Rätselraten um italienischen Rennfahrer Die Zukunft von Max Biaggi

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Was fährt Max Biaggi in der nächsten Saison? Superbike-WM oder GP1? Honda, Ducati oder Kawasaki? Diese Fragen beschäftigen die italienischen Sportblätter derzeit fast genauso wie der unverhoffte Formel-1-Titel der Scuderia Ferrari.

Für Schlagzeilen war Biaggi, in den 90er Jahren vier Mal 250er-Weltmeister und in der vergangenen Saison Dritter in der Superbike-WM, schon immer gut, sei es wegen seiner jahrelangen erbitterten Verbal-Fehde mit Superstar Valentino Rossi, wegen seiner Affären mit Sternchen aus dem italienischen Show-Business oder wegen der andauernden Streitereien mit seinem jeweiligen Team, von Aprilia über Yamaha und Honda bis hin zu Suzuki. Aktuell ist der 36-jährige Römer mal wieder ohne Vertrag, denn nach nur einem Jahr erfolgte am Wochenende die offizielle Trennung vom Suzuki-Alstare-Team in der Superbike-WM, das wegen ihm Ende 2006 sogar Ex-Weltmeister Troy Corser vor die Tür gesetzt hatte, mit dem Römer in der Folge aber nicht recht glücklich wurde und die Zusammenarbeit nun beendete.
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Biaggi gilt den meisten Teams, die mit ihm gearbeitet haben, als ausgesprochen schwierig, nie zufrieden, immer auf der Suche nach dem Haar in der Suppe. Doch genau wegen dieser kapriziösen Haltung wollen sowohl der Dorna- und damit GP1-Boss Carmelo Ezpeleta als auch die Brüder Flammini, Organisatoren der Superbike-WM, den Römer in ihren jeweiligen Rennserien. Schließlich geht es im Rennsport schon längst nicht mehr nur um gute Rundenzeiten, sondern auch um das Spektakel – und der skandalträchtige Biaggi bietet gute Chancen, die Einschaltquoten zu erhöhen.

Option Nummer 1: das Honda-Satelliten-Team von Fausto Gresini im GP1. Das Problem an der Sache besteht darin, dass Honda nach der turbulenten Trennung von Biaggi Ende 2005 deutlich gemacht hatte, dass man die Beziehungen zu dem unbequemen Störenfried als endgültig beendet betrachtete. Worauf zunächst alle japanischen Hersteller in seltener Einmütigkeit die Finger von dem Italiener ließen, der die Saison 2006 daraufhin nicht auf der Rennstrecke, sondern vor dem Fernseher verbrachte. Auch jetzt wurde Fausto Gresini, der mit Biaggi bereits Kontakt aufgenommen hatte, von Honda Japan ganz offensichtlich eingebremst. Doch noch scheint nicht alles verloren, denn die Europa-Zentrale von Honda sieht die Sache offenbar gelassener, wie Manager Carlo Fiorani in einem Fernseh-Interview erklärte: „Bei Honda HRC arbeiten inzwischen ganz andere Leute als damals bei der Trennung von Biaggi. Im Team Gresini fährt mit de Angelis im nächsten Jahr ein sehr junger Fahrer, da würde ein zweiter mit viel Erfahrung gut passen.“ Die Entscheidung, so heißt es, werde innerhalb der nächsten Wochen getroffen.

Option Nummer 2: das Kawasaki-Team im GP1. Doch da soll Biaggi bereits abgewinkt haben, denn mit der aktuellen Kawasaki hätte er kaum Chancen auf vordere Plätze.

Option Nummer 3: ein Ducati-Satelliten-Team in der Superbike-WM. Diese Möglichkeit dürfte auf die Initiative der Flammini-Brüder zurückgehen, die in der nächsten Saison bereits auf Weltmeister Toseland verzichten müssen – er wandert zu Yamaha in den GP1 ab – und nicht noch einen weiteren Top-Piloten verlieren wollen. Gerüchten zufolge mit Shimano sogar schon ein Sponsor für das neue Team gefunden worden sein.

Option Nummer 4: eine von Ten Kate technisch vorbereitete Honda in der Superbike-WM, organisatorisch jedoch von einem anderen Team betreut. Hier könnte man allerdings wiederum auf einen gewissen Unwillen von Honda Japan stoßen.

Max Biaggi selbst leistet dem Rätselraten Vorschub, denn er hüllt sich in geheimnisvolles Schweigen. So wird es wohl noch eine Weile dauern, bis Italiens neugierige Sportwelt erfährt, was der Römer plant. Dass er weiter Rennen fahren will, scheint jedoch sicher: „Ich kann locker weitermachen, bis ich 40 bin,“ verkündete er jüngst in einem Interview.

Die anderen italienischen Rennfahrer sehen die mögliche Rückkehr des 36-Jährigen in den GP1 mit gemischten Gefühlen. Während Rossi zu Protokoll gab, dass ihm Biaggi auf der Rennstrecke durchaus fehle, meinte Marco Melandri: „Biaggi wieder im MotoGP? Ich weiß nicht recht. Das klingt wie aufgewärmte Nudeln ...“

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