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Wie gehen Wheelie, Stoppie und Donut? PS-Wissen fürs Showbiz-Einmaleins

Mal ganz ehrlich, einen kleinen Stunt wollten Sie schon immer mal vor dem Treff abziehen. Wir PSler verstehen das nur zu gut und zeigen, wie das geht mit Wheelie, Stoppie und Donut.

Wir wollen Sie nicht langweilen, aber wenn Sie Wheelies, Stoppies oder Donuts üben, bitte immer die beiden Grundregeln beachten: 1. ordentliche Schutzkleidung tragen, 2. ein entlegenes Örtchen auswählen, am besten ein Privatgelände. Genug der Belehrung, los geht‘s!

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Foto: Jahn
Wheelie.
Wheelie.

So geht ein Wheelie

Das Wichtigste beim Wheelen ist unser Rettungsanker, die Fußbremse. Deswegen immer, immer, immer den rechten Fuß über dem Bremspedal lassen. Wheelies gelingen am besten mit Drehmoment und nicht mit Spitzenleistung, weil der Motor bei den niedrigeren Drehzahlen sanfter auf Gasbefehle reagiert. Bei den meisten Maschinen ist eine Anfahrgeschwindigkeit zwischen 30 und 50 km/h im ersten Gang ideal. Nun den Oberkörper leicht nach vorn beugen, unverkrampft bleiben. Dann komplett vom Gas gehen, die Gabel federt etwas ein. Jetzt gefühlvoll Gas geben und leicht (!) am Lenker ziehen. Die ausfedernde Gabel unterstützt ein aufstrebendes Vorderrad. Schießt es zu abrupt gen Himmel, auf die Fußbremse treten. Am besten übt man den Kniff mit der Fußbremse, damit der Reflex im Fall des Falles sitzt. Außerdem kann man mit etwas Übung die Maschine im Zusammenspiel von Gas und Bremse schön auf dem Hinterrad balancieren.

Steigt die Front nicht, zurück zu Punkt zwei und den Prozess mit etwas mehr Gas oder kräftigerem Zug am Lenker einleiten. Wenn das auch nichts bringt, die Kupplung zu Hilfe nehmen. Dabei fährt man wieder mit besagter Geschwindigkeit, geht vom Gas und zieht die Kupplung. Nun wieder etwas Gas geben, der Motor dreht hoch. Jetzt zügig einkuppeln. Doch Obacht: Bei zu hoher Drehzahl droht der Salto rückwärts. Sinkt die Drehzahl dagegen zu stark ab, bleibt das Vorderrad am Boden.

Grundsätzlich gilt: Lieber einige Male zu wenig als ein Mal zu viel Gas geben! Die richtige Dosis zwischen Gas, Kupplung und dem Zug am Lenker erfordert etwas Übung. Steigt das Vorderrad kontrolliert, die Gasstellung halten, bis das Vorderrad wieder absinkt. Das erste “Schnäpperle“ ist geschafft. Diesen Prozess jetzt kräftig üben, bis ein Gefühl für den Einrad-Tanz entsteht. Um aus dem „Schnäpperle“ ein richtiges Wheelie zu machen, und dieses möglichst lange, müssen Wheelie-Piloten den Stunt über den Gasgriff kontrollieren. Je steiler das Bike steht, desto länger bleibt die Nase oben. Am besten gelingen Wheelies nahe am Kipp-Punkt. Das ist jene Null-Lage, bei der das Bike auf dem Hinterrad perfekt ausbalanciert ist. Je weiter man das Gas öffnet, desto steiler oder schneller wird das Wheelie. Zum Beenden des Stunts das Gas langsam schließen, um die Landung möglichst weich zu gestalten und das Lenkkopflager zu schonen. Um die Wahrscheinlichkeit von Überschlägen nach hinten zu minimieren, übt man Wheelies am besten bergauf.

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Foto: Jahn
Stoppie.
Stoppie.

So geht ein Stoppie

Stoppies sind im Grunde umgekehrte Wheelies. Einige Profis nennen diesen Stunt daher auch Nose-Wheelie. Die Probleme: Diesen Stunt kann man nicht übers Gas steuern, und der Rettungsanker „Fußbremse“ fällt ebenfalls flach. Bevor der Stoppie-Pilot mit der Übung loslegt, muss er auf einen ebenen und sauberen Untergrund achten. An kühlen Tagen benötigt der Vorderreifen zudem einige harte Bremsungen, um Grip aufzubauen. Danach bei ABS-Bikes das System deaktivieren, idealerweise über den entsprechenden Schalter. Falls nicht vorhanden, die Sicherung ziehen oder den Sensor am Radkranz abschrauben.

