Szene: Fighterama 2009 Brenn-Elemente

Burnout-Syndrom? Sicher ist, dass die nach Kalkar um- gezogene Fighterama verglichen mit den Vorjahren abgebaut hat. Heiß her ging es in der ehemaligen Bauruine des Schnellen Brüters dennoch. Ob die Streetfighter-Messe dort eine strahlende Zukunft hat, ist aber unklar.

Foto: Bilski
Stichflammen zucken über umgitterte zwanzig Quadratmeter Asphalt, auf denen sich die Szene abspielt. Beißende Rauchschwaden, in die sich der Hinterreifen zunehmend auflöst, vernebeln Sicht und Sinne. Mit einem finalen Knall entlässt der durch die Karkasse geraspelte Gummi endlich seine drei Bar Druck, und rings um den Käfig bricht Jubel los: Das Volk wollte Blut sehen. Ein Störfall? Keineswegs. Für Fighter-Fans ist ein Burnout der Normalfall.

Für den Brenn-Wettbewerb am Samstag Nachmittag auf der Fighterama haben manche eigens ein paar alte Böcke auf dem Hänger angekarrt. Aber nicht nur "Burnout-Huren", auch einige vorher liebevoll in der heimischen Schraubergarage aufgebaute Edelfighter werden in die Arena geschoben und müssen darin um ihr Leben kämpfen. Eine Fightermesse ist kein Treffen von Warnwestenfahrern.


Kalkar, eine Kleinstadt inmitten nordrhein-westfälischer Kuhweiden, kurz vor der Grenze zu Holland. Aus der Bauruine des in den Achtzigerjahren heftig umkämpften, nie ans Netz gegangenen Atomkraftwerks Schneller Brüter ist das "Wunderland Kalkar" geworden, ein Freizeitpark mit Messehallen, Hotel und Kneipenstraße. Hier hat die jährliche Fighterama, im Untertitel "Motorrad-, Sport und Tuning-Messe", ihr neues Zuhause gefunden, nachdem sich die Veranstalter und der Betreiber der Messe von Rheinberg, dem bisherigen Standort, überworfen hatten. Wer in Rheinberg dabei war, erinnert sich an luftige bis zugige Messe-hallen, gesegnet mit dem rostigen Charme bröckelnden Betons, aber viel Platz, eine feucht-fröhliche Samstags-Party, die in der Miss-Fighterama-Wahl regelmäßig ihren bierselig-erotischen Höhepunkt fand - und musste mit dieser Erwartungshaltung in Kalkar enttäuscht werden.

 

So wie Norbert, der mit seinen Kumpels vom Katana-Stammtisch aus München rund 700 Kilometer nach Kalkar gefahren war: "Mei, jetzt hab ich alles scho dreimal g'sehn", lautete sein leicht gefrustetes Fazit bereits am Samstag Nachmittag. Dabei hatte er von Freitag bis Sonntag zwei Übernachtungen mit Vollpension inklusive All-you-can-drink am Abend für 200 Euro gebucht (Party-Eintritt mit allen Getränken allein: 30 Euro).


Tatsächlich konnte das Messe-Angebot mit etwa 70 Ausstellern, darunter Tuner und Zubehör-Anbieter wie LSL und ABM, Helmhersteller Arai, Bandit-Helmets, szenebekannte Umbauer wie Bimbo Fighters, MGM-Bikes oder RF-Biketech, mit dem der Vorjahre nicht mithalten: zu wenige Anbieter, keine Clubs, die sich in der Vergangenheit ebenfalls präsentieren konnten, die Hallen zu klein, die Gänge zu eng, die Beleuchtung zu duster - so die einhellige Kritik. Wer aber einfach nur nach Kalkar gekommen war, um einen Nachmittag durch die Hallen zu schlendern und sich die Wheelies und Stoppies der Stuntshow im Freien anzusehen, der kam auf seine Kosten. Nicht zuletzt weil die Veranstalter den Eintrittspreis mit sieben Euro am Samstag und fünf am Sonntag niedriger als in den Vorjahren angesetzt hatten.

 

So sah's auch "Krümel" von den Motorradfreunden "Rollos Wilde Bande": "Ich find's super hier, hab' eine Menge Kumpels getroffen, und auf der Party sind auch gute Leute unterwegs." Die rustikale Fete wurde in den Katakomben des verhinderten AKW gefeiert, wo statt des Reaktorbeckens nun eine Kneipenstraße für Anreicherung sorgt - bei im Eintritt inbegriffenem Flatrate-Saufen erst recht.

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