"Fahr´ ruhig in der Straßenmitte. Du bist ein vollwertiger Verkehrsteilnehmer!"

Ladies-Cup Der Weg zum Führerschein Teil 3

Erste Fahrten außerhalb des Übungsplatzes: Was tun, wenn einem eine Katze vors Rad läuft? Woran erkennt man eine Ideallinie? Und wie, verdammt, bekämpft man diese blöde Prüfungsangst?

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"Fahr´ ruhig in der Straßenmitte. Du bist ein vollwertiger Verkehrsteilnehmer!"

Der Himmel bleigrau, die Nase läuft, im Bauch ein Krampf. Melanie steht auf dem Übungsplatz des Fahrsicherheitszentrums Nürburgring in der Eifel und fühlt sich hundeelend. Innerhalb von acht Werktagen soll sie ihren Motorradführerschein machen. Schon in der ersten Woche wird sie von einer Grippe gebeutelt. Sie schluckt Aspirin, Wick Medinait, und schnieft ein Spray, das die verstopften Nasennebenhöhlen wieder frei machen soll. Derart aufgepeppt sitzt sie morgens im theoretischen Unterricht und nachmittags auf ihrem Fahrschulmotorrad, einer BMW F 650 GS. Melanie hofft inständig, dass sie durchhält, dass die Grippe sie nicht völlig ausknockt und sie abbrechen und aufgeben muss.

"Bei Erkrankung während des Intensivkurses muss die gesamte Pauschale (2450 Euro) bezahlt werden. Bereits erhaltene Fahrstunden verfallen jedoch nicht. Die werden anerkannt und der Führerschein kann bei unserer Partnerfahrschule, oder in einer Fahrschule nach Wahl zu Ende gemacht werden", sagt Jessica Landen, Assistentin der Geschäftsführung des Fahrsicherheitszentrums Nürburgring GmbH. Die Regelung gilt übrigens auch, wenn die Prüfung nicht bestanden wird. Da haben es die anderen drei Kandidatinnen einfacher. Anna, Yvonne und Natalie machen den Führerschein quasi bei der Fahrschule ums Eck - wenn sie krank werden oder sich nicht wohl fühlen, genügt ein Anruf, um den Termin zu verschieben.

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Mittlerweile haben alle vier Mädels fleißig ihre Übungen im so genannten Schonraum, also auf verkehrsarmen, freien Flächen einstudiert. Von den insgesamt neun Übungen kommen später bei der Prüfung in der Regel sechs dran. Jede Kandidatin hat ihren ganz persönlichen Angstgegner: "Ich hadere immer mit der Ausweichübung. Erst kuppeln, dann bremsen, ausweichen und dann wieder einkuppeln - da hab‘ ich Koordinationsprobleme", sagt Anna, die eine Kawasaki ER-6n als Fahrschulbike hat. Bei Melanie und auch Natalie sind es Übungen im niedrigen Tempo: "Egal, ob es durch den langsamen Slalom geht oder ich Schritttempo fahren soll, es klappt nicht. Ich setze immer den Fuß ab oder bleibe stehen", resümiert Natalie. Aha, der sichere Stand, da haben wir ihn. Gerade für Fahranfänger und Ungeübte ist es extrem wichtig, dass sie mit beiden Füßen den Boden erreichen. Das vermittelt nicht nur Sicherheit, sondern ist nötig, um Vertrauen zum Motorrad aufzubauen. Dafür sind die Fahrlehrer gut gerüstet. Die Fahrschulen Speed und Charly‘s bieten für Kurzbeinige eine Kawasaki EL 250 Eliminator mit nur 710 Millimetern Sitzhöhe an. Beim Intensivkurs am Nürburgring setzt man auf tiefergelegte BMW F 650 GS und bei Fahrschule Burkhardt kommt eine Honda CB 500 S zum Einsatz. Die kommt für die langbeinige Yvonne jedoch gar nicht infrage, sie wählt die fetzige Yamaha FZ6.