Als Erstes muss der Stoppie-Pilot ein Gefühl für die vordere Bremse entwickeln. Dazu beschleunigt man im ersten Gang auf zirka 30 bis 40 km/h und streckt die Arme weit durch. Dann auskuppeln und leicht am Bremshebel ziehen, damit die Beläge an den Scheiben anliegen. Nun den Bremsdruck sanft steigern, sodass sich der Reifen mit dem Asphalt verzahnen kann. Dadurch bekommt auch unser persönlicher Zentralrechner mehr Zeit, ein steigendes Heck von einem blockierenden Vorderrad zu unterscheiden. Jetzt etwas kräftiger ziehen und gleichzeitig das Körpergewicht Richtung Front verlagern, um mehr Druck aufs Vorderrad zu geben. Die Arme bleiben weiterhin fast durchgestreckt. Wenn das Hinterrad leicht abhebt, ist der erste (Mini-) Stoppie geschafft! Dieses Spiel so lange wiederholen, bis man ein Gefühl fürs steigende Heck bekommt. Falls das Vorderrad blockiert, die Bremse schnell lösen! Dann die Übung mit etwas weniger Bremsdruck wiederholen.

Wie bei allen heiklen Fahrmanövern muss man sich auch an Stoppies langsam herantasten. Das erhöht die Konzentration, schärft die Sinne und steigert die Reflexe. Die hohe Kunst ist es, das Bike nahe am Kipp-Punkt zu balancieren. Doch Obacht: Im Gegensatz zu Wheelies ist man absolut machtlos, wenn dieser Punkt überschritten wird! In gewissem Maß kann man einen Überschlag nach vorn auch dadurch verhindern, indem man sein Gewicht bei zu stark steigender Maschine weiter nach hinten verlegt. Tipp: Stoppies gelingen bergab am besten, weil erstens das Hinterrad leichter abhebt und zweitens, falls der Salto droht, das Bike sofort wieder Fahrt aufnimmt, sobald der Pilot die Bremse löst. Dadurch sinkt das Heck subito auf den Boden zurück.

Kommen wir zu den „echten“ Stoppies mit höherem Speed, bei denen erfahrene Piloten bei entsprechend hohem Anfangstempo locker 50 Meter auf dem Vorderrad balancieren. Für Einsteiger sind vier, fünf Meter aber schon eine echte Leistung. Dazu auf zirka 70 km/h beschleunigen. Nun die Bremse wie gehabt sanft anlegen und das Vorderrad mit Gewichtsverlagerung und entsprechendem Bremsdruck belasten, bis das Heck abhebt. Jetzt den Druck so variieren, dass das Bike weder den Vorwärtssalto zelebriert, noch das Heck auf den Boden zurückknallt.

Foto: Jahn

So geht ein Donut

Die Königsdisziplin des Spaßmachens ist der schwarze Gummikringel, auch Donut genannt. Diesen bitte nicht mit dem kreisförmig ausgeführten Burnout verwechseln, den die Dorfjugend so gerne auf abgelegenen Sträßchen in den Asphalt brennt. Der feine Unterschied von kreisförmigen Burnouts und Donuts ist einfach erklärt, aber schwierig gemacht: Beim Burnout steht der Pilot auf dem Boden, blockiert mit der Bremse das Vorderrad und dreht das Bike mit rotierendem Hinterrad einmal um diesen Fixpunkt – fertig ist der Kringel. Der Donut dagegen wird komplett fahrend ausgeführt, also in permanentem Slide.

Beginnen wir mit der Hardware. Je hecklastiger die Maschine (Extrembeispiel: Chopper), desto weniger eignet sie sich zum Donutbacken. Grund: Man bekommt nicht den nötigen Druck aufs Vorderrad. Auch Hypersportreifen sind zumindest für Einsteiger ungeeignet, weil diese Gummis zu viel Grip aufbauen, wenn sie heiß werden. Perfekt zum Burnen eignen sich dagegen ältere Tourenreifen. Ideal: vorne einen Gummi mit viel und hinten einen mit wenig Grip aufziehen. Auch ein hoher, hinterer Reifenluftdruck (um fünf bar) vereinfacht die Show-Einlage.

Und so geht‘s: Im ersten Gang mit Schrittgeschwindigkeit rollen, locker in den Rasten stehen und über den Tank beugen. Nun wird das Hinterrad in Schlupf versetzt, indem mehrere Aktionen gleichzeitig stattfinden: Vorderbremse ziehen, um Druck aufs Vorderrad zu geben und das Hinterrad zu entlasten. Parallel dazu auskuppeln und gefühlvoll wieder einkuppeln (Kupplung etwas schleifen lassen), gleichzeitig Gas geben und weiterhin bremsen. Dies ist der kritische Moment, denn wenn der Vorderreifen zu wenig Grip aufbaut oder zu wenig Druck auf der Front lastet, blockiert das Vorderrad – Sturzgefahr! In diesem Fall sofort Bremse lösen, vom Gas gehen und das Ganze nochmals mit mehr Gewicht auf dem Vorderrad und etwas mehr Drehzahl versuchen. Es ist auch möglich, bei stehender Maschine ein Bein auf den Boden zu stellen. Dann das Hinterrad durchdrehen lassen, vorsichtig aufsteigen und die Bremse so lösen, dass die Fuhre langsam losrollt.

