Vom Rookie zum Racer, Teil 2 Kopf hoch!

Einen echten Racer zeichnen neben purer Schnelligkeit vor allem Geschick und Feeling im Umgang mit dem Motorrad aus. Deshalb sähe PS-Stunt-Fahrer und -Tester Volkmar Jacob keinen Nachteil darin, wenn sein Kollege Seitz die Standard-Disziplin Wheelie endlich beherrschen würde.

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Wow! Der Schritt war größer, als ich dachte. Mit den gerissenen 2 Minuten am Hockenheimring habe ich mir wohl mehr Respekt bei den Kollegen verdient als mit den unzähligen Reportagen und Tests in den Jahren davor. "Uschi" hat mich seit ein paar Wochen keiner mehr genannt. Jetzt erklärt sich sogar Vorturner und Testkollege Volkmar "Jacko" Jacob bereit, sein Wissen über das schwebende Vorderrad zu teilen. Kollege Glück sichert Mithilfe zu: Er überlässt mir großzügig seine Honda Dominator – oder ist er nur scharf auf einen Versicherungsfall?

Mit der Dominator, meiner alten CBR, einer zerschlissenen Kombi und einem etwas muffeligen Helm der ersten Stunde geht es auf ein abgesperrtes Gelände. "Einzylinder sind super für die ersten Übungen", beginnt Jacko den Unterricht. "Mit dem hohen Drehmoment in unteren Drehzahlen kannst du mit dem Gas die Front Stück für Stück anheben und den Kipppunkt ausloten. Rutsch mal nach hinten, ich zeig dir, wo der liegt." Nach ein paar Runden im Doppelpack rolle ich mit der Dominator an, drehe kurz das Gas zu und ziehe es dann mit "Schmackes und Gefühl" wieder auf. Nach ein paar Versuchen klappt das recht zuverlässig. Wichtig für alle, die es nachmachen wollen: Der rechte Fuß gehört auf die Bremse, um den Abstieg nach hinten zu verhindern, denn mit der Zeit reißt man schon mal sehr optimistisch am Lenker.
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Kipppunkt gefunden. Jetzt der Trick mit der Kupplung. Nach mehreren Doppelpack-Runden auf der CBR habe ich Jackos Spiel mit Gas, Kupplung und Bremse verstanden. Die ersten Bahnen sind verheerend: Der Motor jault, Fußgänger glotzen, aber das Vorderrad klebt stur am Boden. "Konsequenter am Gas bleiben", rät der Meister. Bei etwa 6000/min zieh ich leicht die Kupplung und dreh weiter vorsichtig das Gas auf, während ich die Kupplung schnell wieder rauslasse. Das Vorderrad wird leicht, der Helm beschlägt von innen – yeah!

Fotograf Künstle dämpft allerdings meine Euphorie augenblicklich, indem er mir das Kamera-Display vor die Nase hält: Mehr als Bierkastenhöhe war das nicht. So vergeht ein Vormittag, den sich Jacko und Künstle mit endlosen Gesprächen vertreiben, nur gestört durch das Getöse meiner CBR, auf der ich eine Übungsbahn nach der anderen abspule. Ohne Übung geht es nicht, aber am Ende hat es sich gelohnt! Bin mal gespannt, was sie sich als Nächstes für mich ausdenken.

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