Endlich das erste Mal allein in Freiheit. Während Melanie am Nürburgring praktisch aus der Einfahrt ins Kurvenparadies biegt, müssen die anderen drei Ladies erst durch den Stadtverkehr wuseln, ehe sie der Kurvendschungel verschluckt. "Ich habe einen Heidenrespekt vor allen, die mit 18 den Auto- und Motorradführerschein zusammen machen und gar keine Erfahrung im Straßenverkehr mitbringen", sagt Natalie. Denn es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man ein Bike auf dem Übungsplatz um Pylonen lenkt, Brems- und Kupplungsübungen absolviert oder sich im Alltag der Gefahr durch andere Verkehrsteilnehmer aussetzt. Und noch etwas lernen die autoerfahrenen Kandidatinnen: Fährten lesen. "Linien, aufgemalte Pfeile - alles Weiße sollte man bei Nässe tunlichst meiden", zitiert Yvonne ihren Lehrer Mario Gorgius. Fahrschullehrer Jörg Holzmann von FS Speed geht bei Anna sogar noch einen Schritt weiter: "Wenn dir eine Katze oder ein Hase vors Motorrad rennt, und du keine Chance mehr zum Ausweichen hast, dann bremse nicht, sondern roll‘ einfach drüber. Wenn du bremsend über das Tier fährst, ist die Sturzgefahr wesentlich höher." Diese Regel gilt natürlich nicht bei Wildschweinen, Rehen oder Pferden...

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"Nase immer auf! Wenn man Dieselspuren nicht sieht, riecht man die Gefahr in vielen Fällen", rät Gerhard Bayer, der Boss von Charly‘s. Die wichtigste aller Fährten heißt jedoch Ideallinie. Doch was im Theorieunterricht ein schnell an die Tafel gemalter Strich ist, erscheint in der freien Natur zuerst überhaupt nicht machbar. Yvonne erkennt Zusammenhänge zwischen ihrem Motorradfahren und Snowboarden: "Ich habe Probleme mit Rechtskurven. Links lenken ist irgendwie leichter." Ähnliche Erfahrungen macht auch Anna, die mit ihrer Kawasaki ER-6n ungewollt mehrmals durch Kurven slidet. "Den Kurvenverlauf einschätzen und dann den Speed richtig anzupassen, das ist große Kunst", gesteht sie. Um diese Kunst ansatzweise zu verstehen, motivieren die Fahrlehrer ihre Schülerinnen zu etwas mehr Tempo, anderem Einlenken oder sie fahren voraus, um die Ideallinie zu zeigen. Besonders kurvenreiche Strecken werden zu Übungszwecken mehrmals hintereinander befahren.

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Derweil kämpft Melanie am Nürburgring mit Regen, leichtem Fieber und dem Fußbremshebel, den sie aufgrund der festen Stiefel kaum spürt, und die hintere Bremse deshalb schlecht dosieren kann. Als wären diese Hindernisse nicht schon genug, stellt sie am Vortag zur theoretischen Prüfung fest, dass ihr Personalausweis im 450 Kilometer entfernten Stuttgart in einer Schreibtischschublade liegt. Keine Zeit, um ihn zu holen. Kein Freund, der ihn vorbei bringt. Es ist die Nacht vor der Prüfung. Melanie hockt bis um vier Uhr morgens vor dem PC und lernt Prüfungsfragen. Kaum geschlafen, fiebert sie dem nächsten Tag entgegen. Um acht Uhr drückt ihr ein Expressbote den Personalausweis in die Hand, den sie zur theoretischen Prüfung unbedingt vorzeigen muss. Um zehn springt sie freudig hoch - nur drei Fehlerpunkte, die Prüfung ist bestanden.

Während Melanie wegen ihrer Personalausweis-Story und des straffen Ausbildungsprogramms kaum Zeit für Prüfungsangst findet, sieht das bei ihren Mitstreiterinnen anders aus. Yvonne, die an einem Donnerstag theoretische Prüfung hat, sitzt das ganze Wochenende zuvor am Schreibtisch. "Vor allem die Formeln mit Bremsweg und Reaktionszeit haben mir Kopfschmerzen gemacht", gibt sie zu. "Meine Angst habe ich mit Nikotin, Kaffee und vielen Gummibärchen in den Griff bekommen." Auch Anna meint am Tag vor der Prüfung: "Was ich bis heute Abend nicht gelernt habe, das lerne ich nie", und geht mit Freunden noch ein Pils trinken. Natalie hingegen motiviert sich selbst: "Ich habe mir immer eingeredet, dass ich das schaffe und an mich geglaubt." Sie soll Recht behalten. Alle Vier bestehen die Theorieprüfung auf Anhieb. Dass dies jedoch nur die erste und kleinere Hürde auf dem langen Weg zum Schein ist, können Sie, liebe Leserinnen und Leser, im vierten und letzten Teil unserer Führerscheinstory nachlesen. Denn da geht es um die mitunter schönste Sache der Welt: die Schräglage. Mit allen ihren kleinen Tücken...

