Vom Rookie zum Racer, Teil 3 Offenbarungseid

Die 1000 Kilometer von Hockenheim fordern ganz schön Kondition, weshalb die Redaktion den Rookie zwecks Leistungsdiagnose zu Ortema schickte.

Foto: Bilski
Der Herr Bettels ist bestimmt kein übler Kerl. Aber wenn der Sportwissenschaftler zum wiederholten Mal hinter einem "Druck, Druck, Druck" brüllt, während der Schweiß in den Augen brennt und das Herz bis unter die Schädeldecke hämmert, könnte man glatt die Beherrschung verlieren. Der Mann macht aber nur seinen Job. Bettels ist mein Coach während des redaktionell verordneten Leistungstests bei Ortema in Markgröningen.

Schuld an allem hier ist eigentlich Max Neukirchner. Der Sachsenpfeil war kurz vor mir in diesem sportmedizinischen Folterkeller, den mittlerweile etliche Rennfahrer regelmäßig besuchen, und bekam von den Wissenschaftlern aufgezeigt, dass er sein Training etwas umstellen sollte. "Auch Hobby-Racer sollten bestimmte Dinge beachten, wenn sie sich steigern wollen", erläutert Stefan Bettels und testet als Erstes meine Beweglichkeit. Das Leben hinterm Schreibtisch hinterlässt Spuren. Einige Körperpartien sind steif wie ein Reiterstandbild. Dabei muss ein echter Racer beweglich sein, "besonders in den Beinen, dem Rumpf und dem Schulter/Hals-Bereich".
Anzeige
Foto: Bilski
Ebenfalls wichtig ist eine solide Grundfitness, um nach den ersten Runden nicht die Konzentration zu verlieren. Ausdauer, nicht Maximal-Power ist angesagt. Ermittelt wird das per Ergometer, auf dem ich gefühlt eine Bergetappe der Tour de France radeln muss, bis absolut nichts mehr geht. Dazwischen wird regelmäßig der Laktatwert geprüft. Als ich wieder sehen kann, zeigt mir der nette Herr Bettels die Werte eines 17-jährigen Nachwuchs-Radfahrers und legt meine Kurve darüber. Der Fotograf lacht sich schlapp – mir fehlt für den gezielten Fausthieb die Kraft.

Die ist gefragt beim folgenden Test: An hochmodernen Geräten ermittelt Ortema die Leistungsfähigkeit isolierter Muskelpartien – immer nach dem Schema Muskel und Gegenmuskel. "Druck, Druck, Druck", brüllt er wieder.
Nach vier Stunden sind der Test und ich am Ende. Die Auswertung ergibt einzelne Schwächen bei der Beweglichkeit mit teilweisem Grund zur Besorgnis, eine relativ gute, aber nicht beruhigende Ausdauer sowie eine akzeptable Muskelkraft mit leichten Defiziten.

Anschließend erklärt mir Stefan Bettels, wie ich die Mängel bis Ostern beheben kann und baut mich zum Schluss wieder auf: "Die Endauswertung zeigt einen Wert für einen soliden Breitensportler." Ich bin also auf Kurs, die Show kann weitergehen.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote