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PS - Das Sportmotorrad Magazin unterwegs mit Lesern Hausstrecke im Allgäu

Diese PS-Hausstrecke führt durchs malerische Oberbayern über die deutsch/österreichische Grenze in die herrliche Bergwelt Tirols. Kurvenrausch garantiert. Dazu liefert unser weiblicher Tour-Guide einige erstaunliche Storys.

"Als ich 14 war, nahm mich ein Typ auf seiner Maschine mit. Wir brausten mit 200 Sachen über die Autobahn. Er mit Helm, ich ohne", berichtet PS-Leserin Sabine Schenk. Für sie war das ein Schlüsselerlebnis: „Seitdem wusste ich, dass ich später selbst einmal Motorrad fahren werde“. Das war in den wilden Siebzigern. Wer nun denkt, die Frau sei ein bisschen gaga, sei eines Besseren belehrt. Die achtfache Mutter und fünffache Oma – „haben die keinen Fernseher zu Hause?“, staunt eine PS-Kollegin – ist recht bodenständig. Zumindest, wenn sie nicht gerade auf einem Bike unterwegs ist.

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Onboard Oberbayern

Sabine Schenk war unser Hausstrecken-Guide, ihr Motorrad eine Bimota DB9 Brivido.
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Bimota DB9 Brivido bis jetzt problemlos

Motorräder hat die mittlerweile 54-Jährige reichlich. Gemeinsam mit ihrem ebenfalls vom Biker-Virus befallenen Lebenspartner Jürgen führt sie einen stolzen Fuhrpark von neun Maschinen. Alle ohne Vollverkleidung, die meisten nur wenige Jahre alt: zwei Bimotas, eine MV Agusta, eine Aprilia, eine Benelli und eine BMW. Man gönnt sich ja sonst nichts. Japaner? Zwar fristet in der Garage eine ältere, zum Streetfighter umgebaute Suzuki Bandit ihr Dasein. Außerdem stehen irgendwo noch zwei Enduros von Yamaha. Doch für die zahlreichen Tagestouren kommen nur die Europäer zum Einsatz – heute die Bimota DB9 Brivido.

Gemeinsam mit unserer Suzuki GSX-R 1000 geht’s vom Örtchen Ried bei Kochel am See in Oberbayern über ein paar Dörfer Richtung Ohlstadt. Von da führt die Bundesstraße 2 nach Oberau, wo wir erst mal im Stau stehen. „Ein Nadelöhr, vor allem an Wochenenden oder Feiertagen wie heute ist hier viel los. Leider gibt’s keine Ausweichroute“, erklärt Sabine. Ab Oberau verläuft die B 23 Richtung Ettal, wo Fans barocker Baukunst bei der bekannten Benediktinerabtei auf ihre Kosten kommen. Wir verzichten aufs Sightseeing und ziehen auf einem kurvenreichen und von viel Grün gesäumten Sträßchen weiter Richtung Plansee. Fast unbemerkt haben wir mittlerweile die Grenze nach Österreich passiert. Ganz wilde Jungs und Mädels sollten bei unseren alpenländischen Freunden auf der Hut sein. Die Gendarmen dort sind streng, die Speed-Tickets teuer. Und man muss einen Verbandskasten mitführen. Wer ohne erwischt wird, zahlt unter Umständen.

Der von mächtigen Bergen umgebene See ist ein beliebter Motorrad-Treff, auch heute füllen wieder jede Menge Bikes den Parkplatz. Mit der Bimota steht Sabine sofort im Mittelpunkt: „Bist du zufrieden? Was kostet die? Ist sie zuverlässig?“ „Ja, sehr zufrieden. Zweiundzwanzig, habe sie günstiger bekommen. Ja, bis jetzt läuft sie völlig problemlos.“

Mit 48 Lenzen erst den Führerschein gemacht

Aufsatteln und weiter nach Reutte. Von dort aus brausen wir auf der B 179 Richtung Süden nach Bichlbach, wo die L 21 rechts ins Namloser Tal abzweigt. Für jemand, der erst mit 48 Lenzen den Führerschein gemacht hat, lässt es die gebürtige Berlinerin ordentlich laufen. „Eigentlich wollte ich ja schon viel früher Motorrad fahren, doch dann kamen die Kinder dazwischen.“ Offensichtlich kostet sie heute ihre Leidenschaft umso mehr aus.

Längst ist das Namloser Tal kein Geheimtipp für Motorradler mehr. Besonders bei schönem Wetter an Wochenenden und Feiertagen tummeln sich auf der kurvenreichen und landschaftlich sehr reizvollen Strecke viele Artgenossen. Wir durchfahren das Tal zweimal, die Kamera des PS-Fotografen glüht: klack, klack, klack. Dann ist eine Pause fällig. Auch dafür sind wir hier goldrichtig, häufig laden freundliche Schilder „Bikers welcome“ zur wohlverdienten Rast.

Mittlerweile ist es spät geworden. Zeit, wieder zurück nach Ried zu düsen. Die Route: Auf der B 179 Richtung Lermoos, dann nach Garmisch-Partenkirchen und auf der wunderbar gewundenen Straße vorbei am prächtigen Walchensee zu einem weiteren Highlight der Tour, dem Kesselberg. Die ehemalige Bergrennstrecke verbindet den Walchen- mit dem Kochelsee. Leider ist sie an Wochenenden und Feiertagen für Bikes nur von der Südseite befahrbar. Unter der Woche geben sich vor allem Sportfahrer auf der auf 60 km/h begrenzten Strecke die Kante, Crashs nicht ausgeschlossen. Entsprechend häufig lauern hier Sheriffs – Obacht! Heute ist keine Race-Control in Sicht, der lästige Blick auf den Tacho entfällt. Zu Hause in Ried steigt Sabine von ihrer Maschine und kehrt wieder in die Rolle der Mutter und Hausfrau zurück. Und ist plötzlich wieder ganz bodenständig.

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