Was fährt eigentlich: Erich Wunderlich 20 Fragen an Erich Wunderlich

Er ist ganz klar der BMW-Spezialist der Szene. Aber das war nicht immer so, denn Erich Wunderlich (1963 in Brasilien geboren und mit fünf Jahren nach Deutschland gekommen) war ursprünglich ein Yamaha-Mann.

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Foto: Archiv

1985 beginnt die Wunderlich-Erfolgsstory mit dem Veredeln der Einzylindertypen SR und XT. Das Ganze zunächst als Garagengeschäft neben dem BWL-Studium. Der Durchbruch kam mit der doppelten Direktschmierung der beiden Ventile des Yamaha-Einzylindermotors. Die Firma boomte. 1987 erschien die BMW R 100 GS, für den Eifel-Brasilianer „quasi eine doppelte XT 500“. Und bester Nährboden für praktisch wie edel gemachtes Zubehör. Aus ursprünglichen acht Yamaha-Katalogseiten sind heute über weit 1000 BMW-Seiten geworden. „Doch Yamaha“, schmunzelt Erich, „kommt wieder …!“

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Ihr aktuelles Motorrad?
BMW R 80 GS Basic, R 1200 GS, R 1200 Speedcruiser.

Und Ihr erstes?
Yamaha XT 500.

Hand aufs Herz: Ihr schönstes?
Laverda 1000 3C.

Welches Bike würden Sie nie (wieder) kaufen?
Yamaha RD 350 und Hercules K 125.

Welches muss noch unbedingt in die Sammlung?
BMW R 80 G/S.

Schnelle Entscheidung, kurz begründet:

Kette oder Kardan?
Kardan. Funktioniert, ist sauber und nett anzuschauen.

Luft- oder Wasserkühlung?
Als Traditionalist mag ich die simple Luftkühlung, als Techniker Wasser: Leistungspotenzial und Standfestigkeit sind einfach besser.

Stummellenker oder Lenkstange?
Lenkstange! Für den Stummellenker müsste ich meine Essgewohnheiten umstellen.

Drahtspeichen- oder Schmiederäder?
Drahtspeichen! Schön und beim Putzen ein echtes Erfolgserlebnis.

Gore-Tex oder Einteiler?
Gore-Tex. Sehe sonst aus wie eine rasende Weißwurst.

Dampfstrahler oder Schwamm und Bürste?
In der Reihenfolge. Offroad lasse ich ungern eine Pfütze aus, und onroad ziehe ich die verwinkelten Sträßchen der Eifel, Alpen und Pyrenäen der Autobahn vor. Wenn das Moped vor Dreck steht, dann habe ich auch was erlebt.

Das schönste Motorraderlebnis?
Mit meinem Bruder durch Chile. Tolles Land, klasse Strecken und große Herausforderungen. Wir wollten beim Abschied den chilenischen Boden küssen. Diese Geste ist jedoch höheren Stellen vorbehalten.

Natürlich auch das peinlichste?
Als 18-Jähriger das einzig wahre „Männermotorrad“, die XT 500, an der Tankstelle vor einer attraktiven Dame cool ankicken zu wollen und mit einem grandiosen Rückschlag fast meine Kniescheibe am Schienbein wiederzufinden. Mit Tränen in den Augen habe ich es geschafft, musste mich aber in der nächsten Straße vor Schmerzen erst mal neben mein Motorrad legen.

Wer legt an Ihrem Motorrad Hand an: die Werkstatt oder nur Sie selbst?
Mich hat der Spruch „Die Schrauber von heute sind die Motorradfahrer von morgen“ geprägt. Schrauben gehört für mich zum Seelenbalsam. Deshalb liebe ich Fahrzeuge mit durchschaubarer Technik. Zum Glück ist das bei den aktuellen BMWs auch noch so. Halt mache ich nur vor der Elektronik.

Auf welche Schrauberleistung sind Sie besonders stolz?
Aufbau einer meiner ersten SR 500 zum Roadster. Mit Alu-Tank, MZ-Scheinwerfer, integriertem Tacho und einer neu gestalteten Sitzbank. Hier habe ich das erste Mal ein Konzeptbike auf die Beine gestellt, in dessen Entstehungsgeschichte viele weitere Produkte und Ideen entstanden sind. Seither entwickeln wir mindestens einmal pro Jahr ein Konzeptfahrzeug. So macht es richtig Spaß, neue Ideen zu finden und das Bike bis in den Kern hinein kennenzulernen und zu verstehen.

Welcher Motorradheld steht bei Ihnen auf der Pole Position?
Helmut Dähne. Ich habe ihn vor rund 30 Jahren auf dem Nürburgring bei Testfahrten für Metzeler beobachtet. Egal, ob mit R 100 CS oder einem japanischen Vierzylinder: Er war immer der Erste. Zudem ist er auch ein sehr guter Offroad-Fahrer. Ich nehme, wann es immer geht, gerne an der von ihm organisierten Dolomiten-Rallye teil.

Was darf bei Ihren Motorradklamotten auf keinen Fall fehlen?
Helm, Handschuhe, Stiefel und mein Gore-Tex-Anzug. Ich fahre ungern ohne Schutzkleidung, da ich mich schon oft von deren Wirksamkeit überzeugen konnte.

Und womit würden Sie sich nie auf die Straße trauen?
Fällt mir nichts zu ein. Dafür bin ich zu neugierig.

Wo sind Sie am liebsten unterwegs?
Eifel, Alpen, Pyrenäen, Spanien und Südamerika, hier besonders gerne in Chile.

Wer muss unbedingt noch hinter Ihnen Platz nehmen?
Bald hoffentlich eine meiner noch zu jungen Töchter. Am liebsten jedoch alleine, da kann ich es ohne schlechtes Gewissen auch flotter angehen.

Und wem würden Sie gerne einmal hinterherfahren?
Arne Tode auf der S 1000 RR. Aber nur, wenn man an Arnes RR drei Zylinder abschaltet.

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