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Gehütete Geschichte: Der Mini-Crosser links ist als „Christmas“-Editions-Modell von 1986 ...

Zu Besuch in der Tech Team's Monkey Garage Paradies für Bonsai-Hondas

In der Werkstatt Tech Team's Monkey Garage beschäftigen sich zwei Spezialisten mit der Pflege und Aufzucht von Monkeys und anderen Kleinsaugern aus der Honda-Familie. Ein Werkstatt-Porträt:

"Komm vorbei, wir sind zeigefreudig. Bei uns ist alles erlaubt, was Spaß macht." Nein, dies ist keine schlüpfrige Offerte, sondern nur das erste Telefonat mit Peter Sturm (56). Es offenbart bereits viel Charme und Witz, den er und sein Kompagnon Burkhard Tech (55) bei Tech Team‘s Monkey Garage ausleben. Wenige Tage später: Ortstermin in Duisburg-Walsum, ganz nah am Rhein. Der Spezialbetrieb für Bonsai-Hondas steht im Schatten eines riesigen, dampfenden Kühlturms eines Kohlekraftwerks. Was für ein Kontrast zu Dutzenden Mini-Maschinchen: Monkeys, Dax und SS 50. Ein Refugium, ein Zoo für Hondas Kleinsauger.

Dort präsentieren Peter und Burkhard in einer Glasvitrine feinst gearbeitete ­Motorkomponenten. „In Deutschland sind wir Generalimporteur von Yoshimura-Teilen für die Monkeys.“ Keiko Oshimi und Masanori Ueno aus dem Umfeld des Tuning-Papstes Pops Yoshimura besuchten das Ruhrpott-Duo im Jahr 2008. „Sie brachten uns ein Riesenpaket mit Mustern“, erinnert sich Peter, „und fragten: ‚Habt ihr Lust damit zu arbeiten?‘ Klar hatten wir!“ Die Edelteile aus Japan passten perfekt zur Duisburger Firma, die Service, Restaurierungen, Teile und Tuning anbietet. Ein kompletter Zylinderkopf von Yoshimura kostet 1250 Euro. Burkhard ist der Techniker, also Werkstattmann, Peter der Kaufmann und Organisator im Team. Ihr gemeinsamer Laden besteht seit dem Jahr 2000.

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Motor der Honda Nice als Basis

Auf ihn wurde Pops Yoshimura durch einen sechsseitigen Artikel in der japanischen Zeitschrift „Moto Champ“ aufmerksam. „In Japan genießen Monkeys Kultstatus. Und in der deutschen Monkey-Szene sind wir wer.“ Nun, Peter war lange Jahre Herausgeber und Chefredakteur des Szene-Blattes „Bonsai News“, die „Stimme der Szene“. Wahnsinn, was in Tech Team‘s Monkey Garage alles geht. Andere Lichtmaschine, kleinere Ölzentrifuge, weniger Schwungmasse, viel mehr Leistung: Vergaser, Nockenwellen, Kurbelwellen, Kopf, Auspuff – alles ist variabel. Der Tuning-Vergaser ist mit einer Düsenröhre bestückt. „Damit bei den großen Ansaug-Querschnitten im Teillastbereich nicht die Strömung zusammenbricht.“

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Foto: Bilski
Halligalli: Von einst 2,1 PS und 36 km/h auf nun 17 PS und 125 km/h Spitze! Komplett-Umbau für rund 13 000 Euro.
Halligalli: Von einst 2,1 PS und 36 km/h auf nun 17 PS und 125 km/h Spitze! Komplett-Umbau für rund 13 000 Euro.

