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Heinz Gerd und Dorothee Czech. Die Tochter des HKS-Erfinders betreut 1000 HKS-Handelspartner. Beide lieben Motorräder.

50 Jahre HKS Hochleistungs-Ketten-Schmiere Motorrad-Verbesserer H. G. Czech

Heinz Gerd Czech zählt zu den Urgesteinen der deutschen Motorrad-Szene. Der Mann ist findiger Ingenieur, Ex-Rennfahrer und leidenschaftlicher Langstrecken-Pilot. Wir verdanken ihm HKS, die Hochleistungs-Ketten-Schmiere, die sich seit 50 Jahren am Markt behauptet. Ein Porträt.

Die Dickste muss es ein. Die Dickste, das ist seinerzeit die BMW R 69 S. Fahrwerk, Bremsen? Kaum vorhanden, doch das kümmert Heinz Gerd Czech zunächst wenig. Zunächst, denn als der studierte Maschinenbau-Ingenieur 1966 als einer der Ersten in Deutschland damit beginnt, die Marke Suzuki zu verkaufen, fährt er die T 20 Probe. Eine leichte Zweizylinder-Zweitakt-Rakete mit 29 PS aus 250 Kubikzentimeter Hubraum. Welch eine Befreiung! Jetzt regiert sportliche Unbeschwertheit. Czech verkauft die schwerfällige BMW und tanzt mit der Suzuki über die Straßen.

Was den akribischen Tüftler allerdings bald nervt, ist der Sekundärantrieb in Form einer unterdimensionierten Kette. Und so wird diese T 20-Kette zur Initialzündung für HKS, der „Hochleistungs-Ketten-Schmiere“. Denn der Meister experimentiert so lange mit Schmiermitteln und diversen Grundstoffen herum, bis er eine Zusammensetzung austüftelt, die seine Kette deutlich leiser und länger laufen lässt. Er stellt das Produkt Freunden zur Verfügung, die begeistert sind. Erst später denkt er an Verkauf. Für Czech, der 1951 in Siegburg den Motorradführerschein macht, ist „Motorradfahren das Höchste, was es auf Gottes Erdboden gibt“. Der Virus packt ihn während der Feinmechanikerlehre, und er baut sich aus Schrottteilen, einem 160-Kubikzentimeter-Pumpenmotor, Hurth-Getriebe und Trapezgabel sein erstes Motorrad zusammen. 1954 folgt eine Triumph Cornet mit Zweitakt-Doppelkolbenmotor.

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Kündigt und baut 2 Motorrad-Geschäfte auf

Anschließend kauft, fährt und optimiert Heinz Gerd Czech unzählige Bikes von BMW bis Yamaha. Er kündigt seine Stelle als Maschinenbau-Ingenieur und baut zwei Motorrad-Fachgeschäfte auf. Eines in seiner Heimatstadt Neuss, ein weiteres in Weidenburg bei Bayreuth, „weil da die tollen Motorradstrecken vor der Haustür liegen“. Als einer der Ersten in Deutschland wird Czech Fachhändler für Honda, Kawasaki, Suzuki, Yamaha und Moto Guzzi. Er verkauft erfolgreich, prägt die aufstrebende Motorrad-Szene mit Ideen und bringt von etlichen Trial- und Geländesport-Wettbewerben Pokale mit nach Hause.

Doch sein wahres Zuhause liegt auf dem Motorrad, wovon auch Czechs jüngste Tochter Dorothee ein Lied singen kann: „Wir haben unseren Vater kaum gesehen, ständig war er mit dem Motorrad unterwegs.“ Und so kommen in 62 Jahren fast drei Millionen Motorrad-Kilometer zusammen. Er fährt 37-mal nach Afrika und lässt weltweit auch sonst kaum ein attraktives Ziel aus. Bis dato habe er keinen einzigen ernsthaften Unfall gehabt, beteuert Czech. Und weil er seine zahlreichen Motorräder penibel einfährt, halten sie auch. Eine Suzuki GS 1000 E bringt es auf 332.000 Kilometer. Als er in höherem Alter nach unzähligen Boliden aller Marken und Gattungen erneut die leichteren Maschinen für sich entdeckt, fährt er auf drei Suzuki DR 400 SM mal eben 145.000 Kilometer zusammen.

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Nichts wird dem Zufall überlassen

Czech ist rund um das Motorrad absoluter Perfektionist. Nichts wird dem Zufall überlassen, alles muss passen bis ins kleinste Detail. Seine Suzuki Hayabusa optimiert er für die Langstrecke mit geänderten Fußrasten, höherem Lenker und modifizierter Scheibe. Nicht unerwähnt bleiben soll der „Vollblickrückspiegel“, den er ohne kommerziellen Gedanken auch anderen Motorradfahrern anbietet. Selbstverständlich überlässt Czech auch beim Fahren nichts dem Zufall und entwickelt im Sinne der ­Sicherheit spezielle Kurven- wie Blickführungstechniken.

Die Liebe zu Motorrädern brennt wie eh und je. Bis vor Kurzem ist der rüstige Senior den Nürburgring noch in unter neun Minuten gefahren. Und HKS? Mittlerweile gibt es eine ganze Produktpalette, die über mehr als 1000 Fachhändler vertrieben wird. Über die Jahre hinweg hat er HKS an moderne Hochleistungsketten angepasst. Das komplett synthetische Mittel baut eine dicke Schmierfilm-Schicht auf, die das Ketten-Innenleben für 2500 Kilometer versiegelt. Heute sind in HKS 23 Grundstoffe enthalten, deren genaue Zusammenstellung geheim ist. Erzählt Tochter Dorothee, die sich seit vielen Jahren um PR und Vertrieb kümmert. Vater Heinz Gerd wurde im April 83 Jahre alt. Und hat ein neues Lieblingsmotorrad: die Yamaha MT-07. Kräftig, flink und leicht. Denn die Dickste muss es schon lange nicht mehr sein. Infos: www.hks-czech.de

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