Ladies-Cup: der Weg zum Führerschein (Teil 1) Jetzt zeigen vier Frauen was sie am Motorrad können

In den kommenden Ausgaben von MOTORRAD begleiten wir vier Damen auf ihrem Weg zum Motorradführerschein. Lesen, leiden und mitfiebern erwünscht.

Foto: fact

Mitte Juli 2010 hat MOTORRAD vier Kandidatinnen ausgewählt, die sich für das Projekt beworben hatten (siehe Portäts). Alle sind im Besitz des Autoführerscheins und fahren auch. Bei dreien handelte es sich um absolute Zweiradanfängerinnen, die zwar zugaben, in der Jugend heimlich mal mit dem Mofa des großenBruders ein paar Runden schwarz gefahren zu sein, doch ansonsten keinerlei Erfahrung mitbrachten. Eine Ausnahme bildete die nur 1,61 Meter große Anna, die den zehn Kilometer langen Weg zwischen Arbeit und Wohnung im Sommer täglich mit ihrer Simson Schwalbe zurücklegt. Ob ihr das tatsächlich einen Vorteil verschafft, wird man sehen.

Damit die Ladies wissen, was auf sie zukommt, wenn ihr neuer Lebensabschnittsgefährte in Zukunft statt vier nur zwei Räder hat, wurde im Vorfeld folgende Übung durchgeführt: Sie müssen mit nur einer Hand ein Motorrad (in diesem Fall eine 205 Kilogramm schwere Suzuki Gladius) in der Waagerechten halten und dabei um das Bike einmal herum gehen. Die andere Hand bleibt hierbei hinter dem Rücken. Diese Übung haben viele Fahrschulen im Repertoire, außerdem wird sie oft bei Sicherheitstrainings durchgeführt, denn sie vermittelt anschaulich das Gefühl für Gleichgewicht. Man lernt, wie wichtig es ist, das Motorrad in Balance zu halten - so spielt das Gewicht eines Bikes nämlich keine Rolle mehr. Wie die Damen sich durch diese Übung kämpfen, können Sie in der ersten Online-Reportage verfolgen.

Bei der Fahrschule hatten drei von ihnen freie Wahl, Melanie entschied sich gleich zu Beginn für einen Crash-Kurs, den die Bike Academy auf dem Gelände des Fahrsicherheitszentrums auf dem Nürburgring durchführt. Acht Werktage sollen reichen, um die begehrte Lizenz zu erhalten. Das Gesamtpaket aus Rundumbetreuung, Verköstigung sowie sechs Übernachtungen kostet 2450 Euro (Preis 2010). BMW stellt Motorräder sowie Schutzkleidung. Interessant hierzu: Auch viele Fahrschulen vor Ort bieten auf Nachfrage Intensivkurse an. Bei der Wahl der Fahrschule orientierten sich die anderen Drei am MOTORRAD-Leitfaden, den Sie auch auf unserer Homepage finden: www.motorradonline.de/de/motorraeder/13-kriterien-zur-wahl-einer-fahrschule/80958.

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Foto: Archiv

Wichtig für alle war neben dem Standort die Tatsache, dass die Fahrlehrer selbst eingefleischte Motorradfahrer sein sollten. Gesucht gefunden. Keine der Kandidatinnen machte sich ernste Sorgen um die Bewilligung des Antrags auf Führerscheinerweiterung. Dieser wird bei der Fahrschule ausgefüllt und an die Führerscheinstelle der Stadt geschickt. Sind keine Eintragungen über Alkohol- oder Drogenmissbrauch vorhanden, wird dem Antrag statt- und für den Führerschein grünes Licht gegeben. Die Bearbeitungszeit kann bis zu sechs Wochen dauern. Erst dann kann der Schüler zur theoretischen Prüfung antreten.

