Valentino Rossi und das Finanzamt Der schweigsame Doktor

120 Millionen Euro fordert das italienische Finanzamt von Rossi. Sein Wohnsitz in London wird angezweifelt, das Finanzamt in Pesaro hat angeblich Beweise dafür, dass sich Rossis Lebensmittelpunkt immer noch in Italien befindet.

Foto: 2snap

In gewisser Weise hatte Valentino Rossi, siebenfacher Weltmeister, einfach Pech. Wegen der allsommerlichen Nachrichtenflaute stieg er zum wochenlangen Titelthema der italienischen Zeitungen auf. Zunächst wegen einer angeblichen Liebesaffäre mit dem italienischen Fernseh-Sternchen Elisabetta Canalis. Dann – und das war schlimmer – wegen der Forderungen des Finanzamts: Der italienische Staat wirft Rossi vor, er habe zwischen 2000 und 2004 insgesamt 60 Millionen Euro an der Finanzkasse vorbeigeschleust und will nun, Strafe und Zinsen eingeschlossen, für diese Jahre insgesamt 112 Millionen Euro von ihm.

In einem Dossier mit gut 400 Seiten listeten die Beamten des Finanzamts in Pesaro, nahe Rossis Geburtsort Tavullia, penibel auf, welche Firmen dem Champion weltweit gehören und über was für Besitztümer er in Italien verfügt, darunter acht Autos und eine Yacht. Zwar verlegte Rossi seinen Wohnsitz bereits vor sieben Jahren nach London, doch die italienischen Finanzbeamten haben nach eigenen Angaben Beweise dafür, dass sich sein Lebensmittelpunkt nach wie vor in Italien befindet, weshalb er seine Einkünfte auch dort versteuern müsse.

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Schweigen lässt ihn als schlechten Verlierer dastehen

Rossi reagierte: Mit einer kurzen Video-Botschaft, aufgenommen in seinem Apartment in London, von den italienischen Fernsehsendern brav in sämtlichen Hauptnachrichten ausstrahlten. Es sei nicht sein Problem, meinte Rossi, wenn sich Italien und England nicht einig seien, wo er nun Steuern zahlen müsse. Etwas weinerlich beschwerte er sich zudem darüber, dass er von den Medien jetzt regelrecht „gekreuzigt“ werde und verkündete seinerseits einen Presseboykott.

Damit schoss er ein regelrechtes Eigentor. Zum einen mögen auch seine größten Fans nicht so recht daran glauben, dass Rossis Lebensmittelpunkt wirklich in London liegt, denn dazu sieht man ihn zu oft in Italien. Zum anderen nutzt Rossi die Medien seit Jahren für seine Zwecke; sein jetziges Schweigen lässt ihn als schlechten Verlierer dastehen, zumal ihn die Italiener vor allem wegen seiner Fähigkeiten als großer Kommunikator lieben; nicht von ungefähr verlieh im die Universität Urbino vor zwei Jahren die Ehrendoktorwürde im Fach Kommunikationswissenschaft.

Doch nun schweigt der Doktor, und verliert damit den Kontakt zu seiner Fangemeinde, die allmählich auf Distanz zu ihrem Liebling geht. In den Internet-Foren und Zeitschriften häufen sich kritische und vor allem enttäuschte Kommentare. Rossis Prüfstein wird nun der Grand Prix in Misano am 2. September sein, nur wenige Kilometer von seinem Heimatort Tavullia entfernt: Schafft er es dort nicht, die Italiener wieder in seinen Bann zu ziehen, dann könnte der Mythos Rossi bald der Vergangenheit angehören.

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