Nürburgring-Verkauf ADAC hat Interesse – aber nicht ohne Grenzen

Der ADAC hat offiziell bestätigt, mit in die Bieterschlacht um den Nürburgring eingestiegen zu sein. Nun will der Autoclub in aller Ruhe prüfen, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, die Rennstrecke wirtschaftlich zu betreiben.

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Foto: Jahn

Wie eine große Neuigkeit wurde in der vergangenen Woche die Information gehandelt, dass der Automobilclub ADAC zum Kreis der Organisationen gehört, die im laufenden Verkaufsverfahren um den insolventen Nürburgring ein unverbindliches Angebot abgegeben haben.

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"wir können ja nicht die Medien anlügen"

Insider waren längst davon ausgegangen, dass sich der Automobilclub mit seinen mehr als 18 Millionen Mitgliedern um den Traditionskurs bemühen würde. Zumal ADAC-Ehrenpräsident Otto Flimm, 84, in seiner aktuellen Funktion als Vorsitzender des Vereins „Ja zum Nürburgring“ mehrfach gefordert hatte, dass nicht an einen rein wirtschaftlich orientierten Interessenten verkauft werden dürfe, sondern die Sportstätte einer dem Gemeinwohl verpflichteten Organisation überlassen werden müsste. Dass er dabei in erster Linie an seinen knapp 300 Mitglieder starken Verein gedacht hat, ist eher unwahrscheinlich.

Neu an der ADAC-Meldung war lediglich, dass von den bisher geheim gehaltenen Namen der Bieter zum jetzigen Zeitpunkt ausschließlich der des ADAC bekannt wurde. „Wir hatten keinen Grund, das publik zu machen“, sagt ADAC-Motorsport-Pressesprecher Kay-Oliver Langendorff, „aber als es raus war, habe wir es bestätigt – wir können ja nicht die Medien anlügen.“ Jetzt werden erst einmal in aller Ruhe die Zahlenwerke geprüft, die den Bietern zur Verfügung gestellt werden. Denn damit der ADAC schließlich ein verbindliches Angebot abgibt, muss eine echte Chance dafür bestehen, dass der Ring wirtschaftlich betrieben werden kann.

"Wir wollen nicht, dass sich da ein Scheich einkauft"

Wie es um den Zustand der Anlage bestellt ist, darüber weiß der Club bestens Bescheid – an mehr als 50 Prozent der Events auf dem Nürburgring sind die ADAC-Zentrale, die rechtlich selbstständigen Regionalclubs oder die Ortsclubs organisatorisch beteiligt.

Ob es ein ADAC als Besitzer seinen Clubs bei Veranstaltungen auf dem Ring leichter machen könnte, kann Pressemann Langendorff nicht sagen: „Dazu ist es noch viel zu früh. Der ADAC will die Rennstrecke für den Breiten- und Nachwuchssport sowie als automobiles Kulturgut erhalten. Wir wollen nicht, dass sich da ein Scheich einkauft, dort 20 Ferraris parkt, einmal im Jahr zwei Tage Spaß mit Freunden auf der Piste hat und anschließend wieder das große Vorhängeschloss an der Zufahrt absperrt.“

Vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen

Das dürfte ganz im Sinne Otto Flimms sein. Wobei das Interesse des ADAC durchaus Grenzen hat. „Wir reißen uns nicht darum. Wenn jemand anderes kommt, der den Nürburgring in der gleichen Philosophie wie der ADAC weiterführen möchte, lassen wir dem gerne den Vortritt. Wenn aber jemand den Zuschlag erhält, mit dessen Ideen wir nicht einverstanden sind, werden wir sicher nicht zögern, vom unserem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen und alle unsere Veranstaltungen 2014 dort abziehen.“

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