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50. Katana-Treffen der deutschen Fraktion in Bückeburg nahe Minden.

Rückblick auf das 50. Suzuki Katana-Treffen Schwert und teuer

Die Zahl der Katana-Enthusiasten nimmt eher ab. Dabei wird es immer schöner, dazu zu zählen. Finden alle, die das 50. Treffen der deutschen Fraktion besuchten.

Man hat schon viel gesehen in dieser Szene, und das mag am Ausgangsmaterial liegen. Ein derart ausgefallenes Motorrad wie die Su­zuki Katana spricht nicht unbedingt die Schüchternen an. Sondern Leute, die sich gern mal zeigen, mit Ecken, Kanten und allem. Typen irgendwie, und wenn denen in den Sinn kommt, so eine Katana müsste auch anders gehen, dann langen die hin: Als in den 90ern bei anderen Modell-Treffen noch braver Serienstandard dominierte, da hatten viele Anhänger des Suzuki-Kultgeräts längst ganz weit ausgeholt und Einarmschwingen oder Up­side-down-Gabeln verordnet, Bandit- oder GSX-R-Motoren eingebaut und Verkleidungen oder Sitzbänke verändert. Es gab also viel zu sehen auf den Treffen der deutschen Katana-Jünger, Leute wie Maschinen, und deshalb begegnete man sich anfangs zweimal jährlich.

Aufgrund dieser Doppeltermine stieg heuer in Bückeburg nahe Minden bereits das 50. Beisammensein, angefangen hat alles 1987 im süddeutschen Rohrdorf. ­Gesittet wird das, wenn man sich so gut kennt und die ganz harten Feiern längst hinter sich hat. Wenn jeder weiß, wie ­dieser oder jener Schalldämpfer klingt, niemand mehr beweisen muss, dass seine Karre nun die endgeilste ist oder er den Breitesten hat. „Nee, nee“, sagt Heinz vom Orga-Komitee und zeigt mit ausladender Armbewegung auf die brav geparkte ­Katana-Schar, „die kennt man so alle seit Jahren.“ Im Prinzip jedenfalls. Die Be­sitzer auch, aber – verdammt noch eins – die verändern sich. Werden reifer, bauen Häuser, ziehen Kinder groß, und deshalb kreisen die Gespräche hinterm Jagdschloss Baum oft genug um schulische statt Motorleistungen, um Dachaus- statt Schwingenumbauten. Die Suzuki Katana ist nämlich nur ein Motorrad, zum Glück.

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Kein guter Start für ein Leben als Kultobjekt

„Aber ein besonderes“, weist Heinz wieder auf den rechten Weg zurück. „Ohne die Suzuki Katana wären wir nicht hier.“ Wo er recht hat... „Und es gibt nicht viele Motorräder, die ihre Fans über so lange Zeit ­beisammen halten.“ Schon wieder: Wo er recht hat... Umso mehr, als der 1980 vom deutschen Target Design-Team ersonnene Entwurf zwar bei Suzuki in Japan helles Entzücken auslöste und noch im selben Jahr auf der IFMA präsentiert wurde, aber als Serienprodukt ab 1981 nur in Maßen überzeugte. Nicht zuletzt wegen sehr ambitionierter Preisgestaltung und leiser Kritik am Fahrwerk vor allem der 750er- und 1100er blieb der Erfolg aus, auch die technisch harmonischer bestückten, aber viel braver gestalteten Mittelklasse-Varianten mit 550 und 650 cm³ standen sich bei den Händlern die Reifen platt. Am Ende wurden viele verramscht – kein guter Start für ein Leben als Kultobjekt.

Oder doch? Die technischen Kritikpunkte ließen sich rasch ausräumen. Bis auf das hohe Gewicht, aber das plagte um 1980 alle Japaner. Überdurchschnittlich dagegen die ebenso robusten wie leistungswilligen und schönen Vierzylinder. Und ohne jeden Zweifel epochal das germanische Design. Dieses mutige Aufbegehren gegen immergleiche Rundungen, dieser entschiedene Schritt in eine neue Zeit. Was haben sich die Konservativen damals ihre Mäuler zerrissen über die Haifischnase der großen Katanas. Und ­inzwischen haben alle eine, außer Harley.

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Umbauten treffen oft genau den Geist der Katana

Heute versucht jeder Hersteller, seinen Krafträdern eine optische Identität zu ­verpassen, eine ästhetische Formensprache für Power und Speed zu finden. Weshalb ja auch eine 1100er-Katana bereits in New Yorks Guggenheim-Museum stand, 1998, als die sensationelle Ausstellung „The Art of the Motorcycle“ die bis dahin aller-, allerschöns­ten Motorräder zeigte.

Schon wegen dieser gestalterischen Ver­dienste bedauert Elfriede aus dem Süden der Republik, dass „nurmehr so wenig ­Originale kommen“. Aber Guido aus dem Westen recht geben muss, der „toll findet, dass selbst radikale Umbauten oft genau den Geist der Katana treffen“. Am tollsten fand Guido allerdings, dass er in Bücke­burg einen Kumpel wiedergetroffen hat, den er 13 Jahre nicht gesehen hatte. Seine radikal umgestrickte Suzuki Katana ist nämlich auch nur ein Motorrad.

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