Als Basis benutzen Peter und Burkhard meist den Motor der Honda Nice. Er hat bereits 108 Kubik und die richtige Zweipunkt-Motoraufnahme für den liegenden ohc-Einzylinder. Ihn bestücken die beiden mit einem anderen Kopf, neuem Zylinder, anderer Kurbelwelle und pumpen ihn bis zu 180 cm³ auf. Ihre stärksten Motoren hätten auf dem haus­eigenen Prüfstand schon 22 PS gedrückt. „Okay, ohne Schalldämpfer, aber immerhin.“ ­Maximaler Hubraum sei allerdings wegen der kurzhubigen Auslegung gar nicht ­immer erstrebenswert. „Das Beste sind Quad­rathuber, die drehen schön, sind aber unten herum auch schon kräftig bei der Musik.“ Ideal seien gut 58 zu 58 Millimeter mit 156 cm³, oder 55,5 Millimeter Hub bei 56er-Bohrung und 136 cm³.

Zum Beweis kickt Burkhard einen 136-Kubik-Giftzwerg an. Er grollt und grummelt tief aus dem Yoshimura-Auspuff, saugt aus einem 26er-Yoshimura-Flachschiebervergaser nach Luft. Und wie: Ein variabler Ansaugtrichter mit Luftbeschleuniger verlängert die Gassäule, führt dem Zylinder Sprit „wie ein Duschkopf“ zu. Komplett verfeinerten die Tuner das Fahrwerk mit den kleinen, ballonartigen Acht-Zoll-Stollenreifen: Eine verlängerte Schwinge von Kitaco dient der Fahrstabilität. Davon braucht es bei gemessenen 17 PS und 125 km/h Spitze bei nur 60 ­Kilogramm Maschinengewicht reichlich. Die überarbeitete Telegabel und die stand­festen Scheibenbremsen erweisen sich als absolut notwendig (siehe Fahrbericht in MOTORRAD 7/2015).

Mehr Erlebnis pro Stunden­kilometer

Warm gefahren dreht sich der kleine Single bei knapp 13.000 Umdrehungen die Seele aus dem Leib. Der Flitzer geht beim Anfahren gern aufs Hinterrad, wenn du dein Gewicht nicht nach vorn verlagerst. Erfahrung kommt vom Fahren. Es geht um Philosophie, Fahranschauung, um maximalen Fahrspaß. „Monkeys verkörpern für uns die pure Freude am Zweirad“, sagt Peter, „ein Lächeln beim Fahren, das gar nicht mehr aufhört.“ Burkhard ergänzt: „Für uns ersetzt das vollkommen den Fahrspaß mit einem großen Motorrad.“ Das Motto: „Mehr Erlebnis pro Stunden­kilometer! Wenn du damit eine 120-Kilometer-Runde abspulst, kommst du wieder und sagst: Boah, war das geil!“, schwärmt Burkhard.

Typenkunde gibt’s bei den beiden gratis: Die Ur-Monkey, die CZ 100, baute Honda ab 1961 mit 49 cm³. Sie hatte ein fuß­geschaltetes Dreiganggetriebe, die Flieh­kraftkupplung funktionierte ohne se­parate Handbetätigung. Charakteristisch: der klassische Lenker zum Einklappen. Links und rechts die großen Drehknauf-Schrauben lösen, und schon passen die Mini-Bikes in jeden Kofferraum. Per kleinem Hebel am Tankdeckel konnte man zum Transport die Tankbelüftung schließen, damit kein Benzin ausläuft. Nach der CZ 100 kam 1967 die Z 50 M (Spitz­name Boots-Monkey), ebenfalls noch mit Fünf-Zoll-Rädern, ab 1969 die Z 50 A (Starr­rahmen-Monkey).

China-Teile? Nur im Notfall.

