Vorstellung: Projektbike Starbridge-Racer Viel hilft viel

Elf Mann aus Hamburg und eine Idee: ein sagenhaftes Motorrad aufbauen und es dann für einen guten Zweck versteigern. Zugunsten des Kinderhospizes Sternenbrücke e. V., wo unheilbar kranke Kinder auf ihrem Weg aus dem Leben begleitet werden. Bei diesem Thema durfte es nicht irgendein Motorrad werden, sondern eines, das Herzen gewinnt. Und am Ende auch ein Rennen.

Andreas Mecke aus Hamburg ist ein Star-Mechaniker und begnadeter Tuner. Freunde behaupten, es sei seine Berufung, kranken oder lahmenden Motorrädern zu helfen. Ein Mann, der für die Schrauberei lebt: tagsüber seinem Arbeitgeber Triumph Hamburg Nord die Hände leiht und nach Feierabend einfach weitermacht. Immer weiter. Vielleicht, weil sein innerer Antrieb so stark ist. Vielleicht, weil ihn Schrauben verdammt glücklich macht. Und da er so glücklich ist, wollte er anderen mit seiner Arbeit helfen, die weniger Glück im Leben haben.

Die Idee kam aus dem Triumph-Thruxton-Forum: ein cooles, wertiges Custombike auf Basis eines Retro-Twins bauen, das es nicht nur optisch mit der Konkurrenz aufnehmen kann, sondern auch beim Sprintrennen einen ordentlichen Eindruck hinterlässt. Und es anschließend für einen guten Zweck versteigern. Dieser ist schnell umrissen: Das Geld aus der Aktion soll dem Kinderhospiz Sternenbrücke in Hamburg zugeführt werden. Dort werden unheilbar kranke Kinder und Jugendliche in den letzten Wochen ihres Lebens in den Tod begleitet. So stand auch der Name des Projektbikes fest: Starbridge-Racer.

Vergangenen Winter fanden sich sofort zehn Mitstreiter aus dem Thruxton-Forum, die fortan jeden Mittwochabend Andreas Meckes „Labor“ bei seinem Arbeitgeber Triumph Hamburg zu ihrem ersten Wohnsitz machten. Die Basis des Starbridge-Racers war schnell gefunden: eine Bonneville T100, Baujahr 2008, mit leichtem Unfallschaden. Aus ganz Deutschland trudelte Unterstützung ein: mal zehn Euro, mal 1000 Euro, mal ein Teil, mal eine Anfertigung – viele wollten helfen. Aber nicht nur Forumsmitglieder wurden aktiv, auch einige Firmen beteiligten sich spontan.

Gegen Ende 2013 startet man mit dem betreuten Schrauben unter Andreas Meckes Anleitung. Alles nur nach Feierabend, rein privat, keine Marketing-Aktion oder Ähnliches. Bei jedem Handgriff hatte die Schrauber-Crew immer nur ein Ziel vor Augen: Lasst es uns noch besser machen, noch feiner, noch schöner als alle anderen – einfach perfekt, damit so viel Geld wie möglich für die Sternenbrücke zusammenkommt. Der Starbridge-Racer sollte der schnellste und beste Twin werden, den man ohne (sinnlos teure) Hubraumerweiterung bauen kann.

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Größter Auftritt steht noch bevor

Der beste wurde er bereits: Bei den Tridays in Österreich belegte der Starbridge-Racer den ersten Platz im Custom-Contest. Ein glorreicher Erfolg. Und ein berechtigter. Denn der Racer kann sich durchaus sehen lassen. Doch ist er auch der schnellste? Für fast 100 PS ohne Hubraumerweiterung muss man sich bei dem luftgekühlten Twin ganz schön ins Zeug legen. Und das hat die Hamburger Elf getan: An Ein- und Auslass wurden je eine Einlass-Nockenwelle einer 790-cm³-Bonneville verbaut, die Ventile wur­den zwei Millimeter größer gewählt, Quetschkanten entfernt und poliert. Die Verdichtung wurde auf 10 :1 erhöht, der Auslass geglättet und poliert, der Drosselklappendurchmesser auf 39 Millimeter vergrößert, offene Alu-Ansaugtrichter verbaut. Das Mapping wurde selbst programmiert, Schwungmassen wurden reduziert, und letztlich kam das Herzstück des Tunings: die in vielen, vielen Nachtschichten und Wochenenden gereifte Erkenntnis, dass der Einlasskanal dieses Triumph-Motors erst mal zugegossen werden muss, um ihn danach in anderer Form wieder neu zu fräsen und zu glätten.

Mit derselben Akribie nahm sich die Truppe des Fahrwerks an: Hinten bügeln eigens dafür von YSS produzierte Dämpfer alles glatt. Vorne gewinnt eine gekürzte Upside-down-Gabel aus einer Tiger 1050 den Kampf gegen die Verfehlungen des Straßenbauamtes. „Achtmal hab ich das Ding auseinander gehabt, bis die Abstimmung perfekt war“, erinnert sich Andreas Mecke. Perfekt bedeutet in diesem Fall: um 69 Millimeter gekürzt, mit gekürzten Gabelfedern und Distanzhülsen sowie angepassten Shim-Paketen plus 20er-Öl mit exakter Füllhöhe. Daran geschraubt eine 320-Millimeter-Beringer-Bremsscheibe mit Tokico-Vier-Kolben-Bremssattel und Lucas-Rennsportbelägen.

