Pascal Eckhardts Fahrtipps für die Rennstrecke Teil 7 Kurven anbremsen (Praxis)

In dieser Folge erklärt Pascal an einem konkreten Beispiel, was schnelles Anbremsen ausmacht. Wer alles richtig macht, gewinnt Meter auf den Vordermann, der grade seine Linie korrigieren muss.

Video-Ausschnitt von Pascal Eckhardt und Christian Kellner aus IDM-Zeiten. Da könnt ihr euch abschauen, wie es funk­tionieren sollte.
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Foto: Bilski

Wie versprochen wollen wir uns in dieser Folge eine ganz bestimmte Kurve vornehmen, um den Ablauf vom Anbremsen bis zum Hinausbeschleunigen einmal komplett durchzugehen. Jede Kurve ist natürlich anders, muss mal härter, mal weniger stark angebremst, früher oder später eingelenkt werden. Mal wird tiefer oder kaum hineingebremst, mit sehr viel Schräglage oder eben weniger gefahren und der Moment, an dem wir ans Gas gehen, differiert ebenso. Es gibt also mal wieder keine Pauschallösung, wie so oft beim Motorradfahren – deshalb ist es auch so kompliziert. Aber anhand der Einfahrt des Motodroms in Hockenheim können wir das Prinzip besser verstehen und ich verrate euch ein paar Tricks, die richtig Meter und Zehntel bringen.

Gehen wir mal davon aus, dass wir optimal aus der offenen Rechts nach der Mercedes-Tribüne kommen. Jetzt tauchen wir tief hinter der Verkleidung ab und setzen uns ganz weit nach hinten. Das ist nicht nur gut für die Aerodynamik, sondern passt auch schon fürs Anbremsen, wo wir möglichst viel Gewicht nach hinten bringen sollten, damit das Motorrad stabil bleibt und das Hinterrad nicht abhebt. Noch in dieser Phase am Gas könnt ihr mal überprüfen, wie bewusst ihr fahrt. Erinnert euch: Immer so bewusst wie möglich fahren! Zu meinen IDM-Zeiten wusste ich gerade hier auf den Zentimeter genau, wo ich in welchen Gang hochschalte. Ich musste nicht mal auf den Motor hören oder den Drehzahlmesser anschauen. Es gibt dort eine leichte Bodenwelle, auf genau der ich mit der R6 immer in den fünften Gang bin. Wenn ich das etwas früher tun musste, wusste ich instinktiv, dass auch mein Bremspunkt etwas früher kommen muss.

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Foto: Bilski

Abtauchen, weit nach hinten setzen

Nehmen wir an, ihr kommt an euren Bremspunkt (wie ihr den findet, steht in Teil 6). Jetzt kommt ein Vorgang, dem ich schon ganze Tagestrainings geopfert habe: Gas schließen und bremsen. Was ist daran so schwierig? Ich wette, dass 99 Prozent der Hobby-Piloten das Gas relativ langsam schließen und eine Rollphase haben, bevor sie die Bremse ziehen. Das kostet extrem Zeit, denn jeder Meter, auf dem man nur rollt, ist ein toter Meter und damit Zeitverschwendung! Ist euer Bremspunkt dann überhaupt der Bremspunkt oder vielmehr die Stelle, an der ihr das Gas zudreht? Achtet mal drauf! Selbst als ich schon ganz vorne im Yamaha-Cup dabei war, konnte ich nicht glauben, wie viel man vom Gasschließen bis zum Bremsen verschenken kann. Ein Blick ins Data-Recording ist ernüchternd. Arbeitet bewusst daran, bis es ein Vorgang ist. Das zu üben habe ich erst aufgehört, als sich die Kurve vom Gasschließen mit der Bremse beim Anlegen überschnitten hat: Gas weg – bumm – und – tschacka – Bremse reinhauen! Mein Tipp: Man kann das auch trocken zu Hause üben, bis man auf dem Bike gar nicht mehr daran denken muss.

Habt ihr die Bremse gezogen, taucht ihr sofort aus der Verkleidung auf, bleibt aber schön hinten sitzen. Wir kommen der Kurve immer noch näher, haben jetzt aber vollen Bremsdruck. Der nächste Punkt ist wieder so eine Schlüsselstelle: der Einlenkpunkt. Besonders in dieser Kurve wird man verleitet, früh einzulenken. Fahrt aber nicht spitz rein, sonst müsst ihr den Kurvenspeed korrigieren und der Ausgang ist futsch. Brems- und Einlenkpunkt hängen eng voneinander ab, experimentiert und stimmt beide aufeinander ab.

Foto: Simulation Datenrecording

Übung macht's

Jetzt winkeln wir auf der Bremse ab, fahren einen leichten Radius – merke: nicht spitz auf die Curbs innen zuhämmern – und lösen die Bremse langsam, mit zunehmender Schräglage immer mehr. Wirklich langsam lösen, wir bremsen tief in die Kurve hinein. Diesen Vorgang haben die Profis perfektioniert, da steckt viel Arbeit drin – und auch der eine oder andere Sturz übers Vorderrad, das muss man wissen. Wichtig: Die Bremse langsam lösen, sonst federt die Gabel zu schnell aus. Und wenn ihr eure Sitzposition jetzt zum Kurveninnern verlagert, macht das ganz easy und smooth.

Erinnert euch: Nicht herumhampeln, Unruhe im Motorrad ist pures Gift! Wenn das alles sauber passt, macht ihr mächtig Meter – versprochen. Damit ihr mir das alles auch glaubt und als Moti­vation fürs Üben haben wir einen Video-Ausschnitt von mir und Christian Kellner aus unserer IDM-Zeit aufbereitet. Da könnt ihr euch abschauen, wie es funk­tionieren sollte. Haut rein!

Euer,
P. Eckhardt

Der Coach

Foto: fact

Pascal Eckhardt fährt seit seiner Kindheit Motorrad, kam aber erst spät zum Rennsport. 2003 stieg er in den Yamaha-R6-Cup ein, war im Jahr darauf schon Vizemeister und gewann den Cup schließlich 2006. Danach fuhr der Allgäuer Supersport in der IDM, konnte einige Laufsiege feiern und stand unzählige Male auf dem Podest. 2009 beendete „Ecke“ als Dritter die IDM-Meisterschaft. Bei den 24 Stunden von Oschersleben erreichte er im PS-Team auch einen Podestplatz.

2011 hängte er gemeinsam mit SKM-Teamkollege Christian Kellner seinen Profi-Helm an den Nagel. Bis zu einem Unfall im letzten Sommer war Pascal Eckhardt auch begeisterter Motocrosser. Als Instruktor wird der 36-Jährige in der Saison 2013 wieder bei den PS-V.I.P.-Trainings dabei sein.

"Ecke" gibt Fahrtipps für die Rennstrecke

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