Ist das geschafft, zunächst mit Schrittgeschwindigkeit eine Weile geradeaus fahren, um ein Gefühl für das Motorrad zu bekommen. Danach die Drehbewegung mit einem Lenkimpuls und gleichzeitigem Schenkeldruck einleiten. Anfangs sollte man einen großen Radius wählen, das vereinfacht die Aktion. Die hohe Kunst des Kreisebackens besteht darin, die Drehung zu kontrollieren und immer engere Kreise zu ziehen. Bei rotierendem Hinterrad steigt die Temperatur des Gummis an, er bekommt dadurch zu viel Grip. Bei zu viel Haftung die Drehzahl etwas erhöhen oder die Übung abbrechen und den Gummi abkühlen lassen. Auch durch falsche Gewichtsverlagerung kann hinten zu viel Grip entstehen. Daher sollte man immer darauf achten, den Oberkörper über dem Tank zu halten. Außerdem gilt auch beim Donut die eiserne Regel: Ich burne dahin, wo ich hinschaue!

Chris Pfeiffer im Interview

Es gibt Profis und „Wannabes“. Letztere scheitern meist an der Physik, siehe Crash-Fotos. Im Interview gibt Chris „Pfiff“ Pfeiffer Einblicke in die Stunt-Szene.

Foto: Red Bull Content Pool
Mit je vier Titeln in der WM und EM ist der Deutsche Chris Pfeiffer der erfolgreichste Stuntriding-Pilot der letzten zehn Jahre.
Mit je vier Titeln in der WM und EM ist der Deutsche Chris Pfeiffer der erfolgreichste Stuntriding-Pilot der letzten zehn Jahre.

Wie heißt der Sport denn nun richtig: Freestyle? Stuntriding? Motorradakrobatik?

Stuntriding. Die Jungs und Mädels, die es betreiben, heißen Stunter. Wir Aktive mögen den Begriff allerdings nicht so sehr, weil wir ja keine Filmstunts oder Ähnliches machen. Vor ein paar Jahren wollte ich mal den Begriff „Streetbike-Freestyle“ einführen, das hat sich aber nicht durchgesetzt. 

2010 hast Du letztmals an einem Wettbewerb teilgenommen. Warum seither nicht mehr?

Anders als früher haben solche Wettbewerbe kein Prädikat mehr. Auch gibt es keinen Verband, der die ganze Sache koordiniert und veranstaltet. An den meist von Polen aus organisierten Wettbewerben nehmen vor allem junge Fahrer teil, die bekannt werden und sich einen Namen machen wollen. 

Wer hat das Stuntriding erfunden? Und wann?

Leute, die Tricks vorführen, gibt es schon ewig. Doch Anfang der Neunziger hat der Brasilianer AC Farias das im Grunde wilde Spektakel auf eine neue Stufe gehoben. Dadurch wurde der Sport auch für die breite Öffentlichkeit interessant. Ich persönlich bin bis jetzt in 93 Ländern aufgetreten. Auch bei der Formel 1 oder beim „Race of Champions“ fuhr ich Shows. Daher konnte ich sicher einen Teil zum Ansehen des Sports beitragen.

Wie entwickelt sich die Stuntriding-Szene allgemein? 

Neue, immer attraktivere Tricks und gute Nachwuchsfahrer halten die Szene ungemein lebendig. Vor allem in Frankreich ist das Niveau sehr hoch. Auch das öffentliche Interesse wächst glücklicherweise ständig.

Welchen Deiner Kollegen schätzt Du am stärksten ein?
Wie gesagt gibt es viele hervorragende Fahrer. Einer meiner Favoriten ist derzeit der Pole Rafal Pasierbek alias Stunter 13.

Wie organisiert sich Stuntriding? Gibt es ein Zentralorgan?

Leider nein. Viele Stunter tauschen sich zwar über Facebook aus, doch letztlich kocht jeder sein eigenes Süppchen. Für Außenstehende ist es daher schwierig, an Infos wie beispielsweise Veranstaltungstermine  zu kommen.

