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Mit Stefan Bradl auf Landstraßentour Im Schlepptau des deutschen MotoGP-Stars

Eine Landstraßentour im Schlepptau des deutschen MotoGP-Stars Stefan Bradl fühlt sich fast so normal an wie eine ganz alltägliche Ausfahrt mit Freunden: Entspannt am Gas drehen, kurvige Nebensträßchen genießen, Pause machen, Benzin reden.

Treffpunkt „Hotel zur Linde“ in Schambach-Kipfenberg, ausnahmsweise mal ein sonniger Frühlingstag in Deutschland. Stefan Bradl, Moto2-Weltmeister des Jahres 2011 und nun in seinem zweiten Jahr in der Königsklasse, kommt pünktlich zur verabredeten Zeit um neun Uhr. Rund 70 Kilometer hat er bereits hinter sich, von seinem Heimatort Zahling bei Augsburg bis hierher in die Ausläufer des malerischen, kurvenreichen Altmühl­tals. Der 23-Jährige kennt die Sträßchen dieser Gegend gut. Wenn er neben den Pisten dieser Welt eine Hausstrecke hat, dann in dieser Ecke Bayerns.

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"Nicht typisch Rennfahrer, sondern typisch Mann"

Er wird bereits erwartet. Nicht nur von einer Handvoll Journalisten, die Reifenhersteller Brigdestone zum Ausprobieren des neuen Touren-Gummis Battlax T30 geladen hat; Bradl soll als Zugpferd vorneweg fah­ren. Am Rande des Grüppchens steht außerdem Johannes, der per Facebook erfahren hat, „dass heute Deutschlands bester Motorradfahrer hierherkommt“. Der aufgeregte junge Crosser traut sich nicht so recht, sein Idol anzusprechen, doch Bradl geht freundlich auf ihn zu, lässt sich geduldig fotografieren, schreibt Autogramme und quatscht sich regelrecht fest, sodass er fast den Start der Testtour verpasst. Schließlich geht es los, die Spannung unter den Journalisten steigt. Wird uns Bradl auf seiner Honda VFR 1200 gleich mal zeigen, wo der Hammer hängt? Den neuen Reifen an die Grenzen und uns zur Verzweiflung treiben?

Weit gefehlt. Der MotoGP-Pilot fährt auf der Landstraße sauber, aber völlig unspektakulär. Keine Wheelies auf den langen Geraden, keine knieschleifenden Schräglagen im Kurvengeschlängel. Stattdessen ein lockerer, entspannter Fahrstil, gern auch mal einhändig, denn die VFR hat Automatik, die Kupplungshand bleibt heute ohne Beschäftigung. Erstaunlich unauffällig fügt sich der junge Bayer, der auf der Rennstrecke unnachgiebig um jeden Meter kämpft, in die Gruppe ein. „Die Rennen sind etwas völlig anderes, nämlich Adrenalin pur, ständige Anspannung und Stress. Auf der Landstraße zu fahren, ist für mich reine Entspannung – ich muss hier nichts beweisen.

Oder gibt er sich vielleicht nur so respektvoll gegenüber der Straßenverkehrsordnung, weil er nicht allein, sondern in Begleitung von Journalisten unterwegs ist? Würde er ansonsten mit vollem Racing Spirit durchs stille Altmühltal brettern? Seine Freundin Jana jedenfalls hat bei anderer Gelegenheit erzählt, dass er mit ihr hintendrauf durchaus Wheelies hinlegt, bis ihr schier das Herz stehen bleibt. „Ach, das hat doch mit Racing Spirit nichts zu tun“, grinst Bradl. „Das mache ich, weil ich sie beeindrucken will. Und das ist nicht typisch für einen Rennfahrer auf der Landstraße, sondern typisch Mann, oder?“

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"Landstraße finde ich nicht gefährlicher als Rennstrecke"

Doch Jana ist heute nicht dabei, und so bleiben beide Räder der VFR auf dem Boden, genauso wie Bradl unauffällig bleiben will. Bei Stopps steht er dann aber doch im Mittelpunkt, da hilft auch das getönte Visier nicht mehr. Obwohl Deutschland nicht gerade als motorsportversessen gelten darf, wird er durchaus erkannt. Es kommt zwar nicht zu Menschenaufläufen, doch das würde auch nicht zu dem zurückhaltenden Deutschen passen. Der Umgang mit den Fans macht ihm sichtlich Spaß, ganz besonders mit den jungen. „Ist ja schließlich noch nicht lange her, dass ich in der gleichen Lage war“, sagt er lachend.

Mit seinen privaten Motorradtouren gehört Bradl zu einer raren Spezies. Bereits seit Toni Mangs Zeiten nerven die meisten professionellen Rennfahrer ihre Zeitgenossen mit dem Spruch, sie würden nicht auf öffentlichen Straßen Motorrad fahren, weil ihnen das viel zu gefährlich sei. Stefan Bradl sieht das erfreulicherweise anders. „Dass es hier gefährlicher ist als auf der Rennstrecke, finde ich nicht“, meint er lapidar. Zumal eine Serienmaschine für ihn im Vergleich zu seinem Pistenrenner Honda RC213V keine Herausforderung darstellt. „Ich kann mich ganz auf Verkehr und Straße konzentrieren, das Motorrad läuft ohnehin wie von allein. Klar, runterfahren kann einen immer jemand. Aber das ist auf der Rennstrecke auch nicht anders.“

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