Michael Schumachers Helm Wundertüte

Michael Schumacher will es wissen: Für seine neue Leidenschaft, das Motorradrennfahren, half er Schuberth bei der Entwicklung des „Race“. Zur Saison 2010 soll der Helm in Serie gehen.

Foto: Fact

Wundertüte

Jeder Motorsport-Fan weiß wahrscheinlich, dass der Wahl-Schweizer und siebenfache Formel-1-Weltmeister seit sieben Jahren mit dem deutschen Helm-Spezialisten Schuberth verbandelt ist. Die wiederum waren bislang bekannt für sehr soliden Kopfschmuck, der vor allem bei der Klapphelm- und Gegensprechanlagenfraktion hoch im Kurs steht. Aber Racing mit Schuberth in Verbindung zu bringen? Mit Ausnahme der Formel-1-Spezial-Anfertigungen fiel einem dazu wenig ein.

Das soll sich ändern. Schuberth macht Ernst, denn Schumacher hegt seit einigen Monaten sehr ernsthafte Rennambitionen auf zwei Rädern. Sein dafür entwickelter Helm ist zwar ein Prototyp, der aber alle erforderlichen Normen erfüllt und auf der INTERMOT in Köln zu sehen sein wird. Der Serienstart soll dann zur Saison 2010 erfolgen, preislich wird sich der Race zwischen 600 und 700 Euro bewegen. Eine von vielen Helm-Neuvorstellungen. Und die Tatsache, dass der ehemalige Formel-1-Dominator und Direktor der Fahrergewerkschaft (GDPA) augenscheinlich bei der Entwicklung des Race getauften Hut mitwirkt? Ein professioneller und natürlich wohlkalkulierter Zug.
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Grafik: Schuberth

Kopfsache

Wer aber mal die Gelegenheit hatte, die Wundertüte kurz in die Hand zu nehmen, der erschrickt zunächst und schaut fragend in die Runde. Unglaublich. Federleicht. Nie im Leben geht der so in Serie. Niemals. „Geht er doch“, bekräftigt Oliver Schimpf, technischer Geschäftsführer von Schuberth und bei Schumachers Test mit der G-Lab-Racing-Triumph Daytona 675 Anfang Mai in Oschersleben anwesend. Chefsache, dieser Helm. Nur knapp über 900 Gramm bringt der Race auf die Waage – dank einer sechslagigen Helmschale aus Spezialfaser, die mit Kohlefaser und anderen Verbundstoffen verstärkt wird. Leichtbau mittels Kohlefaser ist bei Motorradhelmen kein Novum; die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an den Hersteller Hartung. Doch in Sachen Sicherheit und bei der Geräuschdämpfung soll der Schuberth-Hut Maßstäbe setzen. „Michael fährt ohne speziellen Gehörschutz. Er möchte den Klang des Motors möglichst ungefiltert hören, um auch die kleinste Veränderung zu registrieren“, erklärt Schimpf. Darum sollen die Geräuschdämpfungswerte des Race auf dem anerkannt hohen Niveau der Top-Helme des deutschen Herstellers liegen.

Als zusätzliche Sicherung gegen das Abstreifen des Helms verfügt der Race über einen speziell konstruierten Kinnriemen und zusätzliche Nackenbänder aus hochfestem Nylon. Die Verschlüsse sind aus Titan gefertigt, woraus auch die auffallend großen Belüftungsgitter bestehen. Sie sollen den Fahrer zugfrei mit massig Frischluft versorgen und mit einem Doppelvisier bei feuchter oder schwül-warmer Witterung das 3-Millimeter-Visier unter Rennbedingungen absolut beschlagfrei halten. Die aus der Formel 1 übernommene Visiermechanik ist ein Novum im Motorradhelmbau: Sie ermöglicht ein schrittweises Öffnen des Visiers, das aber gleichzeitig immer sicher verriegelt bleibt. So soll verhindert werden, dass sich das Visier bei einem Aufprall löst und dass Augen und Nase des Fahrers danach schutzlos sind. Wer schon mal eine Spritztour durch ein Kiesbett unternommen hat, wird so eine Visiermechanik nicht missen wollen. Ob Michael Schumacher tatsächlich einen guten Entwicklungsjob gemacht hat, will PS so schnell wie möglich selbst testen: Sobald ein Race-Prototyp verfügbar ist, wird die Redaktion die Hightech-Tüte ausgiebig unter die Lupe nehmen. Versprochen.
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Foto: Wiessmann

Schumachers Pläne

Schumacher sprang auf einer Holzhauer-Honda in Oschersleben ins Haifischbecken Superbike-IDM. Im ersten regennassen Training ließ er manche hinter sich (auch einen Altstar, der sich vorab noch über Schumachers Linie gewunderte hatte) und nötigte so auch Kritikern seiner Motorradambitionen Respekt ab. Kritiker gibt es wahrlich genug, aber das kennt Schumacher ja. Sein erstes IDM-Rennen beendete er auf Rang 28. Im zweiten stoppte ihn ein Sturz nach starkem Vormarsch vom freiwillig eingenommenen letzten Startplatz – Schumacher liebt das Überholen; unterm Strich eine gelungene Feuertaufe. Nebenbei bescherte er der IDM einen unglaublichen Aufmarsch an TV-Teams. Ob er nun fest bei Holzhauer oder G-Lab, deren Triumph er ebenfalls schon getestet hat, andockt? Eher nicht. Dem Vernehmen nach würde ihm der Einsatz in einer Rennserie Spaß machen, die zwischen IDM und Hobbyracing liegt – PS rät zum Yamaha-R6-Cup.

Kaffeesatzleserei; Schumacher will sein neues Racing-Engagement so privat wie möglich halten (aber, ganz Profi: mit Autogrammkarten und Sponsoren). Außerdem mag er sich vor keinen Karren spannen lassen. Als sicher gilt, dass es weitere spontane IDM-Auftritte geben wird, Schumacher scheint die entspannte Atmosphäre dort zu gefallen. Speedweek-Macher Ottmar Bange wünscht sich außerdem nichts lieber als Schumachers Auftritt im Rahmen der Speedweek Oschersleben. Streckenkenntnis hat der Superstar ja nun wahrlich genug. Wir dürfen also alle gespannt sein.

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