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Nachtrag zum Fischereihafenrennen 2015 Pflichttermin Bremerhaven

An Pfingsten ist für viele Fans und Fahrer Bremerhaven Pflichttermin. Das Fischereihafenrennen fand dieses Jahr bereits zum 58. Mal statt, und Thilo Günther gab für PS dort mächtig Gas.

Kennt ihr das? Nach einem langen Wochenende sitzt ihr mit einem Bier im Gartenstuhl und denkt: „Alta, was war das wieder ein geiles Wochenende?“ Das Grinsen bekommt man gar nicht mehr aus dem Gesicht. Dann war wohl wieder Pfingsten, und ihr habt mit 400 Fahrern aus 10 Nationen beim Fischereihafenrennen in Bremerhaven kräftig Gas gegeben. Ich mache das seit 2008 jedes Jahr, und die Atmosphäre dort hat mich vom ersten Moment an gepackt. Die Intensität dieser Rennen kommt von den Zuschauern, die dicht gedrängt ganz nah an der Strecke stehen und wirklich jedem Fahrer zujubeln – egal, ob du Erster oder Letzter wirst. Auf der Strecke wird gefightet, aber immer mit dem nötigen Respekt vor dem anderen Fahrer und der Piste. Denn keine Frage: Der Kurs rund um die Fischhallen auf normalem Alltagsbelag und haarscharf an Strohballen vorbei ist gefährlich.

Doch vor Jubel, Trubel, Heiterkeit muss man erst mal da sein. Und so packten wir vom Team GTR Racing alle Mopeds in den Bulli. Die letzten Jahre haben uns gelehrt, die Veranstaltung ist eigentlich nur Pfingstsonntag und -montag, aber man sollte freitags schon da sein, will man noch einen ordentlichen Platz bekommen. Außerdem ist schon ab Freitag die Hölle los. Auf dem Campingplatz direkt an der Strecke kennen die Mopeds bei manchen Fans die ganze Nacht nur eine Gasstellung: volle Pulle. Als unsere lustige Reisetruppe am Freitag bei bestem Wetter in Bremerhaven ankam, saßen die ersten Zuschauer schon da. Wie Reinhardt, nach eigenen Angaben ehemals Postbote. Er muss mit Kumpel Hennes schon mehrere Stunden auf die Fahrerkarawane gewartet haben, das verrieten jedenfalls zahllose leere Bierdosen. 

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Samstagmittag wird im Hafen noch regulär gearbeitet

Aber wie das oft bei einmalig eingerichteten Rennstrecken ist, war an sofortiges Aufbauen nicht zu denken. Bis Samstagmittag wird hier im Fischhafen noch regulär gearbeitet und reihenweise Kübel mit Fisch hin und her gefahren. Die Besichtigungsrunde fällt auch ins Salzwasser, weil die Strecke erst von Samstagnachmittag bis spät in die Nacht aufgebaut wird. Der 2,7 Kilometer kurze Straßenkurs geht zwischen den Fischhallen hindurch und wird durch 2000 Strohballen am Rand der Piste erst richtig zur Rennstrecke. Die sturzgefährdeten Stellen wie Mövenkurve, Laola-Kurve, Lunedeich-Eck, Schrottkurve, Engelbrechtkurve und die FBG-Kurve werden zudem noch mit Airfences gesichert. Dann nimmt der DMSB die Piste ab, aber dazu kommen wir gleich noch.

Nach dem Aufbau wartet das Rennbüro, wo Luzi Brandt mit ihren Kollegen mit frechen Sprüchen jeden einzelnen Fahrer abfertigt. Mit einer C-Lizenz und passender Rennstreckenerfahrung kann hier eigentlich jeder starten, sofern er einen der begehrten Startplätze in einer der zehn Klassen ergattert. Dann bekommt man schon vor dem ersten gefahrenen Meter die begehrte Teilnehmer-Medaille mit dem Titelbild des jeweiligen Jahres. In diesem Jahr war mein Foto drauf, wie auch auf den Pokalen. Hat sich also doch gelohnt, hier immer den Showman rauszuhängen und die Zuschauer aus Dank für ihre Begeisterung immer mit Wheelies, Stoppies und Burnouts zu unterhalten. 

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Foto: Dirk Schäfer
Max Neukirchner (l.) war prominenter Gast in Bremerhaven und vom Event von Organisator Hinrich Hinck (r.) begeistert.
Max Neukirchner (l.) war prominenter Gast in Bremerhaven und vom Event von Organisator Hinrich Hinck (r.) begeistert.

Newcomer fahren im Training mit Warnweste

Ein Nadelöhr ist die technische Abnahme. Wer die Schrauben nicht ordnungsgemäß gesichert hat oder mit alten Helmen anrückt, hat Pech und muss nachbessern. Was aber mittlerweile außergewöhnlich ist, es gibt hier keine Phon-Messung wie sonst auf den Rennstrecken. Beim Fischereihafenrennen ist es genau umgekehrt: Je lauter, desto besser – ganz nach dem Slogan des kultigen Events: „Laut, roh, echt!“ 

Für die Newcomer in Fishtown gab es am späten Samstagnachmittag noch einen Pflichttermin. Kenny Hinck, Sohn des Veranstalters Hinni, ging mit ihnen die zu diesem Zeitpunkt fast fertige Strecke einmal ab. Jeder Newcomer fährt, wie auf der Isle of Man, die Trainings mit gelber Weste, damit erfahrene Piloten gleich wissen, was los ist. Denn Fishtown hat nix mit permanenten Rennstrecken zu tun. Es ist buckelig wie auf einem Acker, an einigen Stellen rutschig wie auf der Eisbahn, und Auslaufzonen gibt es nicht. Man sollte also besonnen ans Werk gehen.