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Prüfungsangst - was tun?

Die Angst vorm Versagen - wer kennt sie nicht? Egal ob Vorstellungsgespräch oder Prüfung: Wird der Druck zu groß, geht plötzlich nichts mehr. Das liegt daran, dass die Informationsübertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen nicht mehr funktioniert. Diesen Blackout erzeugen wir selbst, indem wir uns durch Versagensängste zu stark in Anspannung versetzen. Was aber tun?

Experten raten zu verschiedenen Methoden, die diese Anspannung abbauen. Beispielsweise Atemübungen: tiefer einatmen als gewöhnlich, dann in einer Bewegung ausatmen, ohne den Atem anzuhalten. Nach dem Ausatmen den Atem wieder für sechs bis zehn Sekunden anhalten, und anschließend wieder in einer flüssigen Bewegung ausatmen. Nach wenigen Minuten fühlt man sich deutlich entspannter. Bei schriftlichen Prüfungen kann es passieren, dass Sie Aufgaben entdecken, die Sie glauben, nicht lösen zu können. Hier hilft neben der Atemübung mitunter auch gutes Zureden. Sagen Sie zu sich: "Ganz ruhig. Du hast das gelernt. Du bekommst das sicher hin." Oder überspringen Sie schwere Fragen und beantworten zuerst leichte. Das so gewonnene Selbstvertrauen beruhigt. Ebenso wichtig ist die richtige Strategie am Tag vor der Prüfung.

Mediziner raten dringend vor übermäßigem Genuss von Cola, Kaffee, Nikotin oder Alkohol, da diese Mittel den Körper noch stärker aufputschen. Besser: ausreichend Flüssigkeit (Wasser oder Tee) trinken und sich durch Sport noch mal richtig auspowern. Bewegung bringt einen auf andere Gedanken und baut Stress ab. Am Prüfungstag nicht auf den letzten Drücker losfahren und möglichst Personen meiden, die darauf trainiert sind, Katastrophen zu prophezeien. Rufen Sie sich kurz vor der Prüfung eine Situation ins Gedächtnis, die Sie erfolgreich bewältigt haben.

Wenn das alles nicht hilft: Benzodiazepine können zur Reduzierung von Prüfungsangst eingenommen werden. Sie wirken rund 20 Minuten. Auch Betablocker reduzieren die Angst, ohne die Denkleistung zu beeinträchtigen. Erklären Sie Ihrem Hausarzt die Situation und bitten ihn um Verschreibung.

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Selbst ist die Frau

Natürlich muss frau keinen Mechaniker-Lehrgang besucht haben, wenn sie sich auf Mopped-Tour begeben will. Ein paar Kleinigkeiten gilt es aber dennoch parat zu haben, um sich bei Pannen selbst zu helfen. Lose Kabel werden ganz einfach mit einem Kabelbinder fixiert, das überschüssige Ende kann man mit dem Seitenschneider oder einem Leatherman abknipsen.

Zusätzlich hilft das Zwickwerkzeug auch bei eingerissenen Fingernägeln. Taschentücher und feuchte Tücher sind bei der Händereinigung ebenso hilfreich wie bei stark verschmutzten Scheinwerfern. Damit die Finger beim Tausch einer defekten Sicherung bibberfrei arbeiten können, empfiehlt sich bei kaltem Wetter ein Taschenwärmer. Ebenfalls hilfreich bei Pannen aller Art sind eine kleine Taschenlampe und ein Schraubenzieher mit Kreuz und gerader Klinge. Abgebrochene Spiegel können nach einem Sturz mit Panzerband notdürftig befestigt werden. In diesem Fall aber unbedingt einen prüfenden Blick auf den Hebel samt Halterung werfen - ist etwas verbogen oder gar angebrochen, lieber professionelle Hilfe anfordern. Wer eine längere Fahrt plant, sollte sich im Vorfeld informieren, wie Hebel zu tauschen sind und ein Ersatzteil mitnehmen.

Ebenfalls ratsam für Ladies, die sich auf kurvenreichen Hinterlandsträßchen tummeln möchten, ist ein Reifendruckprüfer, sowie ein Pannenspray. Und sollte im Tankrucksack noch eine Ecke frei sein, ist sie mit Kettenspray gut genutzt. Das hilft zwar nicht bei Pannen, beugt aber unnötigem Materialverschleiß vor - die Sprühdosen gibt’s übrigens auch in handlicher Deo-Größe.

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