Meine Geschichte Von Andreas Bongard

Alles fing damit an, dass mir mein Vater zu meinem 11. Geburtstag, also im April 1967, den Besuch des Eifel-Rennens am Nürburgring schenkte. Das Wetter war, wie oft im Frühjahr in der Eifel, regnerisch und kalt. Die Füße taten weh vor Kälte und wir wärmten uns an einem der unzähligen Lagerfeuer rund um die Strecke. Wow, war das ein Erlebnis!

Foto: Bongard

Die Auto- und Motorradrennen faszinierten durch den großartigen Sound und die Abgasgerüche durch die Rizinus-Öle. Bei den Motorrädern waren die japanischen Marken noch unbekannt, hier dominierten die englischen Motorradhersteller; Hans-Georg Anscheid ist mir als herausragender Fahrer in Erinnerung geblieben und das Formel 2 Rennen gewann Jochen Rindt. Das Lagerleben, die Zuschauer und das interessante Renngeschehen hatte so viel Atmosphäre und Rennfiber rübergebracht, dass der Rennsportvirus gesetzt war, der mich später noch begleiten sollte.

 

Schon als Knirps düste ich, gern auch mit meiner Schwester Doro als Sozia, unzählige Runden durch den heimischen Garten auf dem stabilen Dreirad. Das Motorradfahren lernte ich dann als 14 jähriger auf der NSU Quick (Baujahr 1951, 98 cc) meines Onkels, der einen Bauernhof hatte. Hier übte ich den Speedwaystil rund um den frisch geharkten Kies-Hofplatz. Die tiefen Furchen und der Kies in den Beeten erfreuten meine Tante weniger.

Mein Schulfreund Volker fuhr eine Kreidler Florett RS und trug einen knallgelben AGV Integralhelm; da mußte natürlich nachgerüstet werden. Der Führerschein 4 wurde gemacht und das erste 2-Rad war die Zündapp KS50 Cross. Ich war stolz wie Oskar! Mit Volker war dann, als Highlight der 50er Epoche, eine Urlaubstour von Bonn bis zum Plöner See bei Kiel angesagt. Wir waren mit Zelt unterwegs und kochten mit einer Lötlampe, was den Ravioli in der Dose eine rauchige Geschmacksnote verlieh.

Bei der Führerscheinprüfung 1 wäre ich fast durchgefallen, weil ich bei der Vollbremsung das Umdrehen versäumte, das der Prüfer erwartete. Erst die demonstrativen Kopfbewegungen meines Fahrlehrers wiesen mich auf den richtigen Pfad. Er hatte sich ja in der vergangenen Nacht seinen Nacken gezerrt! Nun war der Weg frei für richtige Motorräder. Ich hatte mir die Yamaha RD 250 ausgeguckt und dieses heiss ersehnte Gerät war eigentlich für den Sommer 1976 geplant. Jedoch durch konsequentes Sparen schaffte ich es, die RD Anfang Februar bei schneeglatter Straße abzuholen.

Ich hatte ja einen wichtigen Termin: kaum 2 Wochen später fand das Elefantentreffen am Nürburgring statt und ich konnte doch meine Klassenkameraden Volker, Dietrich und Thomas nicht alleine fahren lassen! Wir zelteten, hatten viel Schnee, und wie schon früher beim Eifel-Rennen, mussten die nassen, kalten Stiefel am Feuer aufgetaut werden. Das Elefantentreffen 1977 war ja leider ein Desaster; Randalierer hatten hier das Festzelt geplündert und systematisch das Inventar zerstört. Wir saßen mitten in dem Chaos und kochten gemütlich unser Süppchen. Man muss Prioritäten setzen! Trotzdem liess ich mich nicht davon abhalten, noch weitere 14 Elefantentreffen des BVDM, 6 „alte“ Elefantentreffen und 19 Schwarzpulver Rallyes zu besuchen, natürlich immer auf max. 3 Rädern.
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Foto: Bongard

Umfangreiche Modifikationen

Die RD mußte sich umfangreiche Modifikationen gefallen lassen: Eine Halbschale von MBV wurde montiert, Konis, eine kontaktlose Kröber Zündung und laute 2 Klang-Hörner! Das Fahrwerk, Bremsen und der Motor -wenn er lief - waren Klasse; ich bereiste von Irland bis Italien halb Europa. Nachdem ich die RD bis zum „geht nicht mehr“ optimiert hatte, suchte ich eine neue Herausforderung in Form einer alten, ziemlich desolaten BMW R60/5. Motor und Fahrwerk waren ok., aber die vordere Trommelbremse kannte bei der Dosierung nur 2 Zustände: gar nicht oder blockieren. Das war die ideale Gelegenheit, eine vorausschauende Fahrweise zu trainieren. Um die Tourerqualitäten herauszustreichen, verpasste ich der 60/5 einen 40l Kunststofftank von Hella, der ein gutes Stück über die Sitzbank ragte. Die Sportlichkeit durfte auch nicht zu kurz kommen, also kam eine 2 in 1 Auspuffanlage von Lehnhard & Wagner drunter, sodass sie sich wie ein Jagdbomber aus dem 2. Weltkrieg anhörte. Das Geld für dieses Motorrad verdiente ich mir durch das Taxifahren neben meinem Zivildienst. Um meine Schrauberkünste auszufeilen, machte ich eine Lehre als Zweiradmechaniker bei Hein Gericke in der Filiale Ratingen Lintorf.
Eines Tages nahm der Filialleiter eine BMW R90S gegen eine neue Honda CM 400 T in Zahlung. Welch ein Tausch! Diese 90S hatte es mir angetan und ich mußte sie haben! An meinem Berufsschultag hatte aber mein Kollege Klaus einen Kaufvertrag abgeschlossen, den er am nächsten Tag in meiner Anwesenheit wieder zerriss. Unserer Freundschaft hat das nicht geschadet; ich besuche ihn regelmäßig in Vancouver, wohin er wenig später auswanderte. Also übernahm ich die 90S im Mai 1981 und es sollten unzählige km quer durch Europa folgen, besonders gern zur Isle of Man, wo ich nun schon 9 mal landete. Auch die 90S mußte einige Modifikationen erdulden, die 1990 darin gipfelte, eine K100 Gabel mit 18“ Speichenrad einzubauen. Solch ein stabiles Fahrwerk hatte bis dato BMW nicht zu bieten. Bedingt durch eine Umbaupause der BMW gab es ein kleines Intermezzo auf einer Kawasaki GPZ 900 R, mit der ich in einem Jahr über 20.000 km abspulte, dann wurde es Zeit, dieses Motorrad wieder abzustossen, weil mir 2 Zylinder zum Biker-Glück genügten.

