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Motorrad-Sammlung von Walter Höcker Durch und durch

Alpentouren und Straßenrennen, Treffen oder Geländefahrten, Restaurieren und Sammeln: Fleischer Walter Höcker nimmt alles mit. Am liebsten alte Hondas.

Da steht sie nun neben ­einem riesigen Urzeit-Lastwagen und macht sich dünne. Ein schönes Motorrad, diese Honda CB 77, ganz bestimmt. Doch eines, dessen sportliche ­Talente unkundige Betrachter höchstens erahnen können. Aber dann kommt Walter Höcker und erzählt davon, wie dieser Zweizylinder in seinem Dorf einschlug und der Clique den Kopf verdrehte. Wie sie diskutierten über Haltbarkeit und Service eines solchen Rennmotors. Dass weder Horex noch BMW eine Schnitte bekamen und irgendwie ein Hauch von Grand Prix über die Landstraße wehte. Mehr als 9000 Touren, da kamen doch sonst nur Hailwood oder Redman hin. Und so was stand nun vorm Vereinslokal. Unfassbar.

Walter erzählt weiter, mit funkelnden Augen. Alles rückt nah. Man sieht sie ­wieder, die zerfurchten Windgesichter auf ­ihren untengesteuerten Boxern und Ein­zylindern. Die letzten ihrer Art, eine verschworene Gemeinschaft mit eingeschworenen Werten. Und denen knallte Honda diese Dinger vor die Nase. CB 72 mit 250 cm³, CB 77 mit 305 cm³, kurz danach CB 450, der Black Bomber. 24, 28 und 43 PS. Unfassbar eben. 

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Luftgekühlte Hondas, das ist sein Ding

Walter hatte Glück, war damals noch Jugendlicher und frisch im Geiste. Der sah, begriff – und wollte haben: 1966 kam so eine CB 77 her. Er muss sich wie ein König gefühlt haben. „Und manchmal wie der ärmste Wicht“, grinst der heute 67-Jährige, „wenn mal wieder ein Loch im Kolben war.“ Trotzdem rückte die Welt näher, der Nürburgring sowieso. Immer unterwegs an den Wochenenden. Ende der 60er erschien die CB 750, und auf einmal spielten Entfernungen keine Rolle mehr. „Motorschäden? Das Ding hättest du mit dem Hammer kaputt schlagen müssen.“

Die Prägephase des Walter Höcker ­endete hier: Luftgekühlte Hondas, das ist sein Ding. Hätte Walter spätestens merken können, als er unbedingt eine dieser allerersten Gold Wing brauchte, die eigentlich aus einem US-Kontingent stammten – und nicht glücklich damit wurde. „Kurbel­welle gebrochen“, berichtet er lapidar. Hätte es wissen müssen, als eine Kawasaki Z 1000 irgendwie nicht passte. Kein ­weiterer Kommentar. Hätte sich die ­zweite Gold Wing wirklich sparen können. „Ja, ja, aber komfortabel war die schon.“ Erst die 900er-Bol d‘Or brachte ihn wieder auf den rechten Pfad zurück, und bei der CB 1100 R ist er dann einfach hängen­geblieben. Die steht unten in der Scheune, nicht weit vom Tor. Alles, was dort parkt, braucht Walter, um sich auszutoben. Also auch die CB 77? „Klar, ist doch ein geniales Motorrad.“ Und den ollen Laster?

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Foto: Siemer
Wer glaubt, Walter Höcker sei im Hauptberuf Sammler und Restaurator, der irrt natürlich ...
Wer glaubt, Walter Höcker sei im Hauptberuf Sammler und Restaurator, der irrt natürlich ...