Seinen größten Auftritt hat der Starbridge-Racer erst noch vor sich: Was das Geschoss wirklich kann, wird sich beim Sprint über die Achtelmeile am 6. September beim Glemseck 101-Treffen zeigen. Dort wird der Renner mit Pilot Yannik Schenk hoffentlich ganz weit vorne landen. Hoffentlich. Denn: Sieger sind beliebter. Und direkt nach dem Rennen startet noch am 6. September die Ebay-Auktion, sodass der Starbridge-Racer nicht nur elf zu guten Freunden gewordenen Enthusiasten Freude macht, sondern sein eigentliches Ziel erreichen kann: Kindern die letzten Tage ihres kurzen Lebens zu verschönern.

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Das Spendenziel: Sternbrücke e.V.

Das Kinderhospiz Sternenbrücke e. V. ist eine Einrichtung zur Unterbringung und Pflege von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die wegen der besonderen Schwere ihrer Krankheit stark pflegebedürftig und ohne Hoffnung auf Heilung sind und zum Teil nur noch eine geringe Lebenserwartung haben. Die Pflege und Begleitung des Erkrankten und seiner Familie kostet im Schnitt 892 Euro pro Tag. Die Kranken- und Pflegekassen übernehmen davon nur 50 Prozent. Die meis­ten betroffenen Familien können die Kos­ten nicht aus eigenen Mitteln tragen. Das Kinderhospiz möchte jedoch allen Betroffenen – unabhängig von ihrer finanziellen Situation – offen stehen und ist somit auf Spenden angewiesen. Der jährliche Spendenbedarf der Hamburger Einrichtung beträgt zurzeit 1,75 Millionen Euro.

Für alle, die sich keine Chance bei der Versteigerung ausrechnen, aber trotzdem gerade die Spendierhosen frisch aus der Reinigung geholt haben: Spendenkonto und weitere Infos im Internet unter
www.sternenbruecke.de

Technische Daten der Triumph Bonneville Starbridge-Racer

Motor
Luftgekühlter Viertakt-Zweizylinder-Motor, schwungmassenerleichtert, Hub­raum: 865 cm³, Leistung: 95 PS, Drehmoment 97 Nm, Verdichtung 10:1, neu gefräster Einlass­ka­nal, geänderte Nockenwellen, größere Ventile, elektronische Benzineinspritzung, Dros­sel­klap­­pen-Durchmesser 39 mm, offene Trichter, Fünfganggetriebe mit Schaltautomat.

Fahrwerk
Stahlrohr-Schleifenrahmen gekürzt und verstärkt. Geänderte Upside-­down-Gabel aus der Tiger 1050, YSS-Stoßdämpfer (Sonderanfertigung), Räder: vorn Thruxton-Alu-Speichenrad mit erleichterter Nabe, hinten Felge 4.25 x 17, Bereifung vorn 110/80 ZR 18, hinten 150/70 ZR 17 mit Pirelli Angel GT, Beringer-Scheibenbremse, Ø 320 mm, Tokico-Vierkolbensattel vorn, hinten Serie, Tank­inhalt 16 Liter, Gewicht 204 Kilo.

Sonstiges
Tarozzi-Fußrastenanlage, Zwei-in-eins-Auspuff von ZARD, Sekundärübersetzung 45/18, Motogadget-Tacho, LSL-Stummel, selbst gefertigter Instrumententräger, handpolierte Rizoma-Hebel, geänderte Gabelbrücke, Brems-/Rücklicht im Rahmen integriert, Eigenbau-Sitzbank mit Karbon-Unterplatte.

Preis: Das Motorrad wird ab 6. September 2014 auf Ebay versteigert. Wer den Aufbau des Starbridge-Racers im Detail nachlesen möchte: www.thruxtonforumsbike.blogspot.de
Café Racer-Treffen und Rennen Glems­eck 101: www.glemseck101.de

Ohne Hilfe keine Hilfe

Neben Andreas Mecke und den Thruxton-Forum-Mitgliedern Thomas Wagner, Heiko Waschkau, Andreas Nusseck, Bernd Krause, Stefan Ziegler, Jürgen Gehr, Thomas Hartkopf, Rene Sambale, Olaf Zuther und Michael Beyer unterstützten auch einige Firmen unentgeltlich und unbürokratisch das Projekt: Classicbike Raisch spendierte Instrumente, Ventile und auch noch eine große Barsumme, die Firma Schweinfest übernahm gratis die Bearbeitung des Kopfes und der Einspritzanlage, die Sattlerei Kinzlin steuerte die Handmade-Sitzbank bei, Michael Schönen alias Lackmuss übernahm die Gestaltung des Lacksatzes, die Lackiererei Lippert brach­te den Rahmen in Farbe. Die Auspuff­anlage, 500 Würstchen und eine Geldspende sind von einem der Schraubenden, der lieber als stiller Spender auftreten will. Trotzdem wäre natürlich gar nichts vorangegangen, hätte nicht Triumph Hamburg alle weiteren Teile zum Einkaufspreis und natürlich die Räumlichkeiten bereitgestellt. Und letztlich haben sie ja auch ihren besten Mann spendiert.

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