Künftiger Ministerpräsident: "Motorradfahren verbieten"

Foto: CDU
War es reine Naivität, der krampfhafte Versuch, als 35-jähriger Nachwuchspolitiker Aufmerksamkeit um jeden Preis zu erregen, oder hat er es wirklich Ernst gemeint? Die mehrfach öffentlich ausgesprochene Forderung, Motorradfahren auf öffentlichen Straßen generell zu verbieten, hat der politischen Karriere von Günther Oettinger (51, CDU) jedenfalls nicht geschadet: Seit gestern ist Oettinger designierter Ministerpräsident von Baden-Württemberg und damit einer der wichtigsten Politiker Deutschlands.

Hintergrund: Als Landesvorsitzender der Jungen Union (JU) hatte Oettinger 1989 zuerst JU-intern, später aber auch öffentlich im Interview mit MOTORRAD, gefordert das Motorradfahren zu verbieten. Auf Nachfrage von MOTORRAD sprach Oettinger Motorrädern einen "volkswirtschaftlichen Nutzen" ab, bezeichnete sie als "Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer" und zog wörtlich den Schluss: "Ich sehe es als legitim an, Motorradfahren zu verbieten und nur als Sport zu begrenzen", (MOTORRAD 4/1989, S. 12).

Zwei Jahre später wurde Oettinger mit 1,4 Promille am Steuer seines Autos erwischt, musste seinen Führerschein abgeben und sich von MOTORRAD-Chefredakteur Friedhelm Fiedler als "selbstgerechten Heuchler, der die Verkehrssicherheit predigt, sich aber besoffen ans Steuer setzt," bezeichnen lassen (MOTORRAD 6/1991, S. 3).

Am 29. April 2005 soll der derzeitige Chef der CDU-Landtagsfraktion von Baden-Württemberg, der sich in einer CDU-Mitgliederbefragung gegen seine Konkurrentin Annette Schavan durchsetzen konnte, Ministerpräsident des Landes werden. Unter allen deutschen Bundesländern hat Baden-Württemberg den dritthöchsten Motorrad-Bestand.

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