Die Fuel Girls Bianca, Iris und Caro.

Mit den FUEL Girls durch die Nacht Girls Just Want To Have Fun

Was passiert eigentlich, wenn drei Mädels Bier gegen Bike tauschen und nachts zum Kolben-Vergleich ausrücken?

Genau genommen war es Zufall. In der Redaktionsgarage blieben an jenem Abend drei Mopeds stehen. „Wie geil! 'Ne Ducati XDiavel S, 'ne BMW R nineT und eine Triumph Street Triple“, freute sich FUEL-Girl Iris. „Ich weiß, Mädels, wir wollten heute Abend eigentlich feiern. Aber was spricht gegen eine Spritztour durch die Nacht? Ich frag mal bei der Fuhrpark-Überwachung, ob's klar geht. Die Seele aus dem Leib tanzen können wir uns später immer noch.“ Caro und Bianca waren sofort Feuer und Flamme.

Dreißig Minuten später: Mit Testosteron vollgepumpte Halbstarke trauen ihren Augen und Ohren nicht, als die FUEL-Girls mit gleißendem Scheinwerferlicht der drei Motorräder die gräulichen Betonplatten und Pflastersteine der Innenstadt erleuchten und der grollende Auspuffsound an den Gebäudefassaden entlang rollt. Abstellen, raus aus den Sätteln.

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An Mut fehlt es nicht

Gelächter, Flaschenklirren, irgendjemand singt. Die Schuhe kleben sofort auf dem Boden fest. Es riecht wie nach der letzten großen WG-Party. Eine fürchterliche Geruchs-Melange aus Bier, Vodka-O und Schweiß steigt in die Nasen. Und auch ein bisschen Dope. Vor der Bar nebenan tummeln sich auf Bänken und Stühlen mehr als hundert Leute. Die Girls entkorken ihre Softdrinks, genießen die Atmosphäre. Caro kann sich nicht mehr erinnern, wann sie das letzte Mal auf der Straße gefahren ist. Die professionelle Motocrosserin hat seit Ewigkeiten auf keinem Bock mehr gesessen, der über 50 PS leistet.

An Mut fehlt es ihr nicht. Die durchtrainierte 23-Jährige hat zwar im Vergleich zu Vollgas-Junkie Iris und Sonnenschein Bianca die längsten Arme. Doch ob das der entscheidende Vorteil ist, um die Ducati XDiavel S mit ihren 156 PS in Schach halten zu können? Beim Wenden muss man sich auf jeden Fall strecken – der Lenker ist ein gefühltes Fußballfeld weit weg. Für Caro allerdings bestehen zwischen dem Powercruiser und ihrer 250er-KTM kaum Unterschiede: „Ach komm, die wiegt halt nur drei Zentner mehr. Der kernige Puls und die Power des V2 machen richtig an. Egal, was der Drehzahlmesser zeigt, die Ducati schießt einen wie ein Katapult vorwärts. Irre! Da können die Typen heute Abend einpacken, ich habe meinen Partner für diese Nacht schon gefunden. Guckt mal, Mädels, was die Ducati für einen fetten Hinterreifen hat. Dafür fährt sie recht normal. Und dieses farbige Display, sehr stylish. Am witzigsten finde ich aber die Sitzposition. So'n bisschen wie in einem Ruderboot mit durchgestreckten Beinen. Nach jedem Losfahren muss ich erst mal checken, wo die Füße hinmüssen. Verrückt! Aber total abgefahren.“ Iris hat sich die BMW geschnappt und ist sich noch unsicher. Ob der Boxer der BMW R nineT wirklich taugt, sie beständig bei Laune zu halten?

Zweizylinder boxt los wie Muhammad Ali

Mittlerweile werden die ersten Volltrunkenen der Nacht mutig und baggern, was die Komplimenten-Schatulle so hergibt. Bianca reicht's: „Auf Anmach-Sprüche hab ich keinen Bock! Lasst uns zur nächsten Bar fahren.“ Noch während sie das sagt, schwingt sie ihr Bein über die Street Triple. Kein Zweifel, die ideale Begleitung für die Nacht hat sie mit der Britin bereits gefunden. Iris und Caro schauen verdutzt, grinsen sich an, Schulterzucken. Los geht's. Vor der Bar angekommen, streifen die drei ihre Helme ab, schütteln die Haare in den Nachtwind. Martin, ein Gast, der an einem der Außentische sitzt, fallen fast die Augen raus. Drei Blondinen! Doch er zeigt auf die Ducati und ruft: „Wo habt ihr denn diese sensationelle Alufelge her? Ist die original? Überhaupt: Von Weitem dachte ich, da hockt bestimmt ein fetter alter Sack drauf. Und jetzt das.“

