: „Wenn AMG aussteigen will, finde ich auch andere Partner. MV hat viel Potenzial, es gibt Interessenten.“ Vorsichtig gesagt, wirkt die Situation festgefahren.

Übernahme durch AMG scheint willkommene Option

Doch was passiert derweil bei MV Agusta? So bedrohlich sei die Lage gar nicht, wiegelt Giovanni Castiglioni ab. „Die Kurzarbeit ist vor allem einer Umstrukturierung geschuldet.“ Die sei nötig, weil er lieber wieder einen Schritt zurück gehen wolle. „Das 30-prozentige Wachstum im letzten Jahr hat uns zu viel Geld gekostet.“ MV setze daher zwar weiter auf Premiumprodukte, aber bei gleichen oder eher geringeren Stückzahlen – „wie Ferrari“. Nach dem Plan, das wirtschaftliche Wachstum durch möglichst große Stückzahlen preiswertere Modelle zu generieren (2011), dem dann folgenden Strategiewechsel auf große Stückzahlen hochpreisiger Modelle (2014) kehrt MV Agusta nun zur ursprünglichen Geschäftsidee à la Ferrari zurück. Die Firma verkaufen wolle er aber keinesfalls, so Castiglioni. Oberste Priorität habe für ihn, „die Kontinuität bei MV zu sichern und die Gläubiger zufriedenzustellen“. Ohne Entlassungen unter den rund 250 MV-Beschäftigten – mehrere Country-Manager, darunter der deutsche, sind bereits weg – wird es laut Castiglioni aber nicht gehen.

Und auch nicht ohne einen Partner. Viele Zulieferer und MV-Mitarbeiter setzen ihre Hoffnungen weiter auf AMG, selbst eine Übernahme durch die Schwaben scheint eine willkommene Option – das Beispiel Audi/Ducati gilt dafür als Vorbild. Für AMG hatte die Partnerschaft mit MV bislang keine hohe Priorität, nicht einen einzigen Manager schickte man nach Italien. Das dürfte jetzt anders werden. Jedenfalls dann, wenn sich AMG zum Weitermachen entscheidet.

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17.03.2016 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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