Stunt fails

Foto: Jahn
Stunt-Legende Evel Knievel ist der Grösste: Als Stuntfahrer im ursprünglichen Sinn begeisterte Robert Craig „Evel“ Knievel zwischen 1965 und 1975 die Massen.
Stunt-Legende Evel Knievel ist der Grösste: Als Stuntfahrer im ursprünglichen Sinn begeisterte Robert Craig „Evel“ Knievel zwischen 1965 und 1975 die Massen.

Der Grösste

Stunt-Legende Evel Knievel

Als Stuntfahrer im ursprünglichen Sinn begeisterte Robert Craig „Evel“ Knievel zwischen 1965 und 1975 die Massen. Berühmt wurde er vor allem wegen seiner Wahnsinns-Sprünge, bei denen er sich aber immer wieder schwer verletzte – insgesamt 38 Mal. Der heftigste Abflug geschah beim Versuch, über die Brunnenanlage des „Caesars Palace“ in Las Vegas zu springen. 40 gebrochene Knochen und 29 Tage Koma waren die Folge. Als er in London über 13 Busse springen wollte, crashte er abermals. Noch während der Veranstaltung gab er seinen Rücktritt bekannt.

Foto: Hartmann
Stoppie-Crash; „Ich schwör‘s euch, die Bremse hat erst zu wenig und dann auf einmal brutal zugebissen“, redete sich dieser Kollege nach einem missglückten Stoppie heraus.
Stoppie-Crash; „Ich schwör‘s euch, die Bremse hat erst zu wenig und dann auf einmal brutal zugebissen“, redete sich dieser Kollege nach einem missglückten Stoppie heraus.

Der Schwur

Stoppie-Crash

„Ich schwör‘s euch, die Bremse hat erst zu wenig und dann auf einmal brutal zugebissen“, redete sich dieser Kollege nach einem missglückten Stoppie heraus. Ja, ja, schon klar...Glücklicherweise gibt‘s bei unseren Fotoproduktionen relativ selten Schrott.

Foto: Rainer Kopp
Megapeinlicher Burn-out: Es gibt Profi-Rennfahrer, die den Zuschauern nach einem guten Resultat in der Auslaufrunde eine super Show bieten. Dann gibt es die Sorte Hobby-Racer, die den Profis nach einer mäßigen Platzierung nacheifern und auf dicke Hose machen.
Megapeinlicher Burn-out: Es gibt Profi-Rennfahrer, die den Zuschauern nach einem guten Resultat in der Auslaufrunde eine super Show bieten. Dann gibt es die Sorte Hobby-Racer, die den Profis nach einer mäßigen Platzierung nacheifern und auf dicke Hose machen.

Dumm gelaufen

Megapeinlicher Burn-out

Es gibt Profi-Rennfahrer, die den Zuschauern nach einem guten Resultat in der Auslaufrunde eine super Show bieten. Dann gibt es die Sorte Hobby-Racer, die den Profis nach einer mäßigen Platzierung nacheifern und auf dicke Hose machen. So geschehen bei einem Burn-out-Versuch nach den „1000 Kilometer Hockenheim“ 2011. Blöd nur, dass der Pilot (Name der Redaktion bekannt!) dieses grundsätzlich simple Manöver in der überhöhten Sachskurve aufführte. In seiner Euphorie realisierte unser Freund zu spät, dass die Kiste seitlich immer weiter wegrutschte und landete schließlich auf der Nase.

Foto: jkuenstle.de

Quer geht mehr

Vollen Einsatz zeigte Kollege B. beim ersten Test des BMW-Traktionskontrollenvorläufers ASC. Dabei überschätzte er sowohl die Elektronik als auch den Grip des nassen Untergrunds. Daraufhin ging die GS eigene Wege, Krawumm!

Foto: Künstle
... Hast du das im Kasten? Jetzt steigt das Bike weiter Richtung Kipp-Punkt, wo es sich sehr, sehr leicht anfühlt.
... Hast du das im Kasten? Jetzt steigt das Bike weiter Richtung Kipp-Punkt, wo es sich sehr, sehr leicht anfühlt.

Ende einer Dienstreise

Serienkiller

„Pass auf, lieber Jörg“, sprach einmal ein eifriger Zeitgenosse zum PS-Fotografen, „ich zeige unseren Lesern jetzt, wie man Stoppies fährt. Als Erstes geht man gefühlvoll in die Eisen und verlagert sein Gewicht nach vorn, ungefähr so“, erklärte das Nachwuchstalent. „Dann steigert man langsam den Bremsdruck, wodurch das Moped hinten höher kommt. Hast du das im Kasten? Jetzt steigt das Bike weiter Richtung Kipp-Punkt, wo es sich sehr, sehr leicht anfühlt. Spätestens dann musst du... Oh nein, Scheiße, was ist denn jetzt los? Ähem, ich muss jetzt leider gehen...“

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