Report: Brennende Motorräder Was tun, wenn's brennt? - Drei Feuerfälle aus dem richtigen Leben

Wenn Sprit und Strom im Spiel sind, wird’'s brandgefährlich. Technischer Defekt, fehlerhafter Umbau, Gepäckbrand durch heißen Auspuff - drei Gründe, aus denen ein Motorrad abbrennen kann. Drei Feuerfälle aus dem richtigen Leben.

Fall 1: Anders Hammarberg mit seiner Honda Varadero

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Klar, es gibt noch andere als die oben genannten Gründe, warum ein Bike brennen kann. Einer davon heißt Versicherungsbetrug. Der allerdings dürfte bei den folgenden Fällen ganz auszuschließen sein. Denn freiwillig tut sich so ein Erlebnis keiner an.

Fall 1: Anders Hammarberg mit seiner Honda Varadero

Der Schwede Anders Hammarberg war mit seiner Honda Varadero 1000 auf Deutschland-Tour. Es war ein Freitag im -Juli. Bei Bilderbuchwetter rollte er gerade durch die Stuttgarter Innenstadt. Alles wunderbar, nur der wild hupende Lkw-Fahrer hinter ihm ging ihm auf die Nerven. Doch der Brummi-Fahrer hatte allen Grund zu hupen. Denn Anders Hammarbergs Honda brannte, Flammen züngelten an der Seite raus. Der Schwede stoppte sofort, aber alle Versuche, mit den Handschuhen das Feuer zu löschen, führten zu nichts. Außer zu Brandblasen. Also neue Strategie: Eiligst versucht der Honda-Fahrer, noch das wichtigste Hab und Gut zu retten. Es gelingt ihm, sein Navi und einen Teil seines üppig bemessenen Gepäcks in Sicherheit zu bringen.

Aus Cafés und Läden rennen Helfer herbei, aber selbst mit vier Handfeuerlöschern ist den Flammen nicht mehr beizukommen. Hitze und Qualmwolke werden immer größer und beißender, schließlich gibt der Schwede die Honda auf und flüchtet mit den Helfern in eine sichere Distanz. Mit einer beachtlichen Stichflamme verabschiedet sich der Tankinhalt, der Stahlblechtank selbst fliegt dabei etliche Meter durch die Luft. Als ein Löschzug der Feuerwehr wenig später eintrifft, steht die -Rauchsäule bereits haushoch, und von der Reiseenduro ist nur mehr ein loderndes Gerippe übrig. Der Stahlblechtank ist aufgeplatzt. Vor Ort versuchen Polizei und Feuerwehr, nach dem Löschen zu klären, wie es zu dem Brand kommen konnte. Der flüssig deutsch und englisch sprechende Schwede räumt schnell ein, dass er einen Zusatztank in einer Alu-Wanne auf dem Gepäckträger montiert hatte. Direkt über den Auspuffen. Dieser Hecktank aus Kunststoff war allerdings leer.

Dennoch sahen die Experten der Feuerwehr in ihm die Ursache für das Inferno: Offenbar war die zusätzliche Benzinleitung oder ihre Anschlusskupplung an den Benzinhahn inkontinent geworden. Sprit war aus- und nach unten gelaufen, hatte sich am glühend heißen Kat entzündet - und es war immer mehr nachgelaufen. Die Polizeibeamten befanden den Umbau jedenfalls für nicht zulassungskonform und stellten dem Schweden 100 Euro für eine Ordnungswidrigkeit in Rechnung. Die verkohlten Reste seiner Varadero hatte mittlerweile ein Bergungsfahrzeug aufgesattelt.

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Foto: Kaufmann

Fall 2: Englbert Kaufmann mit seiner MV Agusta F4

Es sollte eine klassische Sonntagstour werden, wie Englbert Kaufmann sie schon oft gemacht hatte. Es war ein sonniger Juni-Nachmittag. Der Münchner wollte nicht weit, einfach ein bisschen Fahrspaß auf seiner MV Agusta F4 genießen. Doch diesen Ausritt wird der Architekt nie vergessen. Denn er endete schon kurz nach dem Losfahren am Straßenrand unter einer schmutzig-grauen Schicht Löschschaum.