Das Salz in der Suppe ist Fahren im Gelände, das mit der Cross-Zündapp 125 meines Klassenkameraden Tom anfing. Wir luden das Mopped in seinen Citroen DS und machten Kiesgruben und die Rheinwiesen bei Bonn unsicher. Einmal fuhr ich auf einer Rheinwiese, als urplötzlich durch den Sog eines riesigen Schubverbandes ein Drahtseil eines Pontons aus dem Gras hochschnellte und mich aus dem Sattel riss. Den Abdruck des Drahtseiles, das mich knapp unterhalb des Kehlkopfes getroffen hatte, konnte man gut erkennen. Es folgten eine Suzuki SP 370, eine Kawasaki KLX 250 und eine Suzuki DR 350 S.
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Foto: Bongard

Motorrad-Splien

Auch das weibliche Geschlecht hatte unter meinem Motorrad-Splien zu leiden: Im Oktober machte ich mich mit meiner Freundin Anne auf der R90S mit Zelt, Schlafsäcken und viel übrigem Gepäck auf den Weg in Richtung Italien. Bis wir über die Alpen waren, litt sie sehr unter Kälte und Nässe in ihren geliehenen Klamotten. Trotzdem hatte sie das nicht abgeschreckt, selbst den Motorradführerschein zu machen und ein eigenes Motorrad zu fahren. Auf dem Weg in den Sommerurlaub fuhren wir bei sengender Hitze auf der Autobahn vor Bordeaux, als sich der Motor ihrer Suzuki GS 400 in einer Qualmwolke verabschiedete. Wir schleppten uns auf einen Campingplatz und dort nahm ich eine Reparatur des Motors vor. Der Kolben hatte ein Loch; mit Bordwerkzeug reparierte ich den Motor; was fehlte, besorgte ich beim gut sortierten Suzukihändler und im Baumarkt „Monsieur Bricolet“. Während ich schraubte, sonnte sich Anne am Strand. Wir kamen ohne Probleme wieder nach Hause. Sie war überzeugt: Den Mann kann man heiraten, dieser Deal wurde 2 Monate später klargemacht! Natürlich wurde der Weg zur Kirche auf einem geliehenen Gespann zurückgelegt. Das Fahren auf 3 Rädern hatte mir so einen Spass gemacht, dass ich mir eine alte 1976er Honda Goldwing mit EML Seitenwagen an Land zog. Auch die Wintertreffen hatten mich nicht losgelassen: Anne und ich entdeckten das Fahren im Winter in Schweden und Norwegen. Zunächst leistete uns die Goldwing gute Dienste, später wurde eine BMW K1200RS auf ein EML Gespann umgebaut. Bisher waren wir 11 mal auf 3 Rädern in Skandinavien, davon 8 mal bei der Savalen-Rallye. Anfangs waren wir mit 5 bis 7 Gepannen unterwegs, letzten Winter waren wir allein in der nordischen Kälte. Tja, entweder werden die Freunde älter, oder liegt es an der Wirtschaftskrise? Mein Einstieg in den Motorsport war gekommen, als Freund Stefan für die SMT-Serie bei einem Moto Aktiv Acht-Stunden-Rennen einen 3. Fahrer für seine Kawasaki GPZ 500 S suchte. Es war Ende April und die Temperaturen am Nürburgring waren maximal +4° C. Durch die kalten Reifen stürzte Christoph, der 2. Fahrer, ziemlich zu Beginn des Rennens und weigerte sich, weiterzufahren. Stefan und ich fuhren daher bei Schneeregen lange 7 Stunden, bis die Zielflagge geschwenkt wurde. Fortan war mein Platz im Team gesichert und wir waren bei einigen Vier-Stunden-Rennen der Saison 1997 und 1998 dabei, und erkämpften zweimal das Treppchen. Heute nehme ich es in der Historischen Meisterschaft des VFV auf meiner alten R90S mit anderen Klassikern, wie Ducati 900 SS, Moto Guzzi Le Mans oder Yoshimura-Honda auf. Letztes Jahr errang ich beim Jan Wellem Pokal am Nürburgring Platz 3. Als Ingenieur für Fahrzeugtechnik habe ich mir so manches Spezialteil selbst konstruiert, was sehr nützlich sein kann.

Wieviele km die 90S abgespult hat, kann ich nur grob schätzen: vielleicht 400.000 km. So langlebig das Motorrad auch ist; die Tachos halten keine 100.000 km!

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