Meine Geschichte (Teil 4) Der Frühling ist da
Drei, vier Kurven weiter haben sie sich wie Miniaturfäuste Richtung Himmel gestreckt und wanken danach wie in Trance im Takt des triplemäßigen Verbrennungstaktes. Der rumpelstilzchenhafte Tanz der Kolben ist nicht mehr aufzuhalten. Himmelhochjauchzend hüpfen sie ohne Unterlass in Richtung Ventilschäfte und keineswegs betrübt in die Niederungen des Kurbelwellengehäuses. Sorgfältig geschmiert und geölt gleiten sie im leichtfüßig tänzerischen Stakkato unablässig hin und her. Perfekt justierte Feinmechanik greift in höchster Präzision ineinander.
Im Hase und Igel Stil liefern sich die drei Zylinder ein vehementes Rennen, das doch immer unentschieden ausgeht. Die vom einstigen Markgrafen gezeichneten Serpentinen-Linien winden sich wie Riesententakel um die urwüchsige aber niemals raue Waldlandschaft. Licht und Schatten wechseln kontinuierlich, die Straße windet sich wie ein fette Anaconda ständig von links nach rechts, mal geht es bergauf, dann gleich wieder bergab. Der Gashahn geht auf und zu, die Bremsen beißen oder lassen locker, der Kupplungshebel öffnet und schließt sich, das Schaltgestänge hüpft hoch und runter, die Speedy wechselt die Schräglagen von links nach rechts, die Upside-Down Gabel federt ein und aus. Röhrend und schwitzend saugt die Airbox fast asthmatisch die letzten atmosphärischen Luftbläschen durch die aufgeblähten Filterbacken. Zusammen mit dem perfekten Mapping der Einspritzanlage entsteht ein wirrer Cocktail aus gasgezündeten Götterfunken an denen selbst der Leibhaftige seinen teuflischen Spaß hätte. Das vielstimmige Miteinander aller Einzelkomponenten schwillt zu einem imposanten Chorgesang zusammen, der nur leicht von den metallisch kratzenden Fußrasten gestört wird.
Mittelalterliche Burgenromantik und neuzeitlicher Maschinenbau verschmelzen zur kurzweiligen, intensiven Symbiose. Der Frühling ist endlich da!