13 Bilder
MOTORRAD Classic 9/2015: Leserausfahrt mit Zweiventil-Boxern

MOTORRAD Classic-Boxer-Ausfahrt 2015 Zwiebelrostbraten und Schotterstrecken

MOTORRAD Classic rief, und ein Dutzend wetterfester Boxertreiber kam. Anfangs nasskalt, wurde die Zweiventiler-Schottertour über die Schwäbische Alb ein herz­erwärmendes und höchst geselliges Treffen von Gleichgesinnten.

Es hätte nicht schlimmer kommen können. Um sieben klingelt der Wecker, und draußen geht die Welt unter. Pessimisten würden sich angesichts der Wassermassen daran machen, eine Arche zu zimmern. MOTORRAD Classic aber macht sich auf, um mit der restaurierten BMW R 80 G/S die Schotterstrecken der Schwäbischen Alb zu erkunden. Und weil nicht nur Sport, sondern auch der Spaß im Verein am schönsten ist, ­riefen wir die Zweiventil-Freunde auf, sich der Expedition anzuschließen. Aber wer schwimmt bei Temperaturen um zehn Grad und strömendem Regen zum Treffpunkt auf die Schwäbische Alb?

Schließlich weiß doch jeder Schwabe, dass auf „dr‘ Alb“ der Winter sechs Monate und der Sommer sechs Wochen dauert. Um so erstaunter sind wir, dass ein Dutzend Boxertreiber seine Zweiventiler ­startet. Im Konvoi rollt die Meute durch neb­lige Täler und über klitschnasse Pass­sträßchen. Schlechte Laune? Von wegen. Jede Menge Schotterpisten und klitze­kleine, kurvige Sträßchen in traumhafter Landschaft. Bei jeder Pinkelpause grinsen ­fröhliche Gesichter unter den Helmen. Nein, diesen Herrschaften können ein paar Tropfen den Spaß nicht verderben!

Anzeige

Fernsicht bis ins Allgäu

Zur Mittagszeit schält sich die Truppe aus Regenkombi und Unterholz, genießt auf dem knapp 800 Meter hohen Bussen die Fernsicht bis ins Allgäu. Der südlichste Punkt der Reise ist erreicht, längst ist der Regen lockeren Wolken gewichen, die zuweilen sogar die Sonne durchblitzen lassen. Nach einem leckerem schwäbischen Zwiebelrostbraten verschwinden die Boxerfreunde wieder auf abenteuerlichen Schotterstrecken im dichten Wald nördlich der Donau. Und dann stellt sich die Frage: Links oder rechts? Links windet sich die Asphaltstraße den Berg empor, rechts öffnet sich eine steile Schneise, durch düsteren Forst über klitschnassen, aufgeweichten Waldboden. Große, fragende Augen, unsicheres Schulterzucken. „Aufi geht‘s Buam, dös probier ma oifach“, schallt es im derben bayerischen Dialekt von hinten durch die Meute. 

Und die lässt sich nicht zweimal ­bitten. Selbst die Straßenreifen-Fraktion kann sich der Euphorie nicht entziehen. Kurz darauf fußeln und schleudern die Boxertreiber durch den glitschigen Hohlweg. Während die grobstollige Fraktion bereits grinsend auf dem Gipfel steht, kämpfen die anderen Reiter mit den Tücken der ausgefahrenen Spurrillen. Fünf, sechs, sieben, irgendwann stehen ­alle zwölf oben. Ein bissel verschwitzt, mit ungläubigem Kopfschütteln und lautem Lachen werden die Fotohandys gezückt, um die Helden abzulichten, die sich durchgekämpft haben. Über das felsig zerfurchte Donautal bei Sigmaringen fährt die Meute zurück in Richtung Reutlingen. Natürlich nicht, ohne den Tag bei Cappuccino und Kuchen Revue passieren zu lassen.

Restaurierung BMW R 80 G/S alle Teile

Anzeige

Immer noch eine Fahrmaschine erster Güte

Dabei geht es in aller Ausführlichkeit um die Zweiventiler. Vergaserbedüsung, Kupplungsprobleme, welche Reifen, welcher Luftdruck, wo gibt’s welche Teile?  Schnell wird klar, dass es für diese Freunde des klassischen Alteisens mit dem ­reinen Besitz und dem regelmäßigen Abstauben nicht getan ist. Die G/S – mit oder  ohne Strich – ist viel zu schade, um sich in der Vitrine als Skulptur altdeutschen ­Maschinenbaus die Reifen platt zu stehen.

Dieses Muster an Vielseitigkeit und – wenn die großen und kleinen Mängel behoben sind – auch an Zuverlässigkeit ist selbst 35 Jahre nach der Premiere noch eine Fahrmaschine erster Güte, für viele auch ein  Nutzfahrzeug für jeden Tag. Klasse, wenn Klassiker nicht verstauben, sondern auf Straßen und Plätzen bestaunt werden können! So wie auf unserer Ausfahrt.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel