Nachruf auf Götz George Zum letzten Mal "Scheiße"

Der vergangene Woche verstorbene Schauspieler hatte eine private Leidenschaft: Motorrad fahren. Nur nie in Deutschland.

Foto: Archiv

Er war Spätberufener, aber fuhr dafür umso leidenschaftlicher Motorrad: Götz George, einer der größten deutschen Theater-, Film- und TV-Schauspieler. Und es war auch seine Paraderolle als Horst Schimanski, für die er das Fahren überhaupt erst gelernt hat. Denn Motorradfahren, so fanden seine Regisseure, passte bestens zu der raubauzigen Art des Duisburger Schnauzbart-Kommissars. Also setzten sie ihn auf eine R 80 G/S. Da George Stunt-Doubles grundsätzlich ablehnte und alles selber drehen musste, musste er also auch hier ran. Und pflügte mit der BMW eine beachtliche Schneise in ein Maisfeld: "Scheiße!"

Doch fahren konnte er nun und so stand ab sofort immer eine Boxer-BMW in der Garage seines Ferienhauses auf Sardinien. In Deutschland, verriet er MOTORRAD 1994 in einem Interview, wollte er nicht fahren und hätte es auch gar nicht gedurft: "Das hat meine Versicherung verboten. Wenn ich wegen eines Motorradunfalls bei Drearbeiten ausfalle, kostet das eine Menge Zeit und Geld. Nein, ich fahre nur im Süden. Da habe ich auch die nötige Muße."

Götz George galt privat als höflicher, aber bestimmter Mensch. Weitere Anfragen für gemeinsame Touren mit MOTORRAD hat er stets abgelehnt. Als Schauspieler war er selbst sein größter Kritiker und hat auch seine Fernseh-Rollen stets mit großer Skepsis betrachtet. Das Motorradfahren aber hatte für ihn als Privatmann etwas Verbindendes: "Du kommst mit anderen Leuten leichter in Kontakt, und es spielt überhaupt keine Rolle ob du Schalterbeamter oder Strafverteidiger bist." Oder eben Götz George. Er wird uns fehlen. Nicht nur als Schimanski.

Wenn Sie das komplette MOTORRAD-Interview mit Götz George von 1994 lesen möchten, können Sie sich das Gratis-PDF herunterladen (siehe oben).

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