Um 20 Uhr war dann große Fahrerbesprechung mit Veranstalter Hinni, der für sein grenzenloses Herzblut für dieses Rennen tosenden Beifall erntete. Danach übernahm der DMSB, der seit 2014 hier das letzte Wort in Sachen Regeln und Sicherheit hat. Für große Diskussion sorgte schließlich die geänderte Schikane „Merkens Bremskurve“. Augenscheinlich sollte dort von Tempo 180 innerhalb von 10 Metern auf 20 km/h heruntergebremst werden. Von der Unmöglichkeit einer solchen Verzögerung ließen sich die Funktionäre auch nicht von den erfahrensten Fahrern überzeugen. Das Ergebnis im geführten freien Training am Sonntagmorgen: vier Unfälle wegen der Schikane. Nach Boykott von Fahrern wie „Mr. Hayabusa“ Elmar Geulen, Stefan Merkens, mir und etlichen mehr wurde im Gespräch mit dem Rennleiter dann schnell eine Lösung gefunden und die Schikane wieder umgebaut. Danach gab es das ganze Wochenende an der Stelle keinen einzigen Unfall mehr. Reden ist eben doch manchmal Gold. 

Kawasaki ZX-10R in der Superbike Open-Klasse

Und schon sind wir mittendrin im Trainingssonntag - bei super Sonnenschein und Temperaturen über 20 Grad. Es lief prächtig, denn ich konnte mich mit meiner auf Naked Bike umgebauten Kawasaki ZX-10R in der Superbike Open-Klasse knapp hinter Polesetter Julian Neumann und noch vor meinem Bruder Moritz und Toni Heiler in die erste Startreihe stellen. Mit der Wunderlich-BMW in Klasse 2 klappte es nicht ganz so gut. Von Startplatz zwei bis neun lagen alle innerhalb einer Sekunde. Mit 1.35,183 min war ich Neunter. Mit reichlich Livemusik im Zelt und Fachgesprächen im Fahrerlager klang der Sonntag schließlich aus.

Am frühen Pfingstmontag hörte ich schon leises Tröpfeln auf dem Wohnwagendach. Mist! Aber es war erst fünf Uhr früh, da geht vielleicht noch etwas bis zum Rennstart. Aber das erste Rennen in Klasse 2 war für 10.15 Uhr angesetzt, und Punkt zehn regnete es dann wieder. Ich hatte mit Frank Hoffmann von Wunderlich ausgemacht, dass wir bei Regen nicht fahren, da es im Hafen dann spiegelglatt wird. Aber nach der Einführungsrunde ging ich auch ins Rennen – allein schon für die Zuschauer, die haben ja auch Eintritt bezahlt. So fuhr ich mit Slicks raus, die Hälfte des Fahrerfeldes war gar nicht erst erschienen. Und auf einmal wurde ich nach acht Runden als 13. von der schwarz-weiß karierten Flagge abgewunken. 

Königsklasse Fishtown: Superbike Open

Dann legte die Sonne richtig los, und im Nu war nicht eine Wolke mehr am Himmel. Perfekte Bedingungen also für den ersten Höhepunkt des Tages, Rennen 1 der Königsklasse Fishtown: Superbike Open. Altmeister Toni Heiler fehlte leider, da er sich im Training unsanft zu Boden begab und im Krankenhaus am Knie behandelt wurde. Die Ampel schaltete auf Rot und ging sofort wieder aus. Ich hatte wahrlich keinen guten Start, und mein Bruder Mo und Julian Neumann bogen vor mir in die erste Rechts. Julian konnte ich in der darauf folgenden Links direkt überholen und dann schaute ich mir mein Bruderherz eine Runde lang an, bevor ich ihn vor der „Denkmalkurve“ ausbremsen und die Führung übernehmen konnte. Mit einer bis dato schnellsten Runde von 1.30,449 min und 23 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Stefan Merkens und weiteren 13 Sekunden auf Fritz Spenner konnte ich den ersten Lauf gewinnen – mein zweiter Sieg nach 2012. Mein Bruder Moritz und Julian sind bei der Verfolgung ein zu hohes Risiko gegangen und beide mit Sturz ausgeschieden, blieben aber unverletzt.

Die Siegerehrung war der Hammer. Mein 30 Mann starkes Team stand da und Speedwaylegende Egon Müller quasselte drauf los. Das sind die Momente, die dir dann im Garten beim Bier immer und immer wieder durch den Kopf gehen. Dass Julian Neumann im zweiten Lauf mit einer irren Bestzeit von 1.29,664 min die schnellste Runde markierte und sein erstes Fischereihafenrennen vor mir und meinem Bruder Moritz gewann, tut dem Gefühl keinen Abbruch. Das war ein super Wochenende. Auch die 25.000 Zuschauer haben in allen Klassen Rennsport vom Feinsten gesehen. Die Abschlussrunde im Hafen, in der alle Fahrer ohne Helm zusammen eine Runde drehen und sich vom Publikum verabschieden, ist eine einmalige Sache. So etwas habe ich noch nirgends in dieser Art erlebt, auch nicht beim internationalen Road Racing in der IRRC. Fischereihafenrennen, das ist echtes Gänsehaut-Feeling. Und unsere Mutter war froh, dass ihre Jungs wieder heil nach Hause kamen. 

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