Das ist nun wiederum eine längere Geschichte, und dabei geht es um höhere Formen des Wahnsinns. Wie so oft fing alles harmlos an, im Falle Höcker mit einer zierlichen Imme. „Die stand hier bei einem Fahrradhändler als Deko im Schaufenster“, erzählt Walter, und wenn man das Funkeln in seinen Augen richtig deutet... Genau: „Dafür war die doch viel zu schade.“ So kam der gelernte Fleischer 1975, als keine Sau auf Imme stand, zu diesem wahrlich skurrilen Gefährt und drehte muntere Runden. Seit einigen Jahren sogar beitragspflichtig im Imme-Freundeskreis. Irgendwie gefiel ihm dieses Kleinvieh, aber von artgerechter Haltung konnte man erst sprechen, als die Imme passende Gesellschaft bekam: „Diese kleinen Hondas, mit ihren filigranen Viertaktern.“ Er breitet die Arme aus und strahlt: „Die sind doch toll, oder?“ Wer wollte ­widersprechen, wenn Monkeys und Daxe gleich reihenweise aus ihren Kullerscheinwerfern aufschauen, Camino-Mofa und SS 50-Kleinkraftrad an alte Schulzeiten erinnern. Die Super Cub in ihren diversen Hubraumvarianten machte Honda stark, vier der weit über 60 Millionen gebauten Exemplare verschlug es auf Walter Höckers Scheunenboden. Da parken sie einträchtig neben einer ­seltenen C 110 – „Die hat Stößelmotor, guck“ – und einer CB 92. „Tja, und die war ja ­eigentlich noch sensationeller als die CB 72/77.“ Gibt‘s doch gar nicht! „Doch, doch. 15 PS aus 125 Kubik. Und hier, die Duplexbremse, aus Elektron.“ Seit bei­nahe 40 Jahren wächst diese Sammlung, anfangs Stück um Stück für kleines Geld. „Aber heute ist so eine CB 92 schon richtig teuer“.

Irgendwann kamen dann zwar zwei CB 72 hinzu, doch erst als Walter Höcker seine Vierzylinder-Reihe komplettiert hatte, überfiel es ihn: Ab Mitte der 80er, da hat er alles gekauft, was er an, von und über CB 72/77 kriegen konnte. „Zum Glück, heute kann das ja keiner mehr ­bezahlen.“ Walter hatte so viel davon, der konnte ­sogar noch Rennen damit fahren. „Schotten, Nürburgring, alles. Mit wirklich heißen Motoren und am liebsten, was geht.“ Aber die Lorbeerkränze für gewonnene Gleichmäßigkeitsläufe? „Immer voll ist auch gleichmäßig.“ 30 PS bringt die CB 72, 40 die aufgebohrte 77. Wenn mal ein ­Wochenende frei war und es passte, machte Walter auf gemütlich, packte eine BMW R 35 oder eine DKW NZ 250 ein und startete bei Veteranenrallyes. „Ibbenbüren war eigentlich Pflicht.“ Manchmal gab’s dann immer noch Luft, und verdammt, das müsste sich doch ändern lassen. So oder so ähnlich kamen Großprojekte ins Haus, die ihn wenigstens für ein paar ­Monate ausfüllten. Porsche-Trecker, Lanz-Zugmaschine, Magirus-Möbelwagen und Vomag-Pritsche.

Dann kam die Lust am Laster

Wie bitte? Vomag? Na, das ist der olle ­Laster neben der CB 77. „Vogtländische Maschinenfabrik AG“, erklärt Walter. „Die saßen in Plauen und waren mit Stick­maschinen verdammt reich geworden.“ Seit dem Ersten Weltkrieg produzierten die Sachsen auch Lastwagen, und der hier ist Baujahr 1940. Walter hat ihn als Torso übernommen, praktisch sämtliche Aufbauten neu angefertigt, die ganze Technik wieder hergerichtet. Ein Monstrum. Aber wenn Walter von Lastwagen schwärmt, werden die richtig nett, und ruck, zuck schweift man vom Thema ab. Das heißt doch CB 72/77. „Ach ja, stimmt.“ 2010 nämlich hat Walter ein feinmechanisches Kontrastprogramm eingeleitet und baut, wenn er gerade nicht unter tonnenschweren Lkw herumturnt, eine CB nach der anderen auf. Jetzt hat er sie in Rot, Blau und Schwarz. „Alle drei lieferbaren Farben.“ Und die Vorgängerin C 72 Dream mit Kurzschwinge vorn hat er auch. Und eine seltene CL 72. „Die hat den Gleichläufer, wie die C. Zieht schön durch.“ Doch warum steht inmitten des ganzen Reigens ­eine Laverda 750 SF? „Damit ich beweisen kann, dass die Europäer bei Honda abgekupfert haben.“ Den CB 77-Motor nämlich, was denn sonst?

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