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Porträt US-Sammler Fred Mork Mork vom Ork

Fred Mork kommt zwar nicht vom Planeten Ork aus der beliebten TV-Serie. Doch seine rein private Motorrad-Kollektion ist durchaus überirdisch. Geradezu galaktisch wirkt seine Sammlung seltener europäischer (Gelände-) Maschinen mitten in Kalifornien. Nano-Nano!

Die Farm in den Hügeln nörd­lich von San Francisco erinnert irgendwie an Schweden. „Hi, ich bin Fred“, begrüßt mich der Besitzer der Farm. Er führt mich zu einer langen Scheune im typisch skan­dinavischen Falun-Rot mit weißen Fenster­läden. Dort erwarten mich 115 Motorräder mit Flair und Charisma. Echte Zweirad-Persönlichkeiten, gut gehütet von einem wahren Motorrad-Enthusiasten.

Wir stehen vor einer Norton Manx, in klassischem Silber-Schwarz. Und modernem Digital-Instrument neben dem Smiths-Drehzahlmesser. „Damit fuhr ich beim letzten AHRMA-Rennen.” Das steht für American Historic ­Racing Motorcycle Association, eine Non-Profit-Organisation mit rund 4000 Mitgliedern. Hier startet der 69-Jährige bei ­Straßenrennen („Road Racing“) sowie Trial und Motocross. Fred fährt seit 1981 Classic-Rennen, er ist eine große Nummer in der US-­Vintage-Szene. Klar, als Mitglied im Velo­cette Owners Club, außerdem war er ab 1988 für 15 Jahre einer der AHRMA-Vorsitzenden.

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Zusammenarbeit mit dem zweimaligen Weltmeister Jeff Smith

„In dieser Zeit“ freut sich Fred, „durfte ich mit dem zweimaligen Weltmeister Jeff Smith zusammenarbeiten.“ Zwei von Freds Motorrädern gehörten einst dem Champion, Ehren­sache. Fred öffnet die Tür zur Schatzkammer seiner Ranch. Sortiert nach Motorrad-Nationen stehen die Maschinen versammelt: England, Italien, USA, Kanada, CSSR, Schweden, Japan, Spanien und Deutschland.

Die Wände sind geschmückt mit Schnittzeichnungen klassischer englischer Motoren, antiken Blech/Emaille-Schildern, historischen (Renn-) Fotos, Werbeplakaten, Startnummern­feldern, Kennzeichen und Gemälden von Motorrädern in Öl. In Glasvitrinen stehen Spiel­zeugmotorräder und rare Sammlermodelle. Darüber stapeln sich Modellbausätze, Bücher, Zeitschriften jahrgangsweise ab 1942 und alte Bedienungsanleitungen.

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Was für eine Vielfalt an Motorrädern!

Ob 175er-Yamaha Trial oder 350er-Ariel Red Hunter, Sechsgang-Bultaco oder Honda CB 750 F, Suzuki RM 125 oder Maico MC 350 aus West- und GS-MZ aus Ost-Deutschland: Hier zelebriert Fred ein Fest des Motorrads! Ein Potpourri klassischer Serienmotorräder und Straßenrennmaschinen. Den Schwerpunkt bilden jedoch historische Geländemaschinen: Speedway, Flat Tracker, Scrambler, Enduros und Motocrosser. Alle fein säuber­lich in zwei gegenüberliegenden Reihen präsentiert und fast immer fahrbereit. Ehe­malige Arbeitsgeräte von Kennern und Könnern. „Geländesport ist härter als Straßenrennsport“, weiß Fred.

Beeindruckend der WM-Werks-Crosser von Monark, Schwedens größtem Mo­tor­radhersteller der 50er-Jahre. Es ist einer von nur zwei gebauten, standesgemäß in den Nationalfarben Blau und Gelb lackiert. „Er war mit dem Motor von Hedlund Monarks einziger Viertakter nach dem Zweiten Weltkrieg. Sten Lundin fuhr damit für Monark, wurde 1959 auf einer verbesserten Version Motocross-Weltmeister“, erklärt Fred. Daneben parkt eine Lito, ein weiterer schwedischer Werks-Crosser: „Darauf wurde Gunnar Johansson Zweiter der WM 1962, als schwedische Fahrer die ersten fünf Plätze holten!“

Foto: Schmieder
Eines von nur zwei ­Exemplaren: 500er-Viertakt-Motocrosser von Monark für Sten Lundin (Schweden, 1955/56).
Eines von nur zwei ­Exemplaren: 500er-Viertakt-Motocrosser von Monark für Sten Lundin (Schweden, 1955/56).