Ohne Vorwarnung hatte das Heck der fünf Jahre alten 1000er plötzlich zu brennen begonnen - einfach so, mitten unter der Fahrt, ohne dass ein äußerer Einfluss als Ursache erkennbar gewesen wäre. Englbert Kaufmann war auf der F4 Monoposto allein unterwegs - und ohne Gepäck, das am Auspuff hätte Feuer fangen können. Was dann passierte, daran erinnert er sich so: „Bei einer Ortsdurchfahrt habe ich bemerkt, dass der Motor nicht mehr richtig zieht. Es fühlte sich an, als ob der Sprit alle wäre. War er aber nicht, und auch im Cockpit sah alles normal aus. Übrigens auch die Motortemperatur“ Was er nicht ahnt: Im Heck brennt seine Italienerin bereits. Die Hitze beeinträchtigt das Steuergerät, deswegen ruckelt und zickt der Vierzylinder. „Plötzlich beginnt ein Autofahrer hinter mir wie wild zu hupen, und als ich in den Rückspiegel schaue, sehe ich die Flammen...“ Entsetzt hält Kaufmann an, stellt das Bike noch auf den Ständer und bringt sich in Sicherheit. Ein Passant zückt sein Handy, ruft die Feuerwehr. Ein anderer versucht, die schon hinter der Einzelsitzbank hervorschlagenden Flammen mit einer Decke zu ersticken. Ohne Erfolg.

„Die Kunststoffverkleidung brannte da schon lichterloh, und von unten kam ja weiter Luft ran. Ich stand daneben, sah, wie mein schönes Motorrad einfach abfackelt und fühlte mich völlig hilflos“, erzählt Kaufmann. Ein Anwohner machte dem Spuk mit einem Feuerlöscher ein Ende. Als die Feuerwehr kommt, dampft und stinkt die MV noch vor sich hin. Die Heckverkleidung ist geschmolzen und auf Reifen, Felge und Schwinge herunter- getropft. Traurig baumeln Kennzeichenhalter und die Reste der Blinker an blanken Kabeln herab. „Ich hätte heulen können, als ich mit dem Handy dann noch die Fotos gemacht habe“, erinnert sich der Münchner. Die Polizei lässt die Brandruine anschließend abtransportieren und bringt sie Kaufmann nach Hause.

Der 50-Jährige meldet den Schaden gleich am folgenden Montag seiner Kaskoversicherung. Schon am Dienstag nimmt in deren Auftrag ein Dekra-Gutachter die MV in Augenschein und stellt den wirtschaftlichen Totalschaden fest: Die Reparaturkosten würden den Wiederbeschaffungswert um fast das Doppelte übersteigen. Zur Brandursache äußert sich der Dekra-Mann im Gutachten nur vage: „Art und Umfang der Schäden lassen auf eine offene Flammbildung schließen.“ Englbert Kaufmann, dem die Versicherung kurze Zeit später den Schaden begleicht, glaubt, dass das im MV-Heck platzierte Starterrelais das Feuer ausgelöst haben könnte: „Dessen Sicherung war durch, und das Relais selbst war nicht mehr vorhanden, also komplett verbrannt. Gut möglich, dass es defekt und damit die Ursache war. Ganz klären wird sich das aber wohl nie lassen.“

In einer E-Mail schilderte Kaufmann den Fall MV Agusta. Antwort kommt keine. Auf MOTORRAD-Nachfrage stellt sich heraus, dass Kaufmanns Mail im digitalen Nirvana verglühte. Eine Stellungnahme des Herstellers steht daher noch aus.

Foto: Freiwillige Feuerwehr Aalen

Fall 3: 61-jähriger Italiener und seine BMW R 1200 GS

Es passierte am letzten Samstag im September. Mit seiner R 1200 GS und viel Gepäck fährt ein 61 Jahre alter Italiener auf der A7 zwischen Würzburg und Ulm in Richtung Süden - er ist auf dem Weg aus dem Urlaub nach Hause. Kurz hinter Aalen-Oberkochen geben Autofahrer dem Mann mit Hupe und Lichthupe hektisch Zeichen: Die GS qualmt am Heck. Als der BMW-Fahrer auf dem Seitenstreifen stoppt, ist es bereits zu spät. Die Freiwillige Feuerwehr Aalen, die mit drei Fahrzeugen und 16 Mann eintrifft, kann ein Ausbreiten der Flammen auf den vorderen Motorrad-teil zwar verhindern. Doch die Hitze hat bereits den linken Koffer zerstört und ein beinahe helmgroßes Loch nach oben durch das vom Hilfsrahmen getragene Kunststoffheck gebrannt.

