Was fährt eigentlich: Dietmar Wischmeyer 20 Fragen an Dietmar Wischmeyer

Er ist „Günther der Treckerfahrer“, und er ist der „Kleine Tierfreund“. Das sind zwei von diversen Kultfiguren, die über das legendäre Frühstyxradio des Radiosenders ffn ab 1988 ihre Fans im niedersächsischen Sendegebiet und weit darüber hinaus fanden.

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Foto: Archiv

Der 1957 am Fuße des Wiehengebirges geborene Wischmeyer ist studierter Literaturwissenschaftler, überzeugter BMW R 90 S-Fahrer und im Radio, in Büchern und bei Liveauftritten ein brillantes Lästermaul. Mit der Biker-Typologie „Verchromte Eier“ landete er 1993/1994 auch in MOTORRAD einen Volltreffer. Infos: www.wischmeyer.de

Ihr aktuelles Motorrad?
Eine Moto Guzzi Nuovo Falcone, das bezahlbare und pflegeleichte Vorkriegskonzept aus den 70ern. Der Lanz Bulldog unter den Motorrädern ist das ideale Fahrzeug für die Ausfahrt an einem Sonntagmorgen im Frühling. Wer sich schon immer gefragt hat, was eigentlich ein „Cello-Hoden“ ist, hier bekommt er die Antwort. Leider ist dieses Krad wie viele andere Italiener für Mitteleuropäer über 1,60 Meter eine ergonomische Herausforderung - deshalb bleibt s für die Urlaubsreise stets im Stall.

Und Ihr erstes?
Ein Heinkel Tourist 102 A3, zwar oder gerade ein Roller, aber für mich eines der besten, durchdachtesten und praktischsten Motorzweiräder aller Zeiten. Gleich nach bestandenem Führerschein Klasse eins habe ich einem Opa aus der Nähe einen Tourist abgeluchst. Noch heute stehen zwei davon bei mir in der Garage, und wer jemals einen besaß, weiß, welch wunderbare Fehlkonstruktion eine Vespa ist.

Hand aufs Herz: Ihr schönstes?
Ganz klar: die BMW R 90 S in Daytona Orange. Danach hätte die Weiterentwicklung von Motorrädern meiner Meinung nach ohne ästhetische Verluste eingestellt werden können.

Welches Bike würden Sie nie (wieder) kaufen?
Die Liste würde den Umfang dieses Heftes sprengen. Ganz oben ständen natürlich alle Merkwürdigkeiten aus Milwaukee, dann fast alles aus dem Reich der untergehenden Reisschüssel, aus Selbstschonung jede englische Lady und eines, das ich schon mal besaß, würde ich auch nicht wieder kaufen: eine Guzzi Le Mans - tolles Motorrad für 200 Meter bis zur Eisdiele, viel weiter sollte es aber auch nicht sein.

Welches muss noch unbedingt in die Sammlung?
Auch diese Liste wäre sehr lang, wird aber von der Vernunft restriktiv redigiert. Wer hätte nicht gern eine Brough Superior oder eine Vincent (siehe nicht die vorherige Antwort)? Eine NSU OSL ist aber tatsächlich noch im Bereich des Möglichen und wäre mal als Vorkriegs-Krad was ganz anderes. Verflossene Träume: Münch (so teuer, dass man sie nicht mehr aus dem Wohnzimmer rausschieben mag), BMW K1 (futuristisches Design, nach Probefahrt leider nicht so futuristisch unter der Plastikschale), Ducati Hailwood Replica (davon träumt mein Bruder seit seiner Geburt oder schon davor).

Schnelle Entscheidung, kurz begründet:

Kette oder Kardan?
Kardan, man erschrickt so schön, wenn man das Gas zurücknimmt.

Luft- oder Wasserkühlung?
Außer bei der Zündapp KS 50 watercooled habe ich nie ernsthaft über wassergekühlte Motoren an Zweirädern nachgedacht - was soll so was?

Stummellenker oder Lenkstange?
Stange, aber kein Geweih!

Drahtspeichen- oder Schmiederäder?
Die Zeiten des „Gussradwichsers“ sind ja wohl vorbei, geht beides.

Gore-Tex oder Einteiler?
Lederhose und -jacke für die kleine Tour, Textil-Einteiler für die große Fahrt.

Dampfstrahler oder Schwamm und Bürste?
Lappen und Alkoholreiniger.

Das schönste Motorraderlebnis?
Jedes Mal nach Hunderten von Kilometern durch Sturm und Regen sicher und wohlbehalten vom treuen Gefährt wieder vor der eigenen Haustür abzusteigen.

Natürlich auch das peinlichste?
Ohne Sprit fünf Kilometer an einer Schnellstraße bis zur nächsten Tanke schieben. Selber Schuld, als Harley-Fahrer hätte ich den ADAC rufen können - und müssen.

Wer legt an Ihrem Motorrad Hand an: die Werkstatt oder nur Sie selbst?
Zu 90 Prozent die Werkstatt.

Auf welche Schrauberleistung, Reparatur oder Umbau sind Sie besonders stolz?
Auf keine, alle Veränderungen, die ich jemals an irgendwelchen Motorrädern vorgenommen habe, sind nicht von großer Dauer gewesen.

Welcher Motorradheld steht bei Ihnen auf der Pole Position?
Helmut Dähne, wie man leicht hätte erraten können (Stichwort BMW R 90 S).

Was darf bei Ihren Motorradklamotten auf keinen Fall fehlen?
Neben dem Üblichen: Handschuhe mit langem Schaft, denn ist der Puls warm, freut sich der Mensch.

Und womit würden Sie sich nie auf die Straße trauen?
Mit einer Suzuki Hayabusa oder ähnlichen Asphalt-Raketen, sie würden die schlimmsten Seiten an mir hervorrufen, und ich fürchte, ich wäre zu charakterschwach, um auch nur die gröbsten Verkehrsregeln damit einzuhalten.

Wo sind Sie am liebsten unterwegs?
Mit meiner R 90 S links und rechts der Weser oder ohne Ampelstopp 100 Kilometer durch Niedersachsen (das geht hier tatsächlich noch).

Wer muss unbedingt noch hinter Ihnen Platz nehmen?
Ganz ehrlich? Am liebsten niemand!

Und wem würden Sie gerne einmal hinterherfahren?
Hinterherfahren? Wer macht das denn gerne?

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