Sein Faible für Skandinavien kommt nicht von ungefähr: Die Familie von Freds Vater stammt aus Finnland, der Name Mork ist allerdings schwedischen Ursprungs, „mörk“ bedeutet dunkel. Fred begann 1958 als Zwölfjähriger (!) schwarz Motorräder zu fahren und an ihnen zu schrauben: „Ein Freund und ich pflanzten einen seitengesteuerten 500er-Powell-Motor mit Zweiganggetriebe in einen 125er-James-Rahmen.“ Später fuhr Fred auf einer 200er-Zündapp Comfort zur High School. Das erste Rennen, im Gelände, fuhr er 1964. Seine Sammlung ergab sich ungeplant, step by step. „Irgendwie fanden die richtigen Maschinen immer den Weg zu mir.“ 

Mister Mork mag Motorräder mit bekannter Herkunft und konkreter Rennhistorie. „Alle meine Motorräder haben eine Geschichte.“ Dick Mann, Jeff Smith, Roger Reiman, Joe Leonard, John Brittain, Alis-tair King, Eric Cheney und Sten Lundin sind einige Ex-Fahrer der Mork’schen Maschinen. Den Crosser auf Basis einer Norton Manx „hat der britische Geländefahrer Les Archer jr. gebaut und gefahren. Der Six-Days-Teilnehmer und EM-Motocross-Champion hat sie sogar bei einem Motocross-WM-Lauf eingesetzt!“ So etwas freut Freds Sammlerherz.

Fred ist ein wandelndes Lexikon

Ein Highlight seiner Straßenrenner ist die Matchless G 50 in Bordeaux-Rot. Damit wurde die US-Rennlegende Dick Mann (geboren 1934) in der Saison 1963 US-Meister. „Sie war schön und schnell, gewann bis 1965 sieben nationale AMA-Rennen.“ Fred ist ein wandelndes Lexikon: „Dick Mann holte acht seiner 24 AMA-Siege auf Matchless.“ Die 50 PS der G 50 hatten mit 150 Kilogramm Fahrzeuggewicht leichtes Spiel: „Die ging 135 ­Meilen.“ Das sind 217 km/h! Auch Fred ist Rennen mit der Matchless gefahren, mit seiner Startnummer 91.

Matchless hat zwischen 1958 und 1962 nur 180 Exemplare von der G 50 gebaut. Dick Mann verkaufte sein Ersthand-Exemplar mit der Motornummer 102 im Jahr 1989 an seinen Freund Fred Mork. „Da waren noch alle Teile vorhanden, ich musste sie nur ein wenig umbauen und restaurieren.“ Neben ihr parkt eine eng verwandte AJS 7 R „Boy Racer“ von Alistair King: klassisch schwarz mit goldenen Zierstreifen auf dem Tank. Ihr langhubiger 350er-ohc-Einzylinder drückte satte 38 PS bei 7200 Touren ab.

BSA Gold Star 500 ebenfalls von Dick Mann

Aus dem Besitz von Dick Mann stammt ebenfalls die BSA Gold Star 500. „Der Flat  Tracker hat von 1957 bis 1967 viele nationale Meisterschaftsläufe gewonnen.“ Das Exemplar mit Motornummer 123 und originalem BSA-Flat Track-Rahmen ziert ein Fiberglas-Tank von George Curtis und viele Magnesiumsteile. Zu den Glanzstücken in Freds Sammlung zählt die preisgekrönte Royal Enfield K1 mit 976-Kubik-V2 von 1930. „Die Erstzulassung in England war aber erst 1934.“ „Heutiges Öl ist zu dünnflüssig fürs Getriebe, es sollte mehr Schmier­fett enthalten“, entschuldigt Fred die kleine Ölpfütze darunter. Er mag „cleane“, clevere Konstruktionen. Und Motor­räder aus Europa: „Die Maschinen meiner Jugend.“

Beispielsweise die Moto Parilla Wildcat Scrambler: “Ich erstand dieses Modell 1963 und hatte viele Renn­erfolge damit.“ Mister Mork hat eine Schwäche für die kleinen Italienerinnen, denn er besitzt noch vier weitere Moto Parilla: eine restaurierte 250er-Tourist von 1964 und eine bildschöne Grand Sport Café Special 250, eben­falls aus den 60ern. Ferner eine 175er-Grand Sport von 1959 und eine 250er-Grand Sport von 1963, beide im Originalzustand. Was Freds Privat-Kollektion von öffentlichen Motorradmuseen unterscheidet, sind die dürftigen, handgeschriebenen Erläuterungen. Und die nur bei den wichtigsten Bikes. Fred und seine Besucher wissen eben, was er da hat.