Laut Feuerwehr hatte der (serienmäßige) Endschalldämpfer den linken Koffer in Brand gesetzt. Aller Wahrscheinlichkeit nach war dieser entweder so überladen oder seine Halterung so beschädigt, dass er mit dem Schalldämpfer direkt in Kontakt kam. Möglicherweise fehlte auch das Schutzblech, das im Normalfall in der Schalldämpfer-Aussparung des Koffers montiert ist und Koffer samt Inhalt vor Hitzeschäden schützen soll. Auf den Bildern, die ein Feuerwehrmann beim Einsatz gemacht hat, ist kein solcher Hitzeschutz zu erkennen, und im Polizeibericht findet sich kein entsprechender Hinweis. Der Brand war dann zwar schnell gelöscht. Doch die Feuerwehrleute stuften die GS mit dem Brandloch im Heck anschließend als Totalschaden in Höhe von 9000 Euro ein.

Foto: Archiv

Interview zum Thema "Helm auf- und Visier zu lassen!"

Interview zum Thema "Helm auf- und Visier zu lassen!"

Alexander Schröder ist Lehrer an der Staatlichen Feuerwehrschule in Regensburg. Der Feuerwehrausbilder fährt selbst seit 22 Jahren Motorrad, aktuell eine BMW R 100 GS mit rund 120000 Kilometern.

Ein paar Spritzer Benzin auf den heißen Krümmer, kann das schon reichen, dass ein Motorrad in Flammen aufgeht?
Schröder: Theoretisch ja. Benzin bildet bereits ab einer Umgebungstemperatur von 40 Grad genügend Dämpfe, um entzündet werden zu können. Die Zündtemperatur liegt bei 220 bis 450 Grad. Diese Temperaturen können an einem Motor durchaus entstehen. Handelt es sich aber tatsächlich nur um „Spritzer“, ist die Gefahr, dass das ganze Motorrad in Flammen aufgeht, eher gering.

Und ganz so schnell wie bei James Bond geht es ja nun auch nicht, oder?
Schröder: Nein! Genau wie auch beim Auto kann man eine Explosion eines Motorrads so gut wie ausschließen!

Wenn ein Motorrad, warum auch immer, dann aber doch mal brennt, was kann man dem Fahrer und eventuellen Mitfahrern generell raten?
Schröder: Auf jeden Fall sofort anhalten! Eine brennende Gepäckrolle kann durch den Fahrtwind wohl nicht gelöscht werden. Im Straßenverkehr immer zuerst an die Verkehrsabsicherung denken! Ist man mit Sozius unterwegs, sollten zwei Warnwesten zur Standardausstattung gehören. Und dann natürlich schleunigst die Feuerwehr rufen - 112!

Es sind gar nicht so wenige Fälle dokumentiert, bei denen sich das Gepäck aufgrund falscher Beladung am Auspuff entzündet hat. Wenn’s hinten, also weit vom Tank entfernt, kokelt, soll ich versuchen zu löschen, z. B. mit der Jacke, oder mich grundsätzlich gleich in Sicherheit bringen?
Schröder: Wenn es die Situation zulässt, kann man natürlich versuchen zu löschen. Die Jacke wäre dann aber wohl hin. Eine weitere Möglichkeit wäre, das Gepäck zu entfernen. Dabei sollte man die komplette Schutzkleidung, auch Helm mit geschlossenem Visier, anbehalten.

Foto: Hammaberg
Im wesentlichen gibt es drei Gründe, aus denen Motorräder in Flammen aufgehen: technischer Defekt, fehlerhafter Umbau oder Gepäckbrand durch heißen Auspuff - und einen vierten: Versicherungsbetrug.
Im wesentlichen gibt es drei Gründe, aus denen Motorräder in Flammen aufgehen: technischer Defekt, fehlerhafter Umbau oder Gepäckbrand durch heißen Auspuff - und einen vierten: Versicherungsbetrug.

Versicherung

Versicherung
Brandschäden sind durch die Teilkaskoversicherung (TK) gedeckt. Wenn dem Feuer ein selbst verschuldeter Unfall vorausgeht, übernimmt die TK den Feuerschaden, aber nicht den Unfallschaden. Die Versicherung wird mithilfe eines Gutachters versuchen zu klären, wie hoch der (nicht TK-gedeckte) Unfallschaden am Motorrad ist. Bei der Abrechnung wird dann eine Trennung nach Schadenursache (Unfall oder Brand) vorgenommen. Beispiel: Ein Motorrad (Wiederbeschaffungswert 10 000 Euro) stürzt ohne Fremdeinwirkung und fackelt aufgrund des Sturzes ab. Wenn der Sturzschaden 2000 Euro beträgt, ersetzt die Teilkasko 8000 Euro.

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