Service: Fitness für Hobbyracer Mit den PS-Fitnesstipps fit für die Rennstrecke
Eine gute körperliche Verfassung gehört zu den wichtigsten Bestandteilen einer erfolgreichen Rennsaison. Entgegen der gängigen Meinung gilt dies nicht nur für Profis, auch Hobbypiloten profitieren spürbar von einer guten körperlichen Grunddisposition. In einer zweiteiligen Serie erklärt PS, wie Sie topfit in die Saison starten.
Auch der PS-Rookie durchlief schon eine Fitness-Untersuchung bei Ortema. Experte Stefan Bettels legt besonderen Wert auf Auch der PS-Rookie durchlief schon eine Fitness-Untersuchung bei Ortema. Experte Stefan Bettels legt besonderen Wert auf Beweglichkeit im Beinbereich. Gerade im Straßensport beim Hanging-off unerlässlich.
Foto: Seitz
Der Schweiß fließt, die Arme schmerzen, das Herz schlägt bis zum Hals. Sportliches Motorradfahren ist Knochenarbeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten wird beim Brennen auf der Rennstrecke der gesamte Körper belastet. Die vorderradorientierte Sitzposition und die Bremsphasen gehen zu Lasten der Unterarme und Handgelenke, beim Beschleunigen stemmt sich der Pilot in die Rasten und fordert so die Beinmuskulatur. Um das Bike immer unter Kontrolle zu halten, sind darüber hinaus gute Rumpfmuskeln und ein hohes Maß an Körperspannung nötig.
Ist der Körper für derartige Belastungen nicht ausreichend trainiert, spürt man das neben Muskelschmerzen vor allem an der nachlassenden Konzentration - was im Extremfall zum Sturz führen kann.
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Motorradtraining
Rat und Tat
Aus diesem Grund sollte jeder, der regelmäßig mit dem Motorrad auf der Rennstrecke unterwegs ist darauf achten, zum Saisonbeginn ein Mindestmaß an körperlicher Fitness mitzubringen. Um dies zu erlangen, sind neben einem festen Willen vor allem zwei Faktoren wichtig: professionelle Betreuung und ein möglichst früher Trainingsbeginn. Mit Unterstützung von IDM-Pilot Pascal Eckhardt erklärt PS, wie Sie es schaffen, bis zum Saisonbeginn topfit zu sein.
FITNESSANALYSE
Nur wer sein aktuelles Fitnessniveau kennt, kann gezielt trainieren. Sportinstitute wie Ortema und Europeansports (siehe Kasten Seite 71) sind darauf spezialisiert, die körperliche Fitness von Breiten- wie Profisportlern zu testen und einen individuell angepassten Trainingsplan zu erstellen. Bei Ortema kostet ein Zweieinhalb-Stunden-Test 194 Euro - eine lohnenswerte Investition, die den Grundstein für effektives Training und optimale Fitness über die gesamte Saison legt. Bei diesem Test werden Kraft, Oberkörper- und Beinmuskulatur, Beweglichkeit, Haltung, Balance sowie Defizite ermittelt. Kernpunkt der Untersuchung ist die Laktatmessung, die Auskunft über den aktuellen Fitnessstand gibt.
Pascal Eckhardts Physiotherapeutin Christina Erben erklärt, wie die Laktatmessung funktioniert: "Laktat fällt an, wenn bei großer körperlicher Belastung die Sauerstoffversorgung zu gering ist und der Körper Kohlenhydrate verbrennt. Die Folgen von Laktat sind Schmerzen durch Reizung der freien Nervenenden, zudem fällt der pH-Wert des Körpers, was zu einer Übersäuerung des inneren Milieus führt. Ab einem Laktatwert von etwa 6-8 mmol/Liter (1 mmol = ein tausendstel Mol, ein Mol entspricht etwa 6x10²³ Teilchen eines Stoffes), sinkt allmählich das Verständnis für Technik, Taktik und Koordination - Dinge, die ein Motorradfahrer während eines Rennens unbe-dingt benötigt."
Laktatwerte lassen sich generell in verschiedene Bereiche einteilen. Unter 2 mmol/L arbeitet der Körper im aeroben Bereich: Der Puls ist relativ niedrig, der Muskulatur steht genügend Sauerstoff zur Verfügung. Zwischen 2 und 4 mmol/L gibt es einen Übergangsbereich, in dem der Muskulatur förmlich die Luft ausgeht und der Körper allmählich vom aeroben, fettverbrennenden in den anaeroben, kohlenhydratverbrennenden Bereich rutscht. Ab zirka 4 mmol/L befindet man sich dann im anaeroben und damit schädlichen Bereich, der Puls ist entsprechend hoch. Diese Werte sind allerdings lediglich grobe Anhaltspunkte - nur mit einer individuell ermittelten anaeroben Schwelle lässt sich ein optimaler Trainingsplan erstellen.
Steht das aktuelle Fitnesslevel fest, geht es ans Trainieren. Generell sollte der Trainingsplan eines Hobbyracers aus vier Säulen bestehen: Ausdauertraining, Krafttraining, Mentaltraining, Erholung.
AUSDAUERTRAINING
Eine gute Grundausdauer ist die wichtigste Voraussetzung für eine konstante Leistung über den gesamten Renn- und Saisonverlauf. Nur wer bis zum Zielstrich fit bleibt, fährt vorne mit. Darüber hinaus verlangsamt gezieltes Ausdauertraining den Laktatanstieg und vermeidet so Probleme, die durch zu hohe Laktatwerte entstehen, beispielsweise Konzentrationsschwächen und Muskelübersäuerung. Das Herz-Kreislauftraining orientiert sich strikt an den Ergebnissen der Laktatmessung und dem daraus erstellten Trainingsplan, der Trainingsdauer und Herzfrequenzen enthält. Als Trainingsgerät eignen sich Hometrainer oder Fahrrad. Joggen trainiert ebenfalls die Ausdauer und tut dazu noch der Psyche gut. Letztlich bleibt es der persönlichen Vorliebe überlassen, ob man sich fürs Fahrrad oder die Laufschuhe entscheidet, beide Trainingsformen sind in etwa gleich effektiv.
Bei allen Trainingsformen gilt: nicht übertreiben! Oft überlasten Sportler aus Unwissenheit ihren Körper, was definitiv schadet statt nützt. Die Faustregel für Trainingsanfänger: Den Körper nur so stark belasten, dass jederzeit noch problemlos eine Unterhaltung möglich ist.
Auch für's eigene Heim gibt es einige Grundlegende Übungen: Hier: Nackendrücken mit der Kurzhantel. Diese Übung trainiert den gesamten Schulterbereich, mit die wichtigste Muskelgruppe beim Motorradfahren auf der Rennstrecke. Vorn auf eine Stuhlkante setzen und beide Hanteln zeitgleich nach oben stemmen. Arme und Rücken nicht komplett durchstrecken.
Foto: Vogel
KRAFTTRAINING
Das Krafttraining sollte speziell auf die Bedürfnisse des Motorradsports abgestimmt sein. Es sollte Übungen zur Körperspannung sowie spezielles Training einzelner Muskelgruppen enthalten. Straßensportpiloten sollten vor allem Trizeps, Schulter und Nacken trainieren, um den Verzögerungskräften entgegenzuwirken, für Offroadfahrer lohnen sich außerdem Übungen für den Oberschenkelbereich.