Was fährt eigentlich: Detlev Louis 20 Fragen an Detlev Louis

Zig Läden tragen seinen Namen, täglich verlassen viele Tausend Pakete die Hamburger Firmenzentrale. Detlev Louis, Jahrgang 1919, ist seit über 70 Jahren im Motorradgeschäft.

Foto: Archiv

Noch älter ist seine Leidenschaft fürs Zweirad, welcher der Hamburger mit kaufmännischem Kalkül begegnete: Auf einer 200er DKW sparte er sich mit Kaffeelieferungen seinen Traum zusammen; denn Detlev Louis war vom Rennbazillus infiziert. Das erste "große Geld" wurde in eine BMW R 51 investiert, die bei Rennen aber chancenlos blieb. Schnell war der Boxer gegen eine 350er Norton-Manx getauscht. Mit Erfolg: Schon ab der zweiten Saison stand Detlev Louis auf dem Podium.

Anzeige
Foto:

Ihr aktuelles Motorrad?
Eine 350er Norton-Manx von 1960, die meine Frau mir zum Geburtstag schenkte.

Und Ihr erstes?
Eine Wanderer, die habe ich jedoch nur repariert und wieder verkauft. Es folgte eine BMW R 51, mit ihr bin ich auch die ersten Rennen gefahren.

Hand aufs Herz: Ihr schönstes?
Meine 350er Renn-Norton. Die BMW war wegen ihres leistungsfressenden Kardanantriebs einfach kein Rennmotorrad. Mit der Norton konnte ich plötzlich Rennen gewinnen.

Welches Bike würden Sie nie (wieder) kaufen?
Es gab kein Bike, welches ich nicht wieder kaufen würde.

Welches muss noch unbedingt in die Sammlung?
Eine Velocette KTT 350 Mk VIII.

Schnelle Entscheidung, kurz begründet:  Kette oder Kardan?
Kette. Sonst hätte ich die BMW damals ja nicht verkauft.

Luft- oder Wasserkühlung?
Luft. Denn Luft kann weder auslaufen noch einfrieren.

Stummellenker oder Lenkstange?
Stummel oder über Kopf verbaute Lenkstange, wenn kein Stummel zur Verfügung steht. 

Drahtspeichen- oder Schmiederäder?
Speichenräder.

Gore-Tex oder Einteiler?
Zum schnellen Fahren nach wie vor nur der Ledereinteiler, ansonsten darf es natürlich auch etwas Bequemeres aus gutem Textilmaterial sein.

Dampfstrahler oder Schwamm und Bürste?
Meine Oldtimer würden es mir zu Recht übel nehmen, wenn ich sie mit einem Dampfstrahler malträtierte. Bei diesen Maschinen gibt es einfach noch zu viele offen verbaute Komponenten.

Das schönste Motorraderlebnis?
Die Rennen mit meiner 350er Norton vor dem Zweiten Weltkrieg. Jede dieser Veranstaltungen war von einer Atmosphäre getragen, die sich später leider nie wieder einstellte. 

Natürlich auch das peinlichste?
Das war bei den Six Days 1952 in Bad Aussee. Gleich in Runde eins hatte ich einen Motorplatzer infolge einer gebrochenen Kurbelwelle. Da stand ich nun im Matsch und durfte das gesamte Feld vorbeiziehen lassen.

Wer legt an Ihrem Motorrad Hand an: die Werkstatt oder nur Sie selbst?
Mittlerweile gönne ich mir den Luxus, dass die Louis-Schrauber-Crew sich um meine Motorräder kümmert.

Auf welche Schrauberleistung sind Sie besonders stolz?
In den 50ern habe ich aus meiner AJS so viel Leistung herausgeholt, dass sie den Werks-Rennmaschinen ebenbürtig war.

Welcher Motorradheld steht bei Ihnen auf der Poleposition?
Schorsch Meier, seinerzeit ein unglaublich talentierter Rennfahrer.

Was darf bei Ihren Motorradklamotten auf keinen Fall fehlen?
Es darf gar nichts fehlen. Früher war das Sicherheitsbewusstsein allerdings noch ausbaufähig. Bei den Rennen haben wir noch nicht einmal Handschuhe getragen.

Und womit würden Sie sich nie auf die Straße trauen?
Mit allem, was nicht taugt.

Wo sind Sie am liebsten unterwegs?
Auf Rennstrecken und Gebirgspässen aller Art.

Wer muss unbedingt noch hinter Ihnen Platz nehmen?
Mangels Soziussitzes und auch in Anbetracht meines Fahrstils war dies eigentlich nie ein Thema. Lediglich für meine Frau habe ich da Ausnahmen gemacht.

Und wem würden Sie gerne einmal hinterherfahren?
Das ist für einen Rennfahrer nicht ganz die richtige Frage.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel