Report Gigamoto Superbikes auf Abwegen

Supersportler mit bis zu 200 PS springen über riesige Offroad-Tables, driften im Supermoto-Stil um die Ecken und jagen mit Endless-Wheelies über ewig lange Geraden. Gigamoto – eine fixe Idee spleeniger Motorrad-Enthusiasten oder eine mögliche neue Rennserie?

Foto: Jahn

Superbikes auf Abwegen

Ein kühler, wolkenverhangener Septembermorgen. Die nächtliche Feuchtigkeit hängt hartnäckig über dem nahezu verwaisten Fahrerlager, eine dicke Tauschicht bedeckt eine einsame Wagenburg. In deren Mitte geben die erloschene Feuerstelle und zahlreiche leere Flaschen stumm Zeugnis vom fröhlichen Gelage am Vorabend. Nach und nach öffnen sich die Türen der Wohnmobile, in Jacken oder Kapuzenpullis eingemummelte Gestalten schlurfen schlaftrunken über den Platz. Vier Freaks aus der Supermoto-Szene luden PS zur Vorführung einer nach ihrem Wunschbild neuen Rennklasse: Gigamoto.

Umgebaute, leistungsstarke Sportler sollen in Supermoto-Manier über mit Offroad-Anteil präparierte Rennpisten prügeln. Jo Bauer, Supermoto-Profi und nebenberuflicher PS-Stuntfahrer, gehört zum innersten Gigamoto-Kreis. Er führt vor, wie sich die Männer den Sport vorstellen, schnappt sich seine leicht modifizierte Ducati 1098S und springt kurzerhand über einen 15-Meter-Table. Komplett crazy. Ein anderer wheelt die lange Start/Ziel-Gerade auf einer Yamaha R1 entlang, der Nächste erklimmt auf einer uralten GSX-R 1100 einen kurzen Geländeanstieg, während sich der Letzte des Quartetts mit einem Eigenbau auf Ducati-Basis in die verschlungene Kurvenwelt der Sumo-Piste wirft. Klingt verrückt, ist es auch. Die Initialzündung der Gigamoto-Idee, einer zentral auf Show basierenden Serie, erfolgte vor einem Jahr just hier, auf einem bei Piloten und Zuschauern gleichermaßen beliebten Kurs etwas südlich von Freiburg im Breisgau. Einige Giga-Akteure drehten im Rahmen der Internationalen Deutschen Supermoto-Meisterschaft ein paar Demo-Runden auf ihren abgewandelten Sportlern, die Zuschauer jubelten, der Traum einer eigenen Serie war geboren. Nach den Vorstellungen ihrer Gründer soll die ersehnte Rennklasse später sogar WM-Status erhalten.
Anzeige
Foto: Jahn

Offroad-Tables, Supermoto-Drifts, Endless-Wheelies

Naive Träumerei? Möglich. Bis zu einer seriösen WM ist es jedenfalls noch ein weiter Weg. Gigamoto muss sich erst einmal national behaupten, noch existiert die Klasse nicht, erst einige wenige haben sich fix eingeschrieben. Die brauchen Mut; von den Anwesenden wagt im Moment lediglich Bauer den Sprung über den Table. Zwei Jünger verzichten ganz auf Geländeeinlagen, ihre edlen Umbauten sind dafür zu schade. Die leicht verbeulte vordere Felge an Bauers Duc, eine angeschliffene Ölwanne und verbogene Serienfußrasten sind Beleg für Material mordenden Einsatz und bestätigen die Vorsichtigen. Michael „Boddle“ Schellberg, kauziger Endvierziger und treibende Kraft der Gigamania, relativiert: "Solch extreme Geländeeinlagen sind für die Serie nicht zwingend nötig. Wir können uns gut vorstellen, auch auf normalen Rennstrecken zu fahren, auf denen idealerweise ein langer, flacher Sprung nach Vorbild des amerikanischen Dirt-Track installiert ist."