Die erste Stunde fällt für unsere vier Kandidatinnen total unterschiedlich aus. Während Natalies Fahrlehrer Gerhard Bayer auf theoretischem Unterricht besteht und sich die 34-Jährige im Kreis von meist Zwanzigjährigen plötzlich recht alt vorkommt, darf Anna unter den wachen Augen von Jörg Holzmann gleich zu Beginn ein paar Runden drehen. Allerdings nicht auf einem ausgewachsenen Motorrad. Die ersten Übungen wie Langsamfahren und Bremsen absolviert die Kleinste im Bunde auf einer Honda CBR 125. Kuppeln, schalten und anfahren bereiten Anna aufgrund der Schwalbe-Erfahrung keine Probleme. Melanie sitzt derweil in den Schulungsräumen der Bike Academy auf dem Nürburgring. Ihr erster Tag hat es voll in sich: theoretischer Unterricht bis Mittag, Kleider anprobieren/ausfassen, und ab 14 Uhr raus auf den Übungsplatz, wo ernsthafte Fahrversuche gemacht werden. Am ersten Abend liegt Melanie im Bett und freut sich, ihre Angst vor Bremsungen überwunden zu haben. Yvonnes Erstkontakt ist der motorradspezifische Unterricht. Da der Inhaber der Fahrschule Burkhardt, Mario Gorgius, sich im Sommerurlaub befindet, wird sie zunächst theoretischen Unterricht absolvieren. Und staunt nicht schlecht, als sie hört, dass das Lenkverhalten eines Motorradgespanns sich von dem eines Solobikes völlig unterscheidet. Der Anfang ist gemacht.

In Teil zwei lesen Sie u. a. wie schwer es ist, figurbetonte Kleidung zu finden und wie leicht, das Bike hinzuwerfen.

Hier geht's zu den ersten Aufgabe der vier Damen:


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Foto: Bilski

Natalie

Natalie ist eine waschechte Schwäbin, die, zumindest fahrzeugspezifisch, als Spätstarterin durchgeht: Ihren Autoführerschein machte die studierte Medienwirtschaftlerin erst Mitte zwanzig. Derzeit fährt sie einen Einser-BMW. Sie liebt gute Bücher, Katzen und Tiere im Allgemeinen, ist früher viel gejoggt und geritten. Mit einer Größe von 1,69 Metern hofft sie beim Motorradfahren nicht allzu arge Probleme mit dem sicheren Stand zu haben. Die Lust aufs Selbstfahren kam als Sozia, wobei das bis dato stärkste Erlebnis eine Rückfahrt vom Nürburgring ist, bei der sie als Beifahrerin kurzzeitig 250 km/h ausgesetzt war. "Immer, wenn ich mal mitgefahren bin, wurde ich als Sozia gelobt", sagt die Stuttgarterin, "mit dem Hinweis, instinktiv irgendwie alles richtig gemacht zu haben." Dieser Instinkt machte neugierig. Hinzu gesellten sich die Lust auf Beschleunigung und der Hunger auf intensiv erlebte Kurvenradien. Alles zusammen verschmolz letztlich zum Auslöser, den Motorradführerschein zu machen. Und das, obwohl sich die im Zeichen des Steinbocks Geborene selbst als eher zurückhaltend beschreibt. Egal. Steinböcke sollen laut Horoskop ja realitätsbewusst, ausdauernd und besonders konzentriert sein. Gute Voraussetzungen, die Prüfung zu bestehen...

Hier geht's zum Vorstellungsvideo der vier:


Foto: Henniges

Yvonne

"Nach jahrelangen Abenteuern als Sozia will ich selbst mal den Lenker in die Hand nehmen", sagt die 1,78 Meter große Yvonne schelmisch und ihre azurblauen Augen blitzen dabei auf. Die gelernte Fotografin und Mediengestalterin war schon von Kind an mit dem Thema Zweirad in Kontakt: Vater und Bruder sind begeisterte Vielfahrer und nahmen sie oft mit. In ihrer Freizeit dreht sich alles um Bilder. Die einen sind bewegt, denn Yvonne ist begeisterte Kinogängerin, die anderen starr - mit ihrer Kamera fotografiert die schlagfertige Schwäbin gern Porträts. Während sie im Winter die Skipisten der Alpen unsicher macht, fegt sie im Sommer mit ihrem Cabrio am liebsten über kurvige Landstraßen. "Ich liebe Dynamik und Speed", sagt Yvonne. Und hofft, dass Motorradfahren ihr diesbezüglich einen mächtigen Kick verschafft. Neben dem Motorradführerschein steht bei der reiselustigen Dame Neuseeland als Ziel ganz oben auf der Liste.

Auf den Reisen darf es nicht an geeigneter Literatur fehlen: "Mindestens ein Thriller ist immer im Handgepäck", sagt Yvonne. Und auf die Frage, wen sie den gern mal treffen würde: "Mein zweitgrößer Wunsch ist es, mit Johnny Depp auf seinem französischem Landgut einen gepflegten Rotwein zu trinken." Ihr größter ist jedoch, erst einmal den Führerschein zu bestehen. Denn irgendwie geht ihr neben Johnny Depp eine kernige Triumph Street Triple R nicht aus dem Kopf ...