Martin hat nur Augen für die rassige Italienerin. Iris fühlt sich mit ihrem bayerischen Brathahn in schlechtes Licht gerückt: „Martin, ich glaube, als du geboren wurdest, waren BMW-Mopeds noch für Leute mit Lederhose und Saubart am Hut. Ich hab mich auch immer gefragt, wie man sich früher in die Sättel von Motorrädern schwingen konnte, die sie Gummikühe nannten. Aber die BMW R nineT gehört wie wir selbst einer neuen Generation an –  exzellentes Aussehen, wunderbare Kurven, Charakterstärke. Zudem ein bisschen frech, ziemlich edel und nicht auf den ersten Blick einzuschätzen. Bis zum ersten Dreh am Gasgriff: Der Zweizylinder boxt los wie Muhammad Ali in seinen besten Jahren. Bei diesem Sound möchte man sich die ganze Zeit daneben benehmen und im Leerlauf den Motor aufbrüllen lassen. Hier, setz dich selbst mal drauf und zupf im Stand am Gas.“

Bleifreies Bier schmeckt nicht so scheiße wie gedacht

Martin kann der Einladung zum Soundcheck nicht widerstehen. Nacheinander lässt er die Motoren kurz aufbrüllen. Sein Ranking ist klar: Platzhirsch ist die Ducati XDiavel S. Sie klingt am potentesten: druckig, tiefbassig, energiegeladen. Dahinter folgt die BMW R nineT: grollig, dumpf, hubraumstark. Gegen die beiden Prolls hat es die Triumph Street Triple nicht einfach. Ihr kehlig-fauchiges Knurren ist zwar sehr individuell, doch es geht unter. Leider.

Im Innenbereich der Bar tobt der Bär. Die Girls grinsen: Bleifreies Bier schmeckt nicht so scheiße wie gedacht. Die Musik hämmert aus großen Lautsprechern auf die Partymeute, man versteht kaum sein eigenes Wort. „Mit dem Helm in der Hand im Club zu stehen hat den gleichen Effekt, wie nackt und mit bunten Hüten über die Königstraße zu stolzieren“, sinniert Bianca, „alle glotzen!“

Erst die Mopeds, dann der Magen...

Nach gut einer Stunde Small- wie Deeptalk sind die drei verräuchert, Frischluftnotstand treibt sie wieder in die Sättel der Motorräder. Weiter geht's. Eine wild blinkende Benzinanzeige zwingt die Girls zum Zwischenstopp an eine Tanke. Was jetzt? E10? E5? Oder verlangt die XDiavel sogar 102er? „So rauchig, wie die Triumph klingt, fährt sie wahrscheinlich sogar mit Whisky“, meint Bianca. „Na, das wären dann aber sauteure Kilometer“, kommt es aus dem Eck. Drei Typen, alle drei zu tief in die Flasche geschaut, wanken heran. Sie halten die FUEL-Girls für eine Halluzination. Da die Mädels real sind, wollen die Jungs wissen, wer hier die meisten PS unterm Arsch hat oder das teuerste Bike fährt. „Leicht erklärt“, grinst Iris. „Die Ducati XDiavel S ist mit 22.890 Euro die teuerste und hat mit 156 PS den meisten Bums. Mit 8640 Euro und 106 PS markiert die Triumph Street Triple das untere Ende der Fahnenstange. Die BMW R nineT liegt dazwischen.“

Die Burschen schauen, als hätte ihnen jemand bewiesen, dass die Erde doch eine Scheibe ist: „Das ist ja wie bei den Traktoren: je mehr PS, desto teurer.“ Kann sein. Fährt sich aber anders. Gaaaanz anders. Und wo wir schon dabei sind: Am leichtesten von den dreien fährt die Triumph Street Triple. „Sie wiegt nur 190 Kilo, ist superhandlich und federt sogar komfortabel“, grinst Bianca. „Die BMW R nineT lenkt ein bisschen träge ein, aber das federleichte Handling macht das wieder wett“, meint Iris. „Außerdem finde ich sie auf Dauer eine Nummer zu hart gefedert. Vor allem hinten.“ Caro grinst. Ja, sie bekommt die Mundwinkel gar nicht mehr runter. „Alles super bei mir“, sagt sie, kickt den Ständer der Ducati XDiavel S hoch, schwingt sich in den Sattel und lässt den V2 aufbrüllen. „Ich hab Hunger!“, ruft Iris. „Na los, suchen wir einen adäquaten Imbiss. Aber einen, vor dem man direkt parken kann!“ Und was? Döner? Pizza? Truckerimbiss? Bianca kramt eine Visitenkarte aus dem Portemonnaie und meint: „Folgt mir. Wir speisen heute stilecht.“

"Hol den Schnaps raus, Jazzman!"

Caro hat offenbar Hummeln im Hintern. In jedem Tunnel, den die drei durchfahren, reißt sie am Kabel, legt mächtige Zwischensprints hin und zieht mit dem fetten Hinterreifen der Ducati XDiavel S schwarze Striche auf den Asphalt. Verstummt das V2-Gebrüll, hört man Caro vor Freude quieken. Bianca leitet die anderen derweil quer durch ein Industriegebiet, biegt so zickzackig ab, dass Iris und Caro schon glauben, sie seien auf Orientierungsfahrt. Hinter einer riesigen Werkshalle schimmert es plötzlich rosa. Bianca nickt heftig mit ihrem Helm und setzt den Blinker. Ein Puff? Kann ja wohl nicht sein. Caro und Iris haben ein mulmiges Gefühl. Abbiegen auf einen Parkplatz, nach wenigen Metern ist die Leuchtschrift des Ladens zu erkennen: „The Ladies Diner“.

