Was fährt eigentlich: Fritz W. Egli 20 Fragen an Fritz W. Egli

„Liege mit krummer Wirbelsäule im Spital, warte zugedröhnt mit Opiat auf die Reparatur meines Rahmen-Zentralrohrs.“ So die knappe Antwort des begnadeten Motorradkonstrukteurs Fitz W. Egli auf die Fragen zur letzten Folge unserer MOTORRAD-Serie „Was fährt eigentlich …“.

Fotos: Egli, fact

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Foto: Archiv

Fritz W. Egli, Jahrgang 1937, räumt gehörig mit dem Bild des betulichen Schweizers auf. Ganz im Gegenteil: Mit seinen Eigenbau-Rahmen sorgte er dafür, dass aus wackligen Kisten echte Hochgeschwindigkeitsgranaten wurden. Bereits sein erster Wurf, die Egli-Vincent, galt über Jahre als unschlagbar. Und auch die Vmax wurde erst im Egli-Trimm richtig gut.

Ihr aktuelles Motorrad?
„Rübezahl“, ein 1000-cm³-Diesel-Twin mit Beiwagen und ohne Partikelfilter. Der Eigenbau ist ein Albtraum eines jeden seriösen, gewissenhaften TÜV-Beamten und Sittenwächters.

Und Ihr erstes?
Ein Velo mit Cucciolo-Hilfsmotor, die erste richtige Maschine eine Vincent HRD Black Shadow.

Hand aufs Herz: Ihr schönstes?
Emotional betrachtet: die 50er-Cucciolo 50cc. Real: mein 1000-cm³-E-Vincent-Open-Class-Racer. Pure, schnörkellose Funktionalität, kein „Styling”. 

Welches Bike würden Sie nie (wieder) kaufen?
Ein gutes, immer tadellos funktionierendes, renommiertes, seriöses deutsches Fabrikat. Das war wie eine Frau, die hinten wie vorne voll flach ist.

Welches muss noch unbedingt in die Sammlung?
Inzwischen kann ich mich an tollen Bikes freuen, ohne sie besitzen zu müssen.

Schnelle Entscheidung, kurz begründet:

Kette oder Kardan?
Nach Art und Einsatz (gleich Vernunft!) eher Kette (weil emotional).

Luft- oder Wasserkühlung?
Wie oben. Luft.

Stummellenker oder Lenkstange?
Die heiße Stummellenker-Café-Racer-Ära ist für mich passé (Jahrgang 1937… Alles klar?).

Drahtspeichen- oder Schmiederäder?
Lokomotiven haben Schmiederäder. Die meisten meiner Töffs: Drahtspeichen!

Gore-Tex oder Einteiler?
Der geliebte Einteiler (vom Harro selig) ist wohl über die Jahre eingegangen und passt (in der Mitte) nicht mehr über mich. Der ausgefranste Barbour ist noch okay. Was ist Gore-Tex? Ein vegetarischer Brotaufstrich?

Dampfstrahler oder Schwamm und Bürste?
Eine Büchse mit Benzin/Altöl-Gemisch und Pinsel. Ein Lumpen zum Nachreiben. Ein Schwamm ist gut für Warmduscher.

Das schönste Motorraderlebnis?
Zum puren Rasen nach Bonneville. Mit meinem Ethanol-befeuerten, 490-Turbo-PS-Seitenwagentöff, ohne Schiss vor Radar. Der Trip war so geil, dass ich am Ende der Messmeile nicht das Gas weggenommen habe, sondern es noch eine knappe Meile weiter habe wollüstig krachen lassen. Dann der Härtetest für Bremse und Auslaufstrecke, es hat gepasst!

Natürlich auch das peinlichste?
Endlich mal ein Mädchen „abgeschleppt“ (ich war etwa 19, kein Frauenheld), voller freudiger Erwartung zum Waldrand gefahren, Töff auf Seitenständer parkiert. Doch der stand aber zu schief, also Töff aufgerichtet, um etwas zu verschieben, dabei ist dem Mädel der Seitenständer (mit viel zu starker Feder) voll ans nackte Schienbein geknallt: blutende Quetschung, zudem war ihr Petticoat mit Castrol-R verspritzt. Nix wars mit Knutschen.

Wer legt an Ihrem Motorrad Hand an: Die Werkstatt oder nur Sie selbst?
Bin flexibler geworden, meine eigenen (gedrillten) Mechaniker dürfen nicht nur, sie müssen auch.

Auf welche Schrauberleistung (Reparatur oder Umbau) sind Sie besonders stolz?
Ändern Sie die Frage in „Auf welche Teamleistung sind Sie stolz?“, dann sage ich: Anfang der Siebziger im alten, durchgerosteten Thames-Bus über Nacht nach Barcelona zum ersten Mal zum 24-Stunden-Rennen gefahren. Das Töff, die erste Egli-Triumph, ein Prototyp mit Bonneville-Motor, Big-Bore-Kit, zu großen SSI-40-Vergasern, zu scharfen Nockenwellen und einer Spezialkupplung mit viel zu harten Federn, war natürlich nicht fertig. Während Fahrt Motor und Getriebe eingebaut, den Auspuffhalter angefertigt, Licht und Zündkabel verlegt, Startnummerntafeln gemalt. Das und noch mehr im rüttelnden Van, mit Wackelkontakt an der Innenbeleuchtung. Knapp vor der Abnahme am Racetrack angekommen, Pflichttraining geschafft. Im Rennen: Florian Bürki, mein härtester Meisterschaftskonkurrent aus der Schweiz, war der eine Fahrer. Ein harter, drahtiger Bursche, der andere hieß Alain Suter. Zwei zähe Burschen, die mit einer mehr als unvollkommenen, teils falsch konzipierten Maschine auf den zwölften Platz fuhren. Jeder voll konzentriert, jeder gab zwölf Stunden Vollgas, am Ende mit geschwollenen Armen, Sehnenentzündungen, Augen wie Schusswunden und wie die Paviane mit rot geschwollenen Hinterbacken.

Welcher Motorradheld steht bei Ihnen auf der Pole Position?
Jeder Rennfahrer, der mit vollem Einsatz kompromisslos und gnadenlos kämpft. Egal ob ganz vorn oder ganz hinten.

Was darf bei Ihren Motorradklamotten auf keinen Fall fehlen?
Gutes, passendes Bordwerkzeug für alle möglichen Eventualitäten. Wichtige Ersatzteile, auch Gas- und Kupplungskabel, Kupplungsbelagsatz, Reserveschläuche, Kerzen mit Wärmewerten, Reservekette. Sie sehen, ich fahre gerne „Alteisen“ und bin gewappnet. Gut, dass im Beiwagen alles Platz findet.

Und womit würden Sie sich nie auf die Straße trauen?
Bin diesbezüglich furchtlos, man kann sich an technische Mankos anpassen und sicher fahren. Grundziel ist aber immer die technische Perfektion.

Wo sind Sie am liebsten unterwegs?
Auf möglichst leeren Straßen.

Wer muss unbedingt noch hinter Ihnen Platz nehmen?
Ich fahre am liebsten allein.

Und wem würden Sie gerne einmal hinterherfahren?
Einem bestimmten Schweizer STVA(=TÜV)-Beamten, der mir einmal eine Abnahme verweigerte, weil der Lenker des zu prüfenden Töffs 25 Millimeter breiter war als im Typenschein festgehalten.

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