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Sind Sturzpads in jedem Fall sinnvoll?

PS-Leserfrage zur Motorrad-Technik Sind Sturzpads in jedem Fall sinnvoll?

Johannes Hanfland möchte vom PS-Team wissen, ob Sturzpads in jedem Fall sinnvoll sind? Oder können diese die Folgen eines Sturzes sogar noch verschlimmern? Schützt die Verkleidung alleine Rahmen und Motor sogar besser? PS-Technik-Versteher Werner "Mini" Koch liefert die Antworten.

Hallo PS-Team, sind Sturzpads in jedem Fall sinnvoll? Oder können diese die Folgen eines Sturzes sogar noch verschlimmern? Schützt die Verkleidung alleine Rahmen und Motor sogar besser? Johannes Hanfland

 

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PS-Antwort:

Tatsächlich können Sturzprotektoren massive Schäden anrichten, wenn sie zu starr am Rahmen oder Motor angeschraubt sind. Nicht selten haben solche Konstruktionen den Rahmen mitsamt Motorgehäuse irreparabel zerstört. Die früher oftmals selbst gebastelten Protektoren aus massivem Kunststoff-Rundmaterial wurden an den Motorbolzen verschraubt und ragten weit über die Silhouette des Motorrads hinaus. Solange das dann auf dem Asphalt entlang rutschte, richteten auch solche Protektoren wenig Schaden an. Verhakte sich jedoch der Kunststoffzylinder in den Curbs oder Wasserablaufrinnen, knackte der lange Hebelarm die rahmenfeste Verschraubung mitsamt dem dahinterliegenden Motorgehäuse.

Deshalb sollten Protektoren immer so dicht als möglich am Motorgehäuse oder Rahmen montiert sein. Grundsätzlich ist von Zubehör-Bauteilen abzuraten, die direkt am Motorbolzen mit langen Metallhülsen und weit abstehenden Kunststoffkappen über die Verkleidung ragen. Was auf den ersten Blick so aussieht, als ob diese ausladende Konstruktion tatsächlich die Verkleidungsseitenteile schützt, kann schon bei einem lässigen Umfaller einen teuren Schaden anrichten.

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Stoßdämpfer aus elastischem Kunststoff

Diese fehlerhaften Konstruktionen hat man heute meist durch Protektoren ersetzt, die über einen Zwischenadapter oder eine flexible Grundplatte verschraubt sind. So besteht die Möglichkeit, dass sich diese Zwischenplatten unter der Aufprallwucht verbiegen und die eingeleitete Energie vernichten.

Einige Hersteller verbauen zwischen Verschraubung und Kunststoff-Protektor eine Art Stoßdämpfer aus weichem, elastischem Kunststoff, der den Aufprall abdämpfen kann. Allerdings geht der Trend derzeit auch zu eleganten, aber nicht immer sinnvollen rechteckigen Protektoren mit ausgeprägten Kanten. Schliddert das Motorrad in dem dafür vorgesehenen Winkel schön in Fahrtrichtung geradeaus, funktioniert dieses Design. Dreht sich das Motorrad aber quer zur Flugbahn – was ja in der Praxis nicht ganz unwahrscheinlich ist –, können die Kanten einhaken und über die Verschraubungspunkte Motor oder Rahmen beschädigen. Deshalb sind runde, kantenfreie und pilzförmige Schutzkappen die sinnvollere, wenn auch optisch nicht gerade elegantere Lösung.

Runde, kantenfreie und pilzförmige Schutzkappen sind sinnvoll

Um die Verkleidung bei einem Sturz tatsächlich vor Bodenkontakt zu schützen, müssen mindestens drei Kontaktpunkte über die Verkleidungsfläche hinausragen. Einer davon ist in den meisten Fällen ein Lenkerende, das mit elastisch eingesetzten Stahl- oder Kunststoff-Pfropfen den Aufprall dämpft und das einen ausreichenden Abstand zum Asphalt herstellt.

An der Schwinge und an der Gabel schützen die an der Verlängerung der Achsen verschraubten Protektoren vor hässlichen Schleifspuren oder auch irreparablen Schäden an der Fahrwerksaufhängung. Durch den kurzen Hebel und die relativ große Auflagefläche richten solche Bauteile auch dann keinen Schaden an, wenn sie sich in der Straßenoberfläche verhaken.

Schwinge vor Dellen und Macken schützen

Bedingt durch den weit ausladenden Brückenrahmen der meisten Vierzylindermotorräder kommt man beim regelmäßigen und ernst gemeinten Einsatz auf der Rennstrecke nicht um die Rahmenschützer aus Karbon oder Kevlar/Karbon-Mix herum. Diese Ummantelung schützt den Rahmen zwar nicht vor einer Gewalteinwirkung beim Aufprall, doch beim horizontalen Ritt durchs Kiesbett bleibt die empfindliche Oberfläche der Alurahmen vom Kiesstrahlen und kleinen Dellen verschont. Bei straßenzugelassenen Maschinen ist das schon ein Totalschaden.

Vor hässlichen Dellen und Macken sollte man auch die Schwinge schützen, indem in Höhe der Fußrasten kleine Protektoren aus Karbon, GFK oder Aluminium angebracht werden. Mit einer Schicht Silikon aufgeklebt, verhindert man, dass die beim Sturz nach innen gebogene Fußrastenplatte den Schwingenholm beschädigt. Vor allem die bildschönen, gezogenen Alublech-Konstruktionen sollte man mit solchen Abdeckungen vor einer Beschädigung und damit einem Wertverlust schützen.

Als aktive Sturzvorsorge gilt es, sämtliche Überlaufschläuche von Wasser, Öl (aus dem Luftfilterkasten) und Tank so zu verlegen, dass im Falle eines Falles die Flüssigkeiten nicht aufs Hinterrad gelangen. Leider werden viele Motorräder so ausgeliefert, dass ein ganzes Bündel an Schläuchen mittig hinter dem Motor endet. Speziell bei einem übervollen Tank ist es schnell passiert, dass sich Kraftstoff durch die Erwärmung ausdehnt und über den Überlauf den Weg ins Freie sucht. Ein Schwall Benzin raubt dem Reifen jegliche Haftung und kann selbst beim Geradeausbeschleunigen zum Sturz führen.

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