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Workshop: Wheelies Aufwärtstrend

Wheelies gehören zum Motorradsport wie die 46 zu Rossi. Doch gerade bei diesem Paradestunt sind typische Rennmotorrad-Eigenschaften eher hinderlich. PS stellt die besten Wheelie-Motorräder vor

Foto: K
Mit einem heiseren Schrei bäumt sich eine Yamaha Vmax auf und fliegt mit hoch erhobenem Vorderrad am Fotografen vorbei. Vorderrad absetzen, umdrehen, gleiches Spiel in die andere Richtung. Scheinbar mühelos lässt sich das 314-kg-Dickschiff mit dem gefühlten Radstand eines Porsche Cayenne wheelen. Selbst der Pilot ist überrascht: "Geht besser, als ich gedacht hatte - wenn man den Kniff mal raushat", kommentiert er verschwitzt seine Stunteinlage.

Wieso lässt sich ein schwerfälliges Showbike so gut auf dem Hinterrad manövrieren, während eine leichtgewichtige Yamaha YZF-R6 selbst erfahrene Stuntfahrer vor große Probleme stellt? Worauf kommt's an? Welche Eigenschaften muss ein gutes Wheelie-Bike haben?

"Viel Punch bei niedrigen Drehzahlen ist wichtig, um das Ding überhaupt mal vorn hoch zu kriegen. Am besten einn Ein- oder Zweizylinder, eine Supermoto oder sowas", kommt es aus der einen Ecke. "Motorräder mit kurzem Radstand lassen sich zwar einfacher hochziehen, sind auf dem Hinterrad aber sehr instabil und deshalb eher unpraktisch", grummelt es von anderswo. Ihre 1700 Millimeter Radstand sind also wohl ein Grund für die Wheelie-Qualitäten der Vmax.
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Foto: PS-Archiv

Yamaha YZF-R6, BMW, Yamaha Vmax, MZ SM 125, Suzuki DR 400, Honda XR, Yamaha TT

Noch wichtiger für die Stabilität auf dem Hinterrad ist allerdings die Motorcharakteristik: Besonders bei sehr steilen Wheelies nahe am Kipppunkt können harte Gasannahme oder plötzlicher Leistungseinsatz schnell in einem Überschlag enden - kein Wunder also, dass die Yamaha YZF-R6 mit ihrem extrem spitz abgestimmten Vierzylinder als Wheelie-Motorrad eher unbeliebt ist.

Die Schwachstelle der Vmax liegt dagegen im Endantrieb. Der Kardan quittiert jeden kräftigen Gasstoß mit einen Tritt in den Hintern und versucht, mit viel Unruhe den Piloten von weiteren Wheelieambitionen abzubringen. Eine Eigenart, mit der sich auch kardangetriebene BMW-Modelle gegen stürmische Zeitgenossen zur Wehr setzen. Schade, denn gerade die neue K 1300 R lädt mit viel Leistung und Schaltautomat zu mehrgängigen Hinterrad-Orgien förmlich ein - vorausgesetzt, die Traktionskontrolle ist abgeschaltet. Doch selbst für dieses Problem hat Wheelie-Veteran Jacko eine Lösung parat: Vor dem Gasgeben kurz den Hintern leicht anheben, dann klappt's auch mit Dickerchen wie BMW und Vmax.

PS-Stuntfahrer Jo Bauer hatte schon so ziemlich alles zwischen den Beinen, was sich irgendwie auf einem Rad bewegen lässt - und weiß auch ein paar Tipps. "Ich würde zum Üben eine MZ 125 empfehlen", frotzelt er. Vorteil der MZ: Wer mit einer 125er wheelen kann, kann es auf allen anderen Motorrädern auch. Nachteil: Einsteiger tun sich mit der niedrigen Leistung der MZ sehr schwer. Jo weiter: "Suzuki DR 400, Honda XR oder Yamaha TT. Sind eigentlich alle gut geeignet", fasst er zusammen. Die drei Motorräder überzeugen mit drehmomentstarken Einzylindern und aufgrund des Alters wenig Wertverlust beim Überschlag.
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Foto: PS-Archiv

Suzuki SV 650, Triumph Speed Triple, Triumph Street Triple, KTM 990 Supermoto, KTM LC4, Ducati 1098, Ducati 1198

Alternativ zu den Einzylindern eignen sich in der leicht erweiterten 600er-Klasse auch Suzuki SV 650 und Triumph Street Triple als Wheelie-Werkzeug. Besonders der tolle Motor und die Sitzposition der kleinen Triumph begeistern Tourifahrer und Stuntprofis gleichermaßen. Auch die große Schwester, die Speed Triple verkörpert alle Eigenschaften eines guten Stuntmotorrads: Der seidenweiche, extrem druckvolle Motor, die aufrechte Sitzposition und der moderate Radstand machen Wheelies quasi zum Kinderspiel.

Die KTM 990 Supermoto geht einen anderen Weg, bewegt sich jedoch auch -gerne auf dem Hinterrad. Sie vereint die Vorteile der kleineren Supermotos mit deutlich mehr Leistung. Diese Kombination macht immer und überall Spaß und fordert zu Showeinlagen heraus. Lediglich in Sachen Gasannahme muss sich die große Österreicherin der älteren 640er-Einzylinder-Schwester geschlagen geben.

Dieses Problem kennt der aktuelle Motor des Ducati-Superbikes nicht. Egal, ob als 1098 oder 1198, die Bella Rossa verwöhnt mit butterweicher Gasannahme und beinahe einschüchterndem Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen. Mühelos folgt sie den Wheelie-Winkel-Wünschen des Piloten beim kleinsten Zug am Gasgriff aufs Grad genau.

Ein V4-Motor startet. Die Yamaha Vmax blubbert gemächlich von dannen, cruiser-typisch mit niedrigen Drehzahlen, überfettem Hinterreifen und viel Coolness. Dieses Bike und Wheelies? Niemals! Man glaubt es selbst dann nicht, wenn man mit eigenen Augen zugesehen hat.

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