PS-Umbau: Suzuki Bandit 1200 Pimp my Bandit

Aus der Not eine Tugend machen. So lässt sich dieser Suzuki Bandit-Umbau wohl am besten umschreiben. Am Anfang war ein Sturz. Ein Zurückversetzen in den Originalzustand? Teuer, langweilig. Also lieber umbauen. Und zwar richtig. PS zieht alle sinnvollen Register und pimpt die angegraute Bandit.

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Pimp my Bandit

Kann jedem mal passieren, im Eifer des Gefechts: Ein Bremsbelag-Test stand auf dem Programm fürs Bandit-Tune-up (PS 6/2008); da darf das Vorderrad schon mal einklappen. Fahrer okay, Bandit leicht onduliert – halb so wild. Nun ja, wie man es sieht: Bei näherer Betrachtung würde die 1:1-Restaurierung der älteren Dame (Erstzulassung April 2001, 52 000 km) eine ganze Stange Geld kosten. Nicht nur in Zeiten wie diesen eine grundsätzliche Überlegung. Denn schick anzusehen war die Suzuki eigentlich nicht.

Weshalb der Entschluss zum Umbau reifte: Service-Redakteur Sebastian Lang, Organisations- und Verkaufstalent, fackelte nicht lang und fahndete nach bezahlbaren und ansehnlichen Teilen für das Projekt. Gar nicht so einfach, wirklich feine Dinge zu finden; viel Nippes im Angebot. Die Bandit ist eben so etwas wie der Golf unter den Motorrädern. Zu guter Letzt trug Kollege Lang aber natürlich einen erstaunlichen Berg frischer Komponenten zusammen. Unsere Bandit soll also schöner werden! Mit an Bord: Motorrad Beck aus Freudenstadt mit dem PS-LSL-Cheftechnikus Thomas Rothmund. Der machte sich in den letzten Jahren vor allem mit seinen erfolgreichen Rennumbauten in der nationalen Endurance-Szene einen Namen. Klar, dass einige Rennsportgene im gemeinsamen Bandit-Projekt stecken. Motorseitig blieb bis auf eine genaue Durchsicht des Vierzylinders und einen Shark-Endschalldämpfer alles beim Alten. Der drehmomentstarke Big Block bringt genug Druck fürs genüssliche Landstraßensurfen mit, zudem stünde massives Motortuning einem Hauptziel im Weg: dass der komplette Umbau auch den schärfsten Hund beim TÜV freundlich stimmt und den amtlichen Segen kriegt.

Viel Sinn hingegen machen beispielsweise der Fahrwerksumbau von HH-Race-tech und die Heckhöherlegung von Mizu, damit sich die schwere und von Hause aus etwas träge Suzuki agiler und mit mehr Reserven vorderradlastiger ins Getümmel stürzen kann. Dazu wählte PS einen hand-lingfreundlichen Sportreifen, den Michelin Pilot Power, einen allwettertauglichen Allrounder. Lucas-Bremsscheiben sorgen im Verbund mit Micron-Stahlflexleitungen für einen knackigen Druckpunkt und feine Bremsperformance, LSL-Fußrasten und ein LSL-Fat-Bar-Lenker zusätzlich für eine aktivere Sitzposition. Solides Handwerk, das der Suzuki deutlich mehr Sport einhaucht.Mehr Dynamik soll sich aber auch durch die komplett neue Optik rüberbringen, was sich vor allem durch den Wegfall (im wahrsten Sinne des Wortes) der mächtigen Halbschale und der großen Instrumente der Bandit dokumentiert. Ein Urban-Scheinwerfer-Kit von LSL und ein seitlich platziertes Acewell-Instrument wirken puristisch; die stimmigen Griffprotektoren der Yamaha MT-03 angriffslustig, gefräste Rizoma-Spiegel geben einen edlen Kontrast.
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Umbau-Maßnahmen

Der praktische, aber mächtig unsportliche Hauptständer entfiel, als Ersatz fungieren die mit feinen Kettenspannern kombinierten Montageständeraufnahmen von Gilles Tooling. Zu guter Letzt brauchte die Bandit dringend eine freundlichere Farbgebung. Schließlich ist sie inzwischen alles andere, aber keine graue Maus mehr. Schwarzmetallic (Originalzustand) ist deshalb keine Option. Mattweiß, wie die Teamfarbe von PS-LSL, soll es sein. Nicht lackiert, sondern geklebt. Thomas Wissinger (www.wissinger.org), Folienspezialist aus Glatten, einem idyllischen Kuhkaff im Schwarzwald, übernahm diesen Job. Er verwendete eine Hochleistungsfolie, die für 3D-Verklebung geeignet und thermisch formbar ist. Sehr saubere Arbeit, optisch piekfein und durch ein klassisches Gut-gegen-Böse-Thema komplettiert: Lucky Luke gegen die vier Daltons, die Reinkarnation des Bösen (die natürlich immer verliert); eine kleine Reminiszenz an die frühen 1980er, in denen der Autor lieber gut gemachte Comics als "De bello Gallico" und Co. las. Vielen Dank an den Egmont Ehapa Verlag, der die Vorlagen für die "Lucky Luke-Bandit" zum einmaligen Gebrauch freigab. Bei der Beck-Edition handelt es sich also definitiv und von Rechts wegen um ein Unikat, das in der Schwarzwälder Fachwerkstatt zu betrachten ist. Das Back Street Toy steht zum Verkauf: Interessenten mit ernsthaften Kaufabsichten schicken diese per Mail an mschroeter@motorpresse.de.
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Foto: Fact

Umbaukosten

LSL: Urban-Scheinwerfer-Kit: 299 Euro, Fat-Bar-Lenker: 89,95 Euro, Klemmbock-Kit: 79,95 Euro, Fußrastenanlage: 339 Euro

HH-Racetech: Fahrwerksumbau 525 Euro (Gabel), 325 Euro (Federbein)

Yamaha: Handprotektoren: 139 Euro

Zietech: Auspuffhalter: 24 Euro

TRW/Lucas: Alien-Bremsscheiben, vorne: 246,95 Euro/Stück, hinten: 99,95 Euro

Fechter Drive: Shark Competion DSX 3: 499 Euro, Bodystyle: Tailskirt: 129 Euro, Unterteil: 259 Euro

Team Métisse: Tankverschluss: 174 Euro.

Louis: Acewell-Instrument: 199,95 Euro

Micron: Bremsleitungskit: 105 Euro

Wissinger Design: Folienbeklebung: 400 Euro

Motorrad Beck: Umbaukosten: 1800 Euro

Rizoma: Spiegel: 129 Euro/Stück

Kellermann: Blinker 34,95 Euro/Stück

Gilles Tooling: Kettenspanner/Lifter: 183/47,50 Euro
Mizu: Heckhöherlegung: 78 Euro

W & W Cyles: Auspuffband: 99 Euro

Tuner/Erbauer: Motorrad Beck, +49(0)7441/2775,
www.motorrad-beck.de

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