Hier geht's zum Vorstellungsvideo der vier:


Foto: Bilski

Melanie

Der berufliche Werdegang der Westerwälderin gestaltete sich zu Beginn etwas orientierungslos: Neben Germanistik und Pädagogik studierte die begeisterte Rennradlerin auch Druck- und Medientechnologie. Doch bei aller Liebe zur Vielfältigkeit: "Schreiben war schon von jeher mein Leben", sagt Melanie über sich. Sie engagierte sich in diversen Internetforen und trug darüber hinaus selbstverfasste Texte auf kleinen Bühnen im Stand-up-Comedian-Stil vor. Nach Veröffentlichungen in diversen Frauenmagazinen entschied sich die quirlige Halbperserin dazu, ihr Hobby per Volontariat zum Beruf zu machen. "Ich bin jemand, der sich festbeißt. Aber auch weiß, wann er wieder loslassen muss", beschreibt sie sich selbstbewusst. Ihr Traum für 2011 ist der erste Triathlon. Doch 2010 steht erst einmal der Motorradführerschein auf dem Programm. Warum? "Ich will den Vortrieb spüren, die Kontrolle über etwas Gefährliches haben und endlich wissen, warum alle vom Motorradfahren so fasziniert sind", lacht Melanie, die pro Jahr mehr als 1000 Kilometer heftigst rennradelt. Bei der Wahl der Maschine hat sich die 1,72 Meter große Dame schon in eine Österreicherin verliebt: "Wenn ich die KTM 690 Duke R sehe, werde ich ganz schwach." Bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht genau in dem Moment schwächelt, in dem die Duke vom Fahrer alles abverlangt.

Hier geht's zum Vorstellungsvideo der vier:


Foto: Henniges

Anna

Ihre Vita liest sich beinah wie die von Charles Bukowski, denn die Kfz-Mechanikerin und Redakteurin blickt auf ein ganzes Sammelsurium weiterer Jobs zurück: Barkeeperin, Verkäuferin, BILD-Fotomodell, Fußboden-Verlegerin. Erste Zweiraderfahrungen sammelte die 1,61 Meter kleine Schwäbin mit 15 auf einem Peugeot-Mofa 103, einem Geschenk ihres Vaters, leider defekt. Anna reparierte es selbst und entschied sich für eine Ausbildung als Kfz-Mechanikerin. Eine Investition, die sich für sie jetzt, als Fahrerin von vier Oldtimern auszahlt. Ihre Fahrzeuge Golf I, Mini, VW T3 und Renault Alpine schreien ständig nach Zuwendung. Anna trägt den grün-blauen Gürtel im Taekwondo, ritt Englische Dressur in Wettbewerben und kämpfte als Garde-Tänzerin in der Deutschen Meisterschaft. Sie häkelt im Winter, zählt das Putzen von Küche und Werkstatt zu ihren Hobbys und hat ein Faible für Tattoos, Piercings und karierte Hemden. Der Wunsch, den Motorradführerschein zu machen, war stets vorhanden. Die Verwirklichung scheiterte jedoch entweder am Geld oder der Zeit. Jetzt soll es endlich klappen. Eine betagte Honda CRM 125 steht neben ihrer Simson Schwalbe schon parat: "Auf der Honda werde ich meine ersten Kilometer ohne Lehrer abspulen", sagt sie. Und im selben Atemzug: "Aber dann muss irgend eine alte Maschine her. Denn erst durchs Schrauben am Bike entsteht eine echte Beziehung zwischen Mensch und Motorrad."

Hier geht's zum Vorstellungsvideo der vier:


Die Fahrschulen

Foto: jkuenstle.de

Fahrschule 1

Inhaber Gerhard Bayer ist selbst Motorradfreak und hat in seiner Laufbahn rund 8000 Schüler ausgebildet, davon 3000 Motorradfahrer. Neben dem Normalkurs bietet er zweiwöchige Intensivkurse an.

www.charlys-fahrschule.de

Das Interview des Fahrschulinhabers:


Foto: Bilski

Fahrschule 2

Karsten Behle ist einer der Fahrlehrer der Bike Academy, die auf dem Gelände der Nürburgring AG in acht Arbeitstagen zum Führerschein verhilft. 2011 sind mehrere solcher Intensivkurse geplant.