Foto: Schmieder
Von nichts kommt nichts: reicher Fundus an Federbeinen, Rahmen, Rädern, Motoren, Tanks und vielen ...
Von nichts kommt nichts: reicher Fundus an Federbeinen, Rahmen, Rädern, Motoren, Tanks und vielen ...

In der Werkstatt erblicke ich eine Sand­strahlmaschine und haufenweise Ersatzteile: Motorgehäuse, Kolben, Zylinder, Kupplungspakete, Getrieberäder – alles sortiert nach Herstellern und Modellen. So manches Kleinod harrt in Pappkartons oder metallenen Schubladen seiner Bestimmung. Der gelernte Blechschlosser mit eigenem Betrieb für Heizungs- und Lüftungsbau kann flexen, bohren und schweißen. Er fräst Gabelbrücken, dreht Achsen und lötet Schutzblechhalter. Selbst die Hüllrohre der berühmten Roadholder-Gabel von Norton fertigte er schon mal selbst an. Nur das Honen von Zylindern, Lackarbeiten oder andere „knifflige Dinge“ überlässt er Spezialisten.

„Manche meiner Motorräder habe ich restauriert gekauft, bei anderen musste ich eben selber ran“, erklärt Fred lapidar. „Die meisten meiner Maschinen sind nicht überrestauriert – sie sind nur so gut, wie sie sein müssen. Ich baue gerne Motor­räder wieder komplett auf: Wenn sie danach richtig gut fahren, dann hat das eine Art von Wiederbelebung.“ So geschehen mit der 1967er-Harley-Davidson KR 750 TT in den Werksfarben Schwarz-Orange. „Sie schaffte 1967 auf der TT einen Schnitt von 100 Meilen pro Stunde, lief später in Daytona gestoppte 149,9 Meilen pro Stunde!“ Wow, das sind 241 km/h!

Schnell noch die Treppe hoch!

In der ersten Etage zeigt mir Fred Mork weitere Teile in rauen Mengen. Dazwischen wartet ein BSA Scrambler als „Rolling Chassis“ auf die Restaurierung. Daneben drei Can Am-Zweitakter: ein Crosser, ein Straßenumbau und ein „Wald- und Wiesen-Bike“. Nicht zu vergessen die Rahmen-Kollektion von Aermacchi, Harley-Davidson, Velocette und Moto Parilla. „Wenn ich mal etwas brauche, dann weiß ich, wo ich es finde.“ 

Das wissen auch andere zu schätzen, denn nach meinem Besuch hat sich Fred im Januar 2015 von einigen seiner Kostbarkeiten getrennt. Bei der Bonhams-Auktion in Las Vegas kamen 21 seiner Motorräder unter den Hammer, zwölf davon fanden neue Besitzer. Darunter auch die Ex-Dick Mann-Matchless G 50, die für 115000 Dollar wegging. Kein Schnäppchen war auch die Excelsior-Henderson Super X von 1928 mit nur 4400 Meilen auf dem Tacho, die einem Käufer nach hartem Bieter-Wettstreit 89700 Dollar wert war. Fred hatte die Excelsior einst „authentisch, unrestauriert“ von der Witwe des langjährigen Besitzers gekauft: „Die Super X war eine echte Überlebende – an ihr war nicht viel zu machen.“

Will heißen: „Säubern, alles ölen und die Mechanik durchchecken. Dann noch den Magnetzünder wieder aufbauen und Replika-Reifen aufziehen, fertig.“ Nur 100 Meilen fuhr Fred selbst auf dem recht leichten Blockmotor-V-Twin mit 737 cm³. Reut ihn nicht der Verkauf? „Nein“, antwortet Fred, „wir alle sind nur vorüber­gehende Besitzer oder Hüter solcher Maschinen. Mir ging einfach der Platz aus. Da war es an der Zeit, sie an ein neues Zuhause weiterzugeben.“ Fred Mork bleiben ja noch 95 Motorräder. Er widmet sich nun verstärkt dem Kern seiner Sammlung. Er hat noch immer Benzin im Blut. Viel Spaß mit deinen Off-Roadern und Klassikern, Mork vom Ork!

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