1975 lief diese Baureihe aus und ­wurde vom etwas größeren und deutlich stabi­leren Modell J1 ersetzt. Es verfügte am Heck über eine Schwinge mit Federbeinen, das Tankvolumen stieg von rund 2,5 auf 4,5 Liter. 1978 brachte Honda die stark überarbeitete Version J2 mit dickerem, trapezförmigem Sitz, Mini-Gepäckträger und größerem, bauchigen Tank. Wegen dieses „niedlich-knubbeligen“ Tropfen­tanks seien J2-Modelle besonders beliebt, „sie werden sehr oft von Chinesen kopiert“, weiß Burkhard. Ob sie auch China-Teile verbauen? Peter: „Nur im Notfall. Vorder­gabeln samt Bremsen sind ansonsten schwer zu bekommen.“ Wichtig bei den Umbauten: „Man soll immer sehen, dass es eine Monkey war.“

"Was die Kunden wollen, bauen wir auch"

Generell dürften die Giftzwerge schon zorniger sein. Etwa mit größeren Zehn-Zoll-Rädern, Aluschwinge und Upside-down-Gabel. „Was die Kunden wollen, bauen wir auch.“ Teile hat Tech Team‘s Monkey Garage reichlich rum­liegen. „Wir sammeln ständig Neues. Was für andere aussieht wie Schrott, ist unser eigenes Fort Knox.“ Viele der Teile bekomme man kaum noch, „die lassen sich quasi vergolden: Für uns ist das die Garantie, dass wir auch in Zukunft noch Fahrzeuge aufbauen können“. Bestimmte Baugruppen müsse man einfach im Fundus haben, nicht erst einkaufen, wenn man sie braucht. „Klar haben wir eine ­eigene Drehbank und Bohrmaschine. Sonst kann man ja keine Teile selber anfertigen.“

Peter, Ex-Schuhhändler, und Burkhard als gelernter Optiker und Juwelier favo­risieren Nostalgie: „Klassischen Stil, wir sind eben schon etwas älter.“ Daher hüten sie ihr chromglänzendes Weihnachts-Editionsmodell von 1986 als Kleinod. Von dieser Sonderserie gab es nur 2000 ­Exem­plare weltweit. „Unseres hat null ­Kilometer auf dem Tacho, ist noch nie gefahren, hat noch nie Sprit gesehen.“ Wert: ungefähr 5000 Euro. Noch seltener und teurer: die originale Z 50 M mit Fünf-Zoll-Rädchen und Sitzbank im Karo-­muster aus dem Jahr 1967.

Dax mit Titan-Auspuff zu 1000 ­Euro

„Unsere Hauptleidenschaft sind Monkeys: Die sind kleiner, quirliger, leichter, mit kürzerem Radstand als die größere Schwester, die Dax.“ Letztlich seien Daxe schon eine andere Fahrzeug-Kategorie, weil nicht mehr ganz so gut transportabel. „Aber auch da gibt es richtig böse, wilde Exemplare, mit Titan-Auspuff zu 1000 ­Euro.“ Philosophie und Technik: Wenn die beiden Zeit und Lust haben, bauen sie „Themen-Bikes“, wie die Dax im Stil einer Apollo-Rakete. Sie erinnert an die Mondlandung 1969. „Wir sind eben Überzeugungstäter, ziemlich Honda-verstrahlt.“

Dazu passen bildschöne Kleinstmotorräder auf Basis der SS 50. Im Top-Zustand repräsentieren sie perfekt die 1960er-Jahre. In dem roten Exemplar stecken alleine Teile für 9000 Euro und ein Motor mit 125 cm3. Seit 2013 sind Burkhard und Peter auch noch offizieller Händler für Royal Enfield. „Service für die Pre-Unit-Motoren machten wir schon länger. Das gefiel uns, diese Motorcharakteristik von ganz unten ist was für alte Säcke wie uns.“ Auch die Bikes aus Indien präsentieren die Duisburger gern. Sie sind ja zeigefreudig.

Kontakt

Kontakt zum Yoshimura-Import und Vertragshändler für Royal Enfield kann über alle üblichen Kanäle aufgenommen werden:

Tech Team‘s Monkey Garage Tech u. Sturm

Kaiserstraße 77
47178 Duisburg-Walsum

Telefon: 0203 / 3935539
E-Mail: Info@monkey-garage.de
Internet: www.monkey-garage.de

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