Anhalten, absteigen, Lage checken. Zumindest, solange man noch kann: Von innen kommt eine Frau im rosa Kleidchen angerannt. Sie heißt Jazzman, kreischt, wirft die Arme in die Höhe und galoppiert direkt auf die Ducati zu: „Boah, ich bin über zehn Jahre kein Moped mehr gefahren. Und heute an meinem vierzigsten Geburtstag schenkt ihr mir gleich drei Bikes? Darf ich mal aufsitzen?“ Klar doch. „Warum seid ihr verrückten Hühner denn nachts mit diesen geilen Bikes unterwegs? Wie viele Pferdchen haben die denn?“, will sie wissen. „Die gehen auf jeden Fall so ab, dass wir unsere Männer heute Abend nicht vermissen. Bekommt man bei euch noch was zu futtern?“ Jazzman nickt zaghaft. „Eigentlich ist unser Laden schon lange dicht. Aber ich mag euch. Und die Motorräder. Es gibt jetzt nur zwei Lösungen: Entweder fahrt ihr weiter, oder ihr packt eure Zündschlüssel beiseite. Und haut mit mir auf die Kacke. Ich will meinen Geburtstag feiern!“ Caro, Iris und Bianca blicken auf die Bikes. Sie sind viel zu geil, um draußen in der Nacht zu stehen...

Dreißig Minuten später liegen drei Lederjacken aufeinander, und die Motorräder parken im Diner. Iris schwingt die Hüften zu Cyndi Laupers „Girls just want to have fun“ und brüllt: „Hol den Schnaps raus, Jazzman! Und mach die Mucke lauter! Wir fahren morgen weiter! Rock 'n' Roll, Ladies!“

Foto: jkuenstle.de
Bianca könnte sich die Street Triple auch für länger als eine Nacht vorstellen.
Bianca könnte sich die Street Triple auch für länger als eine Nacht vorstellen.

Meinungen

Bianca Wistuba (28), Medienkauffrau und Kletterfreak, fährt privat eine Kawasaki ER-6f: „Die anderen beiden mussten ganz schön rumwuchten mit ihren Bikes. Die Street Triple fühlt sich auch beim Fahren federleicht an. Klar, der Dreizylinder pumpt nicht wie ein Schiffsdiesel, dreht dafür spielerisch hoch. Eine drahtige Raubkatze mit inneren Werten: Die könnte ich mir auch für länger als eine Nacht vorstellen.“

Foto: jkuenstle.de
Iris fährt privat eine Kawasaki ZX-6R.
Iris fährt privat eine Kawasaki ZX-6R.

Iris Schaber (25), Medienkauffrau und Rennstreckenfan, fährt privat eine Kawasaki ZX-6R. Sie saß bisher auf keinem Münchener Brathähnchen und war mächtig skeptisch hinsichtlich der R nineT: „Beim Schieben auf´m Motorrad sitzend hab ich mir gleich das Schienbein an den Zylindern gestoßen. Aber ansonsten: geiler Ofen, toller Sound, wunderschönes Design. Erstaunt hat mich die Handlichkeit der BMW.“

Foto: jkuenstle.de
Caro findet, dass die Ducati extrem geil klingt. Vor allem wenn man im Tunnel den Hahn aufreißt.
Caro findet, dass die Ducati extrem geil klingt. Vor allem wenn man im Tunnel den Hahn aufreißt.

Caro Fitus (23), Werksstudentin bei Daimler und Motocross-Profi, fährt abseits der Straße eine KTM 250 SX-F. So lieb wie Caro ausschaut, so faustdick hat sie es hinter den Ohren: „Die XDiavel hat unfassbar viel Druck. Brutal, wie das Ding vorwärts geht. Doch warum hat die eigentlich Bluetooth, aber keine Griffheizung? Egal, dafür klingt die Ducati extrem geil. Vor allem im Tunnel, wenn man den Hahn voll aufreißt.“

Technische Daten

Ducati XDiavel S: Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, 1262 cm³, 156 PS bei 9500/min, 129 Nm bei 5000/min, Gewicht 247 Kilogramm, Einarmschwinge, Sechsganggetriebe, Riemenantrieb, Preis: 22 890 Euro

Triumph Street Triple: Wassergekühlter Dreizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 675 cm³, 106 PS bei 11 850/min, 68 Nm bei 9750/min, Gewicht 190 Kilogramm, Sechsganggetriebe, Zweiarmschwinge, Kettenantrieb, Preis: 8640 Euro

BMW R NineT: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, 1170 cm³, 110 PS bei 7500/min, 119 Nm bei 6000/min, Gewicht 222 Kilogramm, Einarmschwinge, Sechsganggetriebe, Kardanantrieb,
Preis: 14 900 Euro

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