www.fsznuerburgring.de

Das Interview des Fahrschulinhabers:


Foto: jkuenstle.de

Fahrschule 3

Mario Gorgius von der Fahrschule Burghardt ist eingefleischter Biker. Seine Frau, sein Sohn, selbst die achtjährige Tocher fährt bereits Zweirad. Zweiwöchige Intensivkurse sind bei ihm ebenfalls im Programm.

www.fahrschuleburkhardt.de

Das Interview des Fahrschulinhabers:


Foto: Bilski

Fahrschule 4

Auch Inhaber Jörg Holzmann bietet zweiwöchige Intensivkurse, um den Motorradführerschein zu bekommen. Der begeisterte Motorradfahrer ist privat auch gern auf Rennstrecken unterwegs.

www.fs-speed.de

Das Interview des Fahrschulinhabers:


Foto: Archiv

Der Führerschein

Erst kam der graue Lappen, dann wurde die Pappe rosa und schließlich zur handlichen Scheckkarte. Seit 1999 heißt der Motorradführerschein in Deutschland nicht mehr Klasse 1, sondern A und ist unterteilt in die Stufenführerscheinklassen beschränkt (bis 25 kW/34 PS) und offen. Die Klasse A1 entspricht der alten Klasse 1b und berechtigt zum Fahren von Leichtkrafträdern bis 125 Kubik und 15 PS ohne Geschwindigkeitsbeschränkung (Ausnahme: 16- und 17-Jährige müssen ihre 125er auf maximal 80 km/h drosseln lassen; diese Regel entfällt aufgrund einer neuen EU-Gesetzgebung spätestens ab 2013). Ebenfalls eine 125er darf fahren, wer den Autoführerschein (Klasse B) vor dem 1. 4. 1980 erworben hat (gilt nur, wenn die Fahrerlaubnis nicht zwischendurch entzogen wurde). Fahrschüler, die beim Bestehen der Motorrad-Führerscheinprüfung noch keine 25 Jahre alt sind, erwerben automatisch die beschränkte Klasse A und dürfen erst nach zwei Jahren Fahrpraxis (wird nicht kontrolliert) ohne weitere Prüfung auf Motorräder ohne Leistungsbeschränkung umsteigen. Ein direkter Führerscheineinstieg in die unbeschränkte Klasse A ist nur möglich ab 25 Jahren und wenn Schulung und Prüfung auf einem Motorrad mit mehr als 34 PS absolviert wurden. Gesetzlich vorgeschrieben sind in der Ausbildung zum Führerschein der Klasse A drei Sonderfahrten (Überland 5 Std., Autobahn 4 Std. und Nacht 3 Std.) und zehn Lektionen (6 Auto, 4 Bike) Theorie.

Aufgrund einer für die Mitgliedsländer verbindlichen Neuregelung durch die EU wird es ab 2013 auch in Deutschland die neue Führerscheinklasse A2 geben. Sie entspricht im Wesentlichen der beschränkten Klasse A, erlaubt Fahranfängern aber eine maximale Motorleistung von 48 anstatt 34 PS. Die Bedingung: Ungedrosselt darf ein A2-konformes Motorrad nicht mehr als 95 PS haben. Eine Honda Fireblade für zwei Jahre auf 48 PS gedrosselt und anschließend offen zu fahren, wird also nicht möglich sein. Eine gravierende Änderung steht auch in Sachen Führerscheinprüfung bevor. Wer als 16-Jähriger die Prüfung zur Klasse A1 ablegt, muss mit 18 nur mehr entweder eine weitere Fahrausbildung oder eine Prüfung absolvieren, aber nicht mehr beides wie bisher. Welche Variante in Deutschland verpflichtend wird, Aufstiegsausbildung oder -prüfung, steht derzeit noch nicht fest.

Der Führerschein in Zahlen: Legten 2002 noch fast 275 000 Deutsche die Motorradführerscheinprüfung (A, A1) ab, waren es 2006 nur mehr knapp 220000. Im Jahr 2009 erwarben laut KBA nicht einmal mehr 191000 Bundesbürger den Führerschein für 125er oder größere Bikes.

Mitbringen zur Antragserteilung

  • Personalausweis
  • Biometrisches Passbild
  • Erste Hilfe-Kurs "Sofortmaßnahmen am Unfallort" (wird nicht benötigt, wenn man bereits den Autoführerschein hat)
  • Rund 50 Euro Gebühr für den Antrag
  • Aktueller Sehtest

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