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Two-Seater-Fahrt auf der MotoGP-Ducati in Valencia Der absolute Wahnsinn

Als PSler freiwillig hinten drauf mitfahren? Auf einer MotoGP-Rakete? Niemals nie nicht! Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Eine Runde als Beifahrer auf der MotoGP-Ducati in Valencia.

Manchmal passieren Dinge einfach so. Etwa wie mir während des letzten GP-Wochenendes der Saison im spanischen Valencia. Kurz nach einem Interview mit Ex-Ducati-Werksfahrer Cal Crutchlow kommt ein netter Mann eines namhaften Bekleidungsherstellers auf mich zu und fragt: „Was machst du morgen früh zwischen acht und halb elf? Solltest du einen Termin haben, verschiebe ihn. Ich habe eine Überraschung für dich! Und trink nicht zu viel Kaffee nach dem Aufstehen!“

Ich werde neugierig, er präziser. „Ich habe eine Mitfahrt auf dem Ducati-MotoGP-Zweisitzer übrig. Beziehungsweise jetzt nicht mehr – denn du wirst da morgen schön brav drauf Platz nehmen und dich von Randy Mamola oder Franky Battaini über die Strecke chauffieren lassen.“ „Na dann“, denke ich und hole mir erst mal ein Bier.

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Direkt nach dem MotoGP-Warm-up geht es los

Punkt acht Uhr am Rennsonntag stehe ich mit elf anderen Passagieren am Treffpunkt im Paddock. In einem Container mit Glaswänden stehen die beiden Desmosedici mit ihren unförmigen Soziushecks, daneben ist eine kleine Sitzecke, dahinter die Umkleide.

Es folgt die Begrüßung, der Papierkram und ein Besuch der Clinica Mobile, wo die Mitfahrtauglichkeit attestiert wird. Zurück im Glaskasten ziehen wir uns um, dann kommt das Briefing über das Verhalten während des Ritts: Gut an den Griffen am Tank festhalten, den Bewegungen des Fahrers folgen und nicht rumhampeln!

Direkt nach dem MotoGP-Warm-up geht es los. Während die großen Buben von der Strecke rollen, stehen wir brav und artig wie rot gekleidete Erstklässler in zwei Reihen da und warten auf die Mechaniker, die die Bikes auf der Start-Ziel-Geraden in Stellung bringen.

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Race-Control gibt grünes Licht, der Spaß beginnt

Mamola und Battaini ziehen los, arbeiten tapfer die Gäste ab. Es sind drei, zwei, dann nur noch einer vor mir an der Reihe. Wird auch langsam Zeit, denn der Wind pfeift eisig durchs Leder. Battaini lädt den Nächsten auf und braust davon. Keine zwei Minuten später bremst er mit einem fetten Stoppie vor mir ab, der Kollege räumt den Sozius, ich nehme Platz. Franky zieht los, die Front steigt. Mir schießt ein “Die Reifen sind warm, es kann nichts passieren“ durch den Kopf, und schon geht‘s mit fetter Schräglage im dritten Gang durch Turn eins. Franky zieht auf, die angeblichen 250 Pferde der Ducati reißen an – mir zieht es die Arme in die Länge. „Mehr Druck auf die Raste bei der nächsten Beschleunigung!“, presst es mir durchs Hirn, als wir auch schon abartig heftig Turn zwei anbremsen, Franky runterschaltet und die Fuhre abwinkelt.

Links sehe ich die Curbs, nah, näher, ganz nah! Ich strecke zum Spaß das Knie etwas raus und: Touch-down! „Geil, Alter, das war ein Doppeldecker“, doch es bleibt keine Zeit für lange Euphorie. Wir sind bereits durch Turn drei hindurch, pfeilen der gefürchteten ersten Rechtskurve, wo es öfter mal rumpelt, entgegen. An Frankys Körperspannung merke ich, dass er die Rechts langsam angeht, „safety first“ mit Passagier also. Die folgende Rechts, Turn 5, wird anvisiert, danach geht‘s mit erhobenem Vorderrad auf eine weitere Links, Turn 6, zu. Franky ankert wie der Bär, legt die Duc um und knallt mit regelnder Traktionskontrolle auf die Gegengerade raus.

Die Kunst des Bremsens

Was jetzt kommt, macht sogar einen PS-Tester sprach- und atemlos. Vor Turn 7 legt Franky die Bremse an, baut Bremsdruck auf dem Vorderrad auf. Den verstärkt er dann während des gesamten Einlenkens so abartig, dass ich alle Kraft aufwenden muss, um nicht gegen ihn zu prallen oder über ihn hinwegzufliegen. Und das in Schräglage! UNGLAUBLICH, wie der die Stopper zuzwickt, ohne dass die vordere Pelle nachgibt.

Wenn ich mich nur einmal im Leben so zu bremsen getrauen würde! Wie geil wäre das? Mir wird schlagartig klar, was ich zwar schon seit Längerem wusste, nach dem Ritt aber erst zu 100 Prozent nachvollziehen kann: Die Kunst der schnellen Rundenzeit liegt in der Beherrschung der Bremse! Der Wahnsinn ist das!! Der absolute Wahnsinn!!!

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