Was unterscheidet Gigamoto dann eigentlich von herkömmlichen Rennserien? Die Motorräder: Gemäß Reglement sollen sie bar jeder Verkleidung an den Start rollen, benötigen mindestens 2 Zylinder und wenigstens 150 Kilogramm Kampfgewicht, einen höher gesetzten vorderen Kotflügel, einen hohen und breiten Lenker inklusive der typischen Supermoto-Protektoren, und sie müssen in maximal 8 Sekunden von null auf hundertfünfzig Stundenkilometer beschleunigen können. Das war’s auch schon; kein nachträglich höher gelegtes Fahrwerk oder verlängerte Federwege. Vorteil: Die Regeln sind unkompliziert, passen für die meisten Sportler und der Umbau geht recht einfach vonstatten. Der Tag neigt sich seinem Ende zu, PS spult mit jedem der 4 Bikes einige Runden auf der verwinkelten Strecke ab. Trotz großer Unterschiede der einzelnen Umbauten eint eine Eigenschaft die Gefährte:

Sie biegen allesamt eher schwerfällig in die Kurven; der infolge der aufrechten Sitzpositionen erhöhte und etwas nach hinten gerückte Schwerpunkt sowie die geänderte Radlastverteilung wollen nicht so recht zu den Supersportlern passen. Der Pilot bringt zu wenig Druck aufs Vorderrad: In Supermoto-Manier weit nach vorn rücken, den Fuß Richtung Boden strecken, den Lenker in den Asphalt rammen und mit einem sauberen Strich ums Eck herum zirkeln ist nahezu unmöglich. Die Homepage www.giga-moto.de offenbart stattdessen teils martialisch inszenierte Bikes mit Feuer und Rauch sowie schräg kostümierte "Warriors" (zu deutsch: Krieger). Diese Aufmachung und Bezeichnungen wie "Psycho-Grauen" erlauben dem verdutzten Betrachter leichte Zweifel an der Idee einer seriösen Rennserie. Schellberg lässt die Katze aus dem Sack: "Wir möchten auch Streetfighter in die Rennserie einbinden." Gut zu wissen.
Anzeige
Foto: Jahn

Die Gigamoto-Bande im Überblick

Ducati 1098S
Die Ducati 1098S ist das am wenigsten modifizierte Bike des Quartetts: Verkleidung weg, fertig. Beinahe jedenfalls. Um den Supermoto-Lenker montieren zu können, ließ der Besitzer eigens eine neue Gabelbrücke anfertigen. Kupplungs- und Bremspumpe stammen von Magura, ebenso die Bremssättel. Ansonsten entspricht jede Schraube der Serie. Der Lenker soll künftig noch etwas höher ragen, und der Serientank muss einem kürzeren Pendant weichen – das soll das Vorrutschen zur Fahrzeugfront erleichtern.

Yamaha YZF-R1
Akkurat aufgebaute R1: Eigenbau-Rahmenheck mit einer zweckentfremdeten Husaberg-Abdeckung; gekürzte Auspufftöpfe; Schmiederäder; schmale 520er-Kette. Die originale Tachoeinheit prangt auf dem Serientank, Scheinwerfer inklusive Lampenmaske entstammen einer Supermoto; in den serienmäßigen Bremssätteln stecken Carbonbeläge. Ein Powercommander regelt die Einspritzzeiten, die Übersetzung ist 4 Zähne kürzer. Die Yam soll 172 PS leisten und ohne Benzin zirka 167 Kilo wiegen.

Suzuki GSX-R 1100
Die 1991er-GSX-R 1100 ist ein ziemlich abgetakelter Ex-Streetfighter. Sie stellt eine Übergangslösung dar – dem eigentlichen Gigamoto-Bike (eine nagelneue R1) haucht ein Tuner gerade 200 Pferdchen ein. Von Ebay für 1500 Euro ersteigert, einen halben Tag Arbeit sowie ein paar weitere Hunderter in die Oldie-Gixxer investiert, stellt sie eine Möglichkeit dar, diesen Rennsport relativ günstig zu betreiben. Weiterer Vorteil: Bei ihr schmerzen die Misshandlungen im Gelände nicht so sehr.

Typhoon
Mit viel Detailliebe konstruierter Eigenbau auf Ducati-Basis. Den Rahmen spendierte eine Duc 888, der Motor werkelte ursprünglich in einer 996. Tank, Schwinge sowie Instrumente entstammen einer Monster, die Marchesini-Felgen entnahm der Schrauber verschiedenen Ducatis. Die Gabel sowie die Bremssättel lieferte eine Fireblade. Die selbst konstruierte Sitzbank ist in Form und Höhe einer Supermoto nachempfunden. Für die Rennerei möchte ihr Besitzer eine weniger edle